Auch Zusehen braucht Begleitung – mit Kindern über den Krieg sprechen

Ein weiteres Mal schreibe ich spontan aus einem aktuellen Anlass heraus diesen Blogartikel.

Eine Krise folgt der nächsten

Noch stecken wir mitten in der Pandemie, die Bilder der Hochwasserkatastrophe sind noch im Kopf, auf La Palma hat ein Vulkanausbruch Existenzen zerstört und jetzt ist Krieg in der Ukraine.

Mittendrin in dieser Bilder- und Nachrichtenflut stehen unsere Kinder. Für sie ist der Krieg weit weg und doch so unglaublich nah.

Das transgenerationale Erbe überwinden

Und wieder einmal möchte ich dich daran erinnern, unser transgenerationales Erbe nicht weiter auf die Kinder zu übertragen. Damit meine ich die Bürde, dass wir als Kriegsenkel und -urenkel gelernt haben, über solch schlimme Ereignisse, nicht zu sprechen. „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“ – das wurde vielen von uns mit in die Wiege gelegt. Um so wichtiger ist es, dass wir gerade jetzt das Schweigen brechen und beginnen über unser Erleben zu sprechen und unseren Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

Die Kinder brauchen jetzt erwachsene Vorbilder, die ihnen Halt und Worte geben. Darüber habe ich im vergangenen Jahr einen KitaTalk mit Corinna Scherwath veröffentlicht: „Warum Reden doch manchmal Gold ist“. Da hatten wir noch keine Ahnung, dass wir tatsächlich wieder einen Krieg auf europäischen Boden bekommen werden.

Auch wenn es richtig und wichtig ist, die Kinder vor der nun entstehenden Medienflut zu schützen, gibt es viele Kinder, die Bilder von diesen Krieg durch Medien sehen und Erwachsene darüber reden hören. Diese Kinder brauchen den Raum und zugewandte Erwachsene, um für ihre Gefühle und Eindrücke Worte zu finden.

Kinder auf das Gesehene und Gehörte ansprechen

Und wir müssen nicht immer erst warten, bis ein Kind von sich aus beginnt, darüber zu reden oder dem Ganzen in seinem Spiel Ausdruck zu verleihen. Es besteht genauso die Möglichkeit, gemeinsam in einer Gesprächsrunde einmal nachzufragen, was die Kinder von den Kriegshandlungen mitbekommen haben. Frag sie nach ihren Gedanken und Gefühlen dazu. Sprich über das vermeintlich Unaussprechliche ohne zu dramatisieren. Wie immer ist hierbei, den Grundsatz der Freiwilligkeit zu beachten. Das bedeutet, dass jedes Kind über seine Gefühle sprechen kann aber nicht muss.

Kathrin Mikan hat einen sehr wertvollen Beitrag auf ihrer Internetseite mit dem Titel: Wie spreche ich mit Kindern über den Krieg? veröffentlicht. Sie gibt viele gute Anregungen. Dort findest du auch Informationen zu ihren Gefühlehelden, die dich gerade jetzt wunderbar in deiner Arbeit mit den Kindern unterstützen. Weitere kindgerecht aufbereitete Informationen bietet aktuell auch kika – der Kinderkanal von ZDF.

Gefühlen und Sorgen Raum geben

Solltest Du feststellen, dass die Sorgen und Ängste tiefer sitzen, möchte ich Dich wiedereinmal an Mareike Paics Gastbeitrag über „Phil, den Sorgenschmelzer und seine Kummerkumpel“ erinnern. Ergänzend zum Thema Gefühle hat Mareike einen weiteren wertvollen Beitrag über den Einsatz der „Gefühlsuhr“ geschrieben.

Gundula Göbels Trosttankstelle ist auch eine wertvolle Anregung, die Kinder in ihrer Resilienz zu stärken. Sie sagt: Trost bedeutet für Kinder in schwierigen Situationen Zuversicht und Ermutigung zu erfahren.

Ein Ressourcen- und lösungsfokussierter Blick

Wichtig ist auf jeden Fall auch dieses Mal wieder ressourcen- und lösungsfokussiert auf das Geschehen zu schauen. Die Demonstrationen gegen den Krieg zeigen, dass viele Menschen sich zusammentun, weil sie gegen diesen Krieg sind. Das gibt die Möglichkeit auch über Hoffnung, Verbundenheit und Zusammenhalt zu sprechen. Die kleinen und großen Heldengeschichten nicht aus den Augen zu verlieren, stärken den lösungsfokussierten Blick. Vielleicht möchten die Kinder auch etwas Gutes für die Menschen in den Kriegsgebieten tun und sich an Spendenaktionen für humanitäre Hilfen beteiligen.

Meine Vision

Meine Vision Ich möchte dazu beitragen, dass wir es irgendwann schaffen, unser Erbe des transgenerational bedingten Schweigens hinter uns zu lassen. Ich wünsche mir, dass die nachfolgenden Generationen Worte finden, um ihre Gefühle und Bedürfnisse ausdrücken zu können. Und das ohne sich dafür rechtfertigen oder entschuldigen zu müssen. Es werden noch viele Krisen und Katastrophen und vielleicht auch Kriege folgen. Die heranwachsenden Kinder brauchen andere, erweiterte Kompetenzen, um damit umzugehen und die Erlebnisse zu verarbeiten. Dafür braucht es jetzt Erwachsene, die Kindern in Gleichwürdigkeit begegnen und die die in all ihren Facetten und Gefühlsebenen ernst nehmen. Soweit meine Gedanken und Anregungen zum aktuellen Geschehen.
Meine Gedanken sind gerade bei den vielen Familien mit ihren Kindern, die diesen Krieg in der Ukraine und in Russland erleiden müssen.
Deine Anja

Kraftquellen im Alltag finden

Jede*r von uns fühlt sich manchmal unausgeglichen, antriebslos, abgespannt, nervös und gestresst.  Im Alltag erledigen wir ständig irgendwas, hetzen von Termin zu Termin. Und dann herrscht gerade in den meisten Einrichtungen auch noch der Personalmangel, was noch mehr Druck und Stress auslöst. Und die Pandemie tut gerade mal wieder ihr Übriges dazu. Ständig kommen von allen Seiten nur noch Anforderungen. Dabei vergessen wir oft uns selbst und die Notwendigkeit, uns liebevoll um uns selbst zu kümmern. Schon häufiger habe ich hier in dem Blog über Selbstfürsorge geschrieben: Aus einer leeren Tasse kann man nicht trinken, Kraft schöpfen für die Krise  und Balance zwischen Empathie und Selbstfürsorge.

Dieses Mal soll es im Kern um das Wiederentdecken der eigenen Kraftquellen gehen. Wenn du wieder in Kontakt mit deinen persönlichen Kraftquellen kommst und sie bewusst nutzt, erlebst du auf einmal mehr Schwung, Energie und Lust für das, was du tust.

Erfüllt oder ausgefüllt?

Die letzten 2 Jahre mit all ihren besonderen Herausforderungen waren und sind anstrengend. Da fällt es manchmal sehr schwer den eigenen ausgefüllten Alltag auch als Erfüllung zu erleben. In meiner Coaching und Beratungspraxis begegne ich immer wieder Menschen, die aufgrund einer Vielzahl an Tätigkeiten  gar nicht richtig merken, dass ihnen trotzdem etwas Wesentliches fehlt. Sie spüren dann eine gewisse Unzufriedenheit, können aber gar nicht richtig benennen, woran es liegt. Ohne es bewusst zu haben, brauchen diese Menschen einfach mehr „Nahrung“ als die üblichen, zweckgebundenen Handlungen. Ihnen fehlen die Kraftquellen im Alltag und sie vernachlässigen oftmals ihre Selbstfürsorge. Wesentlich Aspekte, die dann  auf der Prioritätenliste des Alltags oftmals weit nach hinten rutschen. Das gilt für Leitungskräfte genauso wie für viele Fachkräfte in Krippe, Kita und Kindertagespflege.

Wenn dir das bekannt vorkommt, dann solltest du folgende Schritte beherzigen.

Erstelle eine Liste mit möglichen Kraftquellen

Viele Momente bzw. Tätigkeiten, aus denen wir im Alltag einfach nur Freude schöpfen, sehen oftmals gar nicht so bedeutsam aus und sind leicht zu übersehen. Viele andere haben wir fast vergessen. Es ist daher sehr hilfreich, sich seine Kraftquellen wieder bewusst zu machen und sie mal aufzuschreiben.

Nimm dir ca. 20 Minuten ungestörte Zeit. Schreibe dann alles auf, was dir so richtig gut tut und Kraft gibt. Berücksichtige wirklich ALLES.

  • Begegnungen und Unternehmungen mit anderen Menschen oder etwas, das du alleine machst
  • etwas Umfangreiches sein oder etwas ganz Kurzes
  • ein genussvolles Sinneserlebnis (z.B. einen Sonnenuntergang betrachten)
  • ein bewusstes Abweichen von Gewohnheiten (z.B. hin und wieder mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren statt mit dem Bus).

Für jeden Menschen kann es etwas ganz anderes sein. Jede*r von uns schöpft auf andere Weise innere Kraft.

Liste deine Kraftquellen so detailliert wie möglich auf. Ich entspanne beispielsweise so richtig beim Wandern. Das Besondere ist aber hier nicht nur das Wandern, sondern:

  • das gemeinsam mit meinem Mann zu tun
  • die Geräusche des Waldes und der Natur zu hören
  • meinen Körper bewusst zu fordern
  • die Aussicht zu genießen

Und wenn es „das Musik hören“, das „Essen“ oder „das Lesen“ ist, dann frage dich, was alles zu diesem Vergnügen für dich dazugehört. Was auch immer es ist, was in dir ein Wohlgefühl, Prickeln, Wachwerden oder Lebendigkeit herbeiführt, schreibe es auf deine Liste mit deinen Kraftquellen.

Behalte deine Kraftquellen im Blick

Hänge nun deine Liste an einer Stelle auf, an der du mehrmals am Tag vorbei kommst. So wirst du regelmäßig an deine Kraftquellen erinnert und räumst ihnen mehr Platz in deinem Leben ein.

Für dich selbst zu sorgen ist mindestens genauso wichtig, wie die ganzen anstehenden Pflichten zu erfüllen.

Nutze deine Kraftquellen als Genussmomente im Alltag

Wähle zwei, drei kleinere Kraftquellen an, die du ab sofort täglich umsetzen kannst. Markiere dann noch eine größere Kraftquelle, der du dich in den nächsten 6 Wochen gezielt immer wieder widmen möchtest.

In der nächsten Zeit werden dich deine alten Denkgewohnheiten, z.B.: „Ich habe aber keine Zeit“ immer wieder einholen. Lass das nicht zu. Es geht nicht um eine lästige Pflichten, sondern um dich!

Wenn du also – wie ich beispielsweise gerne wanderst, aber zu einer großen Tour im Moment wirklich das Zeitfenster fehlt, dann widme dich eben erst einmal einem der kraftspendenden Details! Ich gehe dann abends noch eine kleine Runde mit meinem Mann durch die Siedlung oder genieße den Blick in den weiten Himmel, wo gerade die Vögel vorbeifliegen.

Bleib also an deiner Kraftquellen dran! Jeder noch so kleine erster Schritt macht den Unterschied. Jeden Tag kurz aber intensiv  aus einer Kraftquellen zu schöpfen, ist ein kleiner Aufwand. Dieser Aufwand lohnt sich, denn du wirst schon bald merken, wieviel besser es dir damit geht.

Auf Instagram und Facebook findest du ein ABC der Kraftquellen, dass ich gemeinsam mit meinen Follower*innen dort zusammengetragen habe. Außerdem habe ich im Rahmen der KitaTalks auf Youtube ein Gespräch mit Rebekka Asbach zum Thema: „Stress lass nach“ geführt. Dort bekommst du noch einige wertvolle Tipps zum achtsamen Umgang mit dir selbst.

Ich freue mich, wenn du hier in den Kommentaren, über deine Kraftquellen und Erfahrungen berichtest.

Bleib achtsam mit dir selbst

Deine Anja

P.S.  Wenn du dich noch weiter mit dem Thema „Selbstfürsorge“ beschäftigen möchtest, kann ich dir: Das kleine Buch der Selbstfürsorge von Robin L. Gobin wärmstens empfehlen. (erschienen im Jungfermann Verlag)