Podcast Episode 21: Vielfalt als Stärke – Diskriminierungsbewusstsein beginnt im Team

In dieser Podcastfolge ist die inspirierende Aida Kiflu zu Gast. Sie arbeitet als Kita-Leitung und Weiterbildnerin für vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung. Zusammen erkunden wir ihr Herzensthema: „Vielfalt als Stärke – Diskriminierungsbewusstsein beginnt im Team“.

Aida teilt ihre umfangreiche Erfahrung und Expertise darüber, wie Kita-Leitungen eine positive und inklusive Umgebung für Kinder schaffen können. Wir diskutieren, wie Vielfalt als eine Quelle der Stärke betrachtet werden kann und wie eine bewusste Auseinandersetzung mit Vorurteilen im Team dazu beiträgt, Diskriminierung zu verhindern.

Besonders betonen wir die entscheidende Rolle der Leitung in diesem Prozess. Aida teilt praktische Tipps und Strategien, wie Leitungen ihre Teams dazu ermutigen können, Vorurteile zu erkennen, zu reflektieren und aktiv gegen Diskriminierung vorzugehen.

Diese Folge ist ein Muss für alle, die in der frühkindlichen Bildung tätig sind und nach Möglichkeiten suchen, eine inklusive und respektvolle Umgebung für Kinder und ihre Familien zu schaffen.

Kontaktdaten:
Aida Kiflu
kifluaida@gmail.com
Insta: youmechange

Vielen Dank an Roland Kah für die hier verwendete Musik: Happy Intro

Kreativität in der Kita fördern- Aber wie?

Gastbeitrag von Julia Laubstein (Instagram: zum-wohle-der-kinder)

1. Was ist Kreativität?

Eine Idee, ein Gedanke oder eine Lösung für ein Problem- Kreativität ist die Fähigkeit „etwas Neues, das auf gewisse Weise wertvoll ist“(vgl. Brodbeck 1998 zit. In Braun) hervorzubringen. Hierbei stellt sich die Frage, was als wertvoll oder etwas Neues definiert und gesehen wird. Dabei kann es für jeden individuell als wertvoll oder eben weniger wichtig erscheinen. Grundsätzlich ist jede Idee oder jeder Gedanke kreativ, wenn sich daraus etwas neues oder anderes für die jeweilige Person oder Situation ergibt

Gleichermaßen wird Kreativität dabei als eine Kompetenz gesehen, die als fundamentaler Schlüssel der Entwicklung steht. Kreativität beschreibt dabei die Fähigkeit „originelle neue Lösungsmöglichkeiten und ungewöhnliche, aber sinnvolle Ideen in verschiedenen Lebensbereichen zu produzieren“ (Braun/ Krause/ Boll 2019, S. 15). Viele Wissenschaftler sind sich einig, dass Kreativität von Geburt an in jedem Menschen steckt. „Von Anfang an verfügt der Mensch über kreatives Potential“ (Braun/ Krause/ Boll 2019, S. 44). Die Fähigkeit muss nur herausgelockt und weiterentwickelt werden.

Kreativität fördert…

  • die Fantasie
  • das Selbstbild, Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl
  • kognitiven Kompetenzen, Konzentration, Ausdauer
  • problemlösende Kompetenzen, Frustrationstoleranz
  • Resilienz
  • das eigene Wahrnehmen des Körpers und der Grenzen

Kreativität ist demnach eine essentielle Eigenschaft für jeden Menschen und sollte gefördert werden, um alltägliche Herausforderungen zu bewältigen. Doch durch den Wandel der Gesellschaft, der Digitalisierung und des Einflusses von Social- Media, ist sie bedroht!

2. Kreativität- vom Aussterben bedroht?

Alltagsroutinen bestimmen unser tägliches Handeln. Bestimmte Gewohnheiten werden nicht abgelegt und es werden immer wieder die gleichen Wege gegangen. Doch was ist, wenn sich ein Problem aufstellt, welches nicht nach dem ursprünglichen Muster zu bewältigen ist?

Internet Platformen, Vorlagen, Rezepte oder Apps, die deine alltäglichen Probleme planen und lösen- werden dazu führen, dass die subjektive Kreativität nicht mehr gebraucht wird. Sie wird aussterben. Doch warum ist es so wichtig, kreativ zu sein und weiterhin seine eigenen Ideen und Strategien zu gebrauchen?

Kreativ sein und somit neue Ideen und Wege zu haben, ist die Schlüsselkompetenz für unsere Gesellschaft. Diese Fähigkeit zu besitzen und resilienter gegen tägliche und zukünftige Belastungen anzukommen, stellt eine essentielle Schlüsselkompetenz in der Gesellschaft dar. Die Rede ist von der Fähigkeit zur Kreativität, eine kreative Persönlichkeit zu haben und andereLösungen für Probleme zu finden.

Das Freispiel ist in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus des pädagogischen Alltages gerückt. Das Kind kann seinen Interessen und Bedürfnissen nachgehen, mitentscheiden und sich nach seiner Persönlichkeit einbringen. Wieso dann nicht auch in der Kreativität? Warum kann ein Kind sich nicht selbst, frei und kreativ ausdrücken?

Appell an alle: Kinder sollen das Recht haben, sich kreativ auszudrücken in allen Bereichen der Bildung und Entwicklung.

Folgen fehlender Kreativität:

  • keine eigenen Ideen oder Lösungen
  • keine Motivation etwas Auszuprobieren
  • wenig Entdeckerdrang
  • geringe Flexibilität und Spontanität
  • Drang zum Perfektionismus
  • geringe Frustrationstoleranz
  • geringe Resilienzfähigkeit
  • keine Entscheidungsfindung
  • geringeres Selbstwertgefühl

Aufgrund dieser Erkenntnisse ist es eine Möglichkeit die Kreativität in den Kindertageseinrichtungen zu fördern, um den Kindern die genannten essentiellen Kompetenzen für ihr Leben anzuregen und mitzugeben. Du hast die Möglichkeit Kinder ihre kreativen Potenziale zu entlocken.

3. Kreativität in Kitas

Grundsätzlich hat jedes Kind ein Recht auf Kreativität. Bereits in der UN- Kinderrechtskonvention ist das Recht im Artikel 31 verankert. „Die Vertragsstaaten achten und fördern das Recht des Kindes auf volle Beteiligung am kulturellen und künstlerischen Leben und fördern die Bereitstellung geeigneter und gleicher Möglichkeiten für die kulturelle und künstlerische Betätigung sowie für aktive Erholung und Freizeitbeschäftigung“ (Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. 2016, S. 3).

Nach der Auffassung von John Deweys (1859- 1952), sollen Kinder durch künstlerische und ästhetische Prozesse sich mit ihren eigenen Fähigkeiten auseinandersetzen. Durch diese Erfahrungen erlangen sie ihr eigenes Selbstbild, ihre eigenen Gestaltungs- und Ausdrucksformen sowie soziale und kommunikative Kompetenzen (vgl. Braun/ Krause/ Boll 2019, S. 27). Ästhetische Prozesse und Erfahrungen fördern dabei nicht nur die Kreativität, sondern die gesamte Entwicklung des Kindes. Daher ist ästhetische Bildung Teil der ganzheitlichen Bildung von Kindern.

Wo steckt überall Kreativität?

Kinder wollen von Anfang an lernen und ihre Welt entdecken. Dabei sollen sie aktiv ihre eigene Entwicklung mitgestalten können.

Ob in der Bauecke oder beim Theaterspielen überall lässt sich etwas Kreatives einbringen und entdecken. Das klassische Malen oder Basteln wird als Synonym für Kreativität gesetzt, was aber nicht stimmt! Kreativität steckt überall dort, wo neue Ideen entstehen. Vor allem bei der Haupttätigkeit des Kindes- dem Spiel- wird die Kreativität als Hauptmerkmal zu erkennen sein.

So entsteht eine Ideen in der Bauecke für ein tolles Raumschiff oder Kinder experimentieren mit Magneten und Gewichten, andere überlegen sich ein Spiel und wieder andere Kinder denken sich einen tollen Parcour aus. All das ist kreativ.

4. Kreativitätsförderung in Kitas

Die Devise in der Didaktik für die Förderung von Kreativität lautet, dass zu viel Planung und Vorbereitung, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen, fehl am Platz sind und die Kreativität der Kinder einschränken würde. „Frühkindliche Lernprozesse sollten ergebnisoffen, prozessorientiert, experimentell und originell- mit einem Wort- kreativ sein“ (Braun/ Krause/ Boll 2019, S. 27).

Voraussetzung für Kreativitätsförderung:

  • deine Einstellung, Haltung oder des Teams/ der Einrichtung
  •  Zeit, Raum
  • Material
  • Reflexion des Prozesses

Kreativ-hemmend:

  • dein fehlendes Wissen
  • dein Perfektionismus
  • du willst alles bestimmen, perfekt machen, vorgeben, bewertet Kunstwerke
  • du hast zu viele  Vorlagen (Beispiele für Bauen, Ausmalbilder)
  • kein Platz zum kreativen Ausleben
  • zu viele Materialien oder zu wenige
  • ein strikten Zeitraum vorgeben
  • ständige Unterbrechungen des Prozesses
  • zu viele Vorgaben (wer, was, wie, wo usw.)
  • Kinder dürfen nicht mitentscheiden
  • ein Bastelprodukt wird erwartet
  • du bastelst vor oder zuende
  • du hast zu hohe Erwartungen
  • Bewertung des kreativen Prozesses, Abwertung oder Wegschmeißen von Produkten

Kreativ-fördernd:

  • Freispiel, viel freies Entdecken, offenes Konzept
  • lasst die Kinder machen! Wenig Einmischen und vorgeben oder verbieten
  • wenig Vorlagen oder Seiten, die etwas vorgeben
  • eigenen Ideen einbringen und tauscht euch aus
  • probiert, experimentiert, verändert oder tauscht es aus
  • es muss nichts perfekt sein!
  • Kreativbereich: basteln, malen: Gebe viele Materialien zur freien Verfügung aus
  • kein gleichen Endprodukte
  • rege die Sinne an- Wahrnehmung mit allen Sinnen

Beispiele für die Förderung kreativer Prozesse:

1. Bewegungsspiel- Wir bauen ein Haus/ Zelt/ Wir gehen….

Die Kinder werden zu einem bestimmten Thema z.B. Zirkus- sich bewegen. Das Zirkuszelt aufbauen, ein Loch graben, Stangen aufbauen, Zelt spannen (Bewegungen dazu machen ggf. Mit Material)

2. Lieder

Kinder können bekannte Texte verändern und sich ihre eigenen Texte überlegen, das Lied begleiten mit eigenen Rhythmen, Materialien oder Bewegungen.

3. Kunstwerke

Kinder haben Zugang zu Materialien, aber ohne ein Thema oder ein erwartetes Produkt. Sie können frei gestalten.

4. Aktionstabletts zu bestimmten Themen oder zum freien Experimentieren

Die sogenannten Tabletts sind, nach M. Montessori, angeregt zu einem Thema. Dabei sind auf diesem Tablett Materialien aufgestellt, die das Kind anregen es selbst auszuprobieren

5. Tanz/ Theater

Kinder dürfen sich eine eigene Choreografie ausdenken.Kinder denken sich ein Theaterstück aus, wählen Materialien oder stellen sich eigene Kostüme her.

6. Bauen

Kinder können ohne Vorlagen Bauwerke oder Höhlen erschaffen. Dafür dürfen sie auch den Tisch verwenden oder anderen Gegenstände.

7. Bekannte Spiele

Feuer, Wasser….Kaugummi! Kinder können in bekannten Spielen neue Ideen einbringen und so das Spiel verändern und mitgestalten.

8. Natur/ Alltag

Das freie Spielen in der Natur regt die Fantasie enorm an. Aus wenig- kann viel entstehen. Der Stock wird zum Hausbauen benutzt oder ist ein Zauberstab, ein Telefon oder ein Kochlöffel. Auch das Anbieten von Naturmaterialien zum Basteln regt die Kreativität an.Genauso wie Naturmaterialien können auch Alltagsgegenstände, wie Kartons zum kreativen Spiel oder zum Basteln verwendet werden.

9. Reflexion

Das Sprechen über kreative Prozesse oder das Ausstellen und Darstellen fördert die Kreativität. Alle sind eingeladen unsere Ideen anzusehen oder mit uns darüber zu reden und sich auszutauschen.

Und letztlich kann es so einfach sein, wenn wir den Kindern Raum und Zeit bieten, ihre Kreativität auszuleben. Ein Dankeschön an Julia Laubstein, die uns mit diesem Beitrag wieder daran erinnert.

Literatur:

Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. (Hrsg.) (2016): Spiel und

Kunst von Anfang an. Kulturelle Bildung für junge und sehr junge Kinder. URL:

http://miz.org/downloads/dokumente/798/2016_BKJ_Positionspapier_Spiel_und_Kunst_v

on_Anfang_an.pdf, letzter Aufruf 05.02.2024.

Braun, Daniela/ Krause, Sascha/ Boll, Astrid (2019): Handbuch Kreativitätsförderung in

der Kita. Freiburg im Breisgau: Herder Verlag.

Podcast Episode 20: Peergroup-Eingewöhnung in der Kita

In diesem KitTalk spreche ich mit Christa Manske, Kita Leitung und systemische Coachin über die Umsetzung Peergroup Eingewöhnung in der Kita.

Christa Manske erzählt aus ihrer konkreten Erfahrung mit diesem Eingewöhnungsmodell. Ihre Faszination und Begeisterung ist förmlich ansteckend.
Es lohnt sich den Talk bis zum Schluss anzuhören.

Hier erfährst du mehr über Christa Manske und ihre Arbeit:

https://www.kifa-coaching.de

Vielen Dank an Roland Kah für die hier verwendete Musik: Happy Intro

Podcast Episode 19: Gemeinsam gut ankommen – die Partizipatorische Eingewöhnung

In diesem KitaTalk bin ich mit mit Marjan Alemzadeh darüber im Gespräch, wie der Übergang von der Familie möglichst einfühlsam und somit stressfrei für die Kinder und ihre Familien gestaltet werden kann. Sie stellt mit wenigen Worten und gleichzeitig sehr eindrucksvoll das von ihr entwickelte Partizipatorische Eingewöhnungsmodell vor.

Hier stehen die kindlichen und elterlichen Signale im Vordergrund, die es während des Ankommens zu beobachten und nach und nach responsiv zu beantworten gilt. Auf diesem Weg fühlen sich alle gesehen und erleben Partizipation vom ersten Tag an.

Wir sprechen auch darüber, warum dieses Modell eine wesentliche Grundlage für gelebte Kinderrrechte und Kinderschutz darstellt.

Es lohnt sich auf jeden Fall reinzuschauen und sich von den Impulsen einladen zu lassen, die eigene Eingewöhnungspraxis zu reflektieren und zum Wohle aller Beteiligten weiterzuentwickeln.

Das dazugehörige Buch von Marjan Alemzadeh: „Partizipatorische Eingewöhnung – Übergänge sensibel begleiten“ ist im Herder Verlag erschienen. Seit Januar gibt es dazu ein entsprechendes Kartenset.

Mehr von und über Marjan Alemzahdeh findet ihr hier:
http://www.alemzadeh.de/

Vielen Dank an Roland Kah für die hier verwendete Musik: Happy Intro

Podcast Episode 18: Im Schatten der Krankheit – Kinder krebserkrankter Eltern

In diesem KitaTalk ist Gundi Bahr meine Gästin. Gundi und mich verbinden drei Dinge: wir sind beide erfahrene pädagogische Fachkräfte, waren/sind an Krebs erkrankt und sind Mütter zweier wundervoller Kinder, die die Erkrankung miterlebten.

Wir sprechen darüber, wie es für uns aus der Mutterrolle heraus war und ist, dem eigenen Kind eine solche Erfahrung nicht ersparen zu können und was uns damals wie heute geholfen hat. Als pädagogische Fachkräfte geben wir zudem Tipps, was für das Kind und seine Familie hilfreich sein kann.


Wir wollen Mut machen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Es geht darum bei einer solchen oder auch ähnlichen Diagnose, nicht im Schrecken stecken zu bleiben, sondern einfach mal nachzufragen, was Kind und Familie in ihrer Situation am dringendsten braucht.

Ergänzend zu dem Talk findest du einen Artikel auf meiner Website:
https://coaching-cantzler.de/2023/06/13/im-schatten-der-krankheit-kita-kinder-mit-krebskranken-eltern-begleiten-und-unterstuetzen/

Gundi Bahr findest du auf Instagram
https://www.instagram.com/atelierista_on_tour/

Vielen Dank an Roland Kah für die hier verwendete Musik: Happy Intro