Bindungsstärkendes Spielen in der Eingewöhnung

Erneut konnte ich eine wundervolle Gastautorin für diesen Blogbeitrag gewinnen. Passend zum Start ins neue KitaJahr verknüpft sie die Wichtigkeit des Spielens mit den Chancen, die das gemeinsame Spielen für den Beziehungsaufbau zwischen der Fachkraft und den Kindern eröffnet. Ich wünsche viele Anregungen und einen guten Start mit den Kindern und Eltern.

Bindungsstärkendes Spielen in der Eingewöhnung oder wie ich gerne sage in der „Willkommenszeit“

Ein Gastbeitrag von Gundula Göbel

Warum setze ich Willkommenszeit mit Eingewöhnung gleich? Für mich ist diese Zeit, ein Augenblick, Momente und Wochen der Beziehungsgestaltung zwischen der pädagogischen Fachkraft dem Kind und den Eltern. Alle zusammen werden zu einem ergänzenden Bindungs- und Beziehungssystem mit Sicherheit und Feinfühligkeit, um dem Kind bestmögliche psychische Stabilität und emotionale Sicherheit zu ermöglichen.

Nur, wenn auch die Eltern in der Krippe oder Kita willkommen und gesehen werden, werden sie ihr Kind bei diesem wichtigen Schritt und Übergang achtsam begleiten können. Kinder spüren die Gefühle der Erwachsenwelt.

Sich willkommen zu fühlen ist ein Bedürfnis eines jeden Menschen:

Mit einem Lächeln begrüßt zu werden

Verlässlichkeit durch Worte zu erleben

Begrüßungsrituale wie Lieder oder Abläufe zu erfahren

Getröstet zu werden, also Co-Regulation zu spüren

Körperkontakt mit angemessener Nähe und Distanz er erleben

und als Kind sein Nein zu behalten

ist was Kinder im Übergang von sicheren zuhause in die Krippe /Kita dringend brauchen. Feinfühlige Erwachsene. Da sind wir schon beim „Bindungsstärkenden Spielen“ in der Eingewöhnung. Denn ohne beziehungsaufbauende Erfahrungen ist für Kinder kein vertieftes und emotional stärkendes Spielen möglich oder lediglich, wenn die Bezugsperson (bspw. ein Elternteil ) als Sicherheitsanker in der Nähe ist.

Kleinstkinder und Kinder lernen mit allen Sinnen, wir nennen es auch das sensomotorisches Spielen. Kinder entdecken und begreifen die Welt im Spiel. Sie riechen, schmecken, tasten, hören, probieren aus, all das ist auch in der Bindungsentwicklung verankert. Das Baby riecht die Milch, die Mama, den Papa, tastet das Gesicht, die Brust, die Flasch, die Rassel ab, hört die Stimme der Bezugsperson, diese wirkt meist beruhigend und so lässt es sich fortsetzen. All das braucht auch ein Krippenkind in der Eingewöhnung. Dies ist die gemeinsame Stärkung und Aktivierung der Bindungswurzeln aus dem Bindungsbaum-Konzept (siehe Broschüre Bindungsbaum-Konzept).

Das kindliche Spielen ermöglicht dem Kind die Auseinandersetzung mit der neuen Situation, das entdecken der Räumlichkeiten, das Erleben von fremden Gerüchen, Geräuschen, Lautstärken und noch „fremden“ pädagogischen Fachkräften. Im Spielen entwickelt das Kind kreative, aktive oder andere Lösungsstrategien, für den Umgang mit der unbekannten und noch unsicheren Situation.

Das „ Bindungsstärkende Spielen“ ist gerade in der Eingewöhnung ein guter Begleiter. Denn ein Kind kann nur vertieft und versunken entwicklungs- und beziehungsstärkend spielen, wenn es sich sicher fühlt. Deshalb braucht das Kind zuerst die Nähe und Sicherheit der Bezugsperson, welche die Eingewöhnung begleitet. Bspw. Mutter, Vater, Oma oder Opa sind also das wichtigste Bindeglied zwischen Zuhause und Einrichtung, um Kindern Sicherheit zum Entdecken zu geben.

Eine entspannte und emotional sichere Eingewöhnung begleitet vom bindungsstärkenden Spielen, mit Grundlage der Stärkung der Bindungswurzeln festigt das Vertrauen des Kindes, aber auch seine Feinfühligkeit. Denn Kinder brauchen beides. Vertrauen zu ihren Bezugserzieher*innen und gleichzeitig ihre eigene Stimme und ihr eigenes NEIN, wenn sich etwas nicht gut anfühlt.

Durch das bindungsstärkende Spielen können verlässliche Beziehungen aufgebaut werden. Nur wenn Kinder Sicherheit und Orientierung spüren, können sie sich auf es vertieftes Spielen einlassen und auch so Phasen von Anspannung und Entspannung erleben.

Das sensomotorische Spielen ist also für die Entwicklung und Bindung gleichermaßen von Bedeutung. Kinder brauchen Sinnesreize um sich zu entwickeln, aber auch um ihre “Krippen-Welt“ oder „Kita-Welt“ mit allen Sinnen zu entdecken.

Den Begriff „Bindungsstärkendes Spielen“ habe ich 2013 entwickelt auf Grundlage des Bindungsbaum-Konzeptes. Denn nur wenn wir die Bindungswurzeln im Spiel, in der Interaktion und durch Vorbildsein stärken und diese bei uns und den Kindern angemessen versorgen wird Kindern ihre eigene Entwicklung als ganz eigene Persönlichkeit und mit ganz eigenem Temperament ermöglicht. Moegel sieht das Spielen als ein fundamentales Lebenssystem des Menschen. Wir dürfen und sollten für die psychische Gesundheit von Kindern, das vertiefte Spielen ohne ständige Unterbrechungen von Seiten der Erwachsenen in Einrichtungen in den Mittelpunkt stellen. Das kindliche Spielen zeigt auch in der Eingewöhnungszeit und im Weiteren, ob sich Kinder sicher fühlen, es ist ein Ausdruck ihres Wohlbefindens.

Wenn ein Kind in der Eingewöhnung nicht spielen möchte oder kann, ist es ein non-verbales Zeichen für die erwachsenen Welt.

Was könnte das Kind uns sagen:

  • ich brauche mehr Sicherheit
  • es ist mir hier zu laut
  • der Geruch ist mir fremd oder erinnert mich an…
  • soviel Kinder auf einmal
  • warum sieht mich keiner
  • Angst, dass Mama/Papa einfach geht (vielleicht frühe Erfahrungen)
  • Mama, Papa ich spüre eure Angst um mich
  • usw.

Der Aufbau einer Beziehung braucht Zeit und das Kind sowie die Eltern Orientierung, Sicherheit sowie Feinfühligkeit.

Pädagogische Fachkräfte haben oft schon einige Eingewöhnungen begleitet und sind Erwachsene, die es reflektieren können. Aber für jedes Kind ist es das „ERSTE-MAL“ und Kinder reagieren emotional mit ihrem ganzen Körper.

Das „Bindungsstärkende Spielen ermöglicht dem Kind Freiraum und Halt, Eltern und alle Erwachsenen sehen die Bedürfnisse des Kindes nach Bindung und schwingen sich ein. Nicht die Bedürfnisse des Erwachsenen nach schneller Eingewöhnung, dem Gefühl das Eltern den Kitaablauf belasten oder der Personalmangelstress dürfen Gründe sein, Kinder ihr Grundbedürfnis nach Sicherheit nicht zu ermöglichen.

Vertieftes Spielen ist nur mit Bindungs- oder Beziehungssicherheit möglich. In der Eingewöhnung ist somit „Bindungsstärkendes Spielen“ von großer Bedeutung.

Eingewöhnung und „Bindungsstärkendes Spielen“:

  • Impulse vom Kind aufnehmen und feinfühlig begleiten
  • Interaktion (Mimik, Gestik, Körperhaltung, Vorbild, Einschwingen)
  • Co-Regulation als Grundlage für den Bindungs- und Beziehungsaufbau
  • „Gefühle färben ab“ (eigene Haltung, eigene emotionale Verfassung, Erwartungen)
  • Spielen braucht Sicherheit – Zeit – sensomotorisches Material
  • Spielen ist: Entwicklung – Lösung – Freiheit – Lustgewinn und nicht Ablenkung von Gefühlen
  • Alle Gefühle brauchen liebevolle Begleitung

Bindungsstärkendes Spielen“ ist besonders in der Eingewöhnung von:

Feingefühl – Achtsamkeit – Wertschätzung und Offenheit geprägt.

Gundula Göbel

Kinder- und Jungendlichenpsychotherapeutin

Traumatherapeutin | Paar- und Familientherapeutin | Spieltherapeutin | Autorin |Referentin

21244 Buchholz in der Nordheide

mail@gundula-goebel.de, www.gundula-goebel.de

Meine Veröffentlichungen siehe: www.thekla.de/shop

 

 

 

Peergroup Eingewöhnung Stimmen aus der Praxis

Ein besonderes Dankeschön geht hier an die Kolleginnen des Evangelischen Kindergarten Huckepack in Hüllhorst. Petra Stallmann hat sich vo ein paar Jahren auf meine Anregung hin auf den Weg gemacht, die Peergroup Eingewöhnung in ihrer Gruppe umzusetzen.

Hier kannst du nun nachlesen, wie die verschiedenen Beteiligten diese Form der Eingewöhnung erleben.

Die Eingewöhnung aus Sicht der Leitung

Die Rückmeldung der Eltern zu diesem Eingewohnungsmodell sind durchweg positiv. Das ergab sich aus dem zurückliegenden Audit. Wichtig ist es aber, die Eltern sorgfäItig über dieses Eingewöhnungsmodell zu informieren. Auch die Kontakte unter den Eltern werden intensiviert, weil Sie sich mehr als Gruppe erleben. Das stärkt ihr „Wir-GefühI“. Die EItem. erfahren auch so etwas wie eine „Eingewöhnung & Abnabelung“ als Gruppe.

Es eignet sich nur fur kleine Gruppen, weil die Räume und Personalkapazität dies sonst nicht zulassen. In einer Betreuungsgruppe in der sich 20 oder mehr Kinder befinden, gibt es bei uns keine Möglichkeit parallel zum Betreuungsalltag einen Gruppenraum „nur“ fur die Eingewöhnung vorzuhalten. Da auch nachmittags Kinder in der Einrichtung sind, steht bei uns kein Zeitfenster zur Verfügung in dem das möglich wäre.  Die Personaldecke lässt kaum zusätzliche Arbeitszeiten zu, ohne dass Personal im pädagogischen Alltag fehlt. Ideal ist es, wenn Eingewöhnungszeiten ab 14 / 15 Uhr sind. So i‹ann der „normale‘ Betrieb weiterIaufen. Das bedeutet aber, dass uriter den Bestandskindern möglichst keine oder nur vereinzelt 45 Stunden gebucht sind. Im Gruppentyp II at es sich bewährt 50% der Gruppe neu zu belegen.

Die Kinder in der Krippengruppe profitieren von dieser Eingewohnung, weiI sie nicht ganz so sehr in Abhängigkeit von der einzelnen Erzieherin stehen. Natürlich ist das Personal nach wie vor ein wichtiger Bez!ehungsanker, dennoch scheinen die Kinder schneller Kontakte zu den anderen Kindern aufzubauen, was auch bedeutet, dass sie schneller ins Spiel kommen.

Die Sicht von Petra, der Gruppenleitung

Seit 2017 gewöhnen wir die Kinder unserer U3 Gruppe nach dem Peergroupmodell ein. Nach wie vor verläuft die Eingewöhnung sehr strukturiert, unkompliziert und schnell ab.

Dass die Kinder „sicher“ eingewöhnt sind, zeigt sich auch nach längeren Fehlzeiten der Kinder oder Erzieherinnen. Dieses ließ sich in den Coronazeiten gut beobachten. In der Bringzeit betreten die Kinder selbstverständlich den Raum und werden fröhlich vom Rest der Gruppe empfangen, bewegen sich zielgerichtet auf ein bestimmtes Spielzeug zu oder gehen in ihre Lieblingsecke, in der sie sich besonders wohlfühlen. Manche Kinder suchen sich anfangs eine Bezugserzieherin aus, verhalten sich aber nach kurzer Zeit sehr offen gegenüber den anderen Erzieherinnen der Gruppe.

Zum reibungslosen Ablauf der Eingewöhnung gehören die Planung, die Informationen, die Absprachen mit dem Team und den Eltern sowie die Vorbereitung der Räumlichkeiten mit Spielzeug in doppelter Ausführung. Lezteres sorgt dafür, dass die Kinder durch Beobachtung und Nachahmung auf Augenhöhe kommunizeren können und so in Interaktion treten.

Schnell bekommen die Kinder Freude am Explorieren. Die Sicherheit bietet ihnen die integrierte Elternecke, wo die Kinder jederzeit Kontakt zu ihren Eltern aufnehmen können. Darüber hinaus dient diese Ecke auch dem Kennenlernen der Eltern untereinander, was sich für die weitere Mitarbeit in der Gruppe als sehr hilfreich erwiesen hat.

Die einzugewöhnenden Kinder werden in Absprache mit den Eltern in zwei Gruppen geteilt, einer Vor- und einer Nachmittagsgruppe. Diese beiden Gruppen wurden in den letzten Jahren am vierten Tag zusammengeführt. Ganz individuell halten sich die Eltern an den folgenden Tagen in der Gruppeneltenecke, der ausgelagerten Elternecke auf oder sind per Handy jederzeit errreichbar. Meistens bestätigt sich hier, wie unkompliziert und schnell diese Form der Eingewöhnung abläuft.

Im letzen Jahr hatte ein Kind bereits zwei Tage mit der Mutter den Kindergarten besucht, sich auch sichtlich wohlgefühlt und ist dann für anderthalb Wochen erkrankt. Nach dieser Krankheitsphase begann die Eingewöhnung für dieses Kind erneut. Hier hat es sich als hilfreich erwiesen, die Gruppe zu entzerren, um dem Kind die Möglichkeit zu bieten mit zwei weiteren Kindern in Ruhe in Beziehung zu treten.

Die Sicht von Estelle, einer Gruppenkollegin

Ich empfinde das Eingewöhnungsmodell als eine sehr strukturierte und angenehme Weise, die Kinder nach ihrem eigenen Tempo in den Kindergartenalltag einzugewöhnen.

Zudem finde ich es toll, dass nicht nur die Kinder eine Beziehung und Bindung zueinander aufbauen, sondern auch die Eltern die Möglichkeit haben, sich kennenzulernen und auszutauschen, was einer tollen Atmosphäre der Gruppe und auch der Elterngemeinschaft zu Gute kommt.

Ich finde, die Kinder sind meistens sehr entspannt, und freuen sich auf die anderen Kinder, auf ein bestimmtes Spielzeug oder auf eine bestimmte Räumlichkeit, in der sie sich ganz besonders wohl gefühlt haben.

Kinder, die im selben Alter sind, können toll voneinander lernen, sich bestimmte Dinge abgucken und eine besonders feste Bindung zueinander aucfbauen, was ihnen bei der Trennung von den Eltern enorm hilft.

Vorraussetzung dafür, dass das Modell umzusetzen ist, ist die Mitarbeit der Eltern.

Ich würde abschließend sagen, dass ich in den 3 Jahren durchweg Positives in der Eingewöhnung erlebt habe und sich diese Art des Modells in unserer Gruppe bewährt hat. Außerdem finde ich es super, dass sich die Kinder selber eine Bezugsperson aussuchen können und sie nicht zugeteilt werden.

Die Sicht von Verena, einer weiteren Gruppenkollegin

Eingewöhnung in der Peergroup – aus meiner Sicht eine sehr sanfte, langsame Eingewöhnung, die sowohl den Kindern als auch Eltern Zeit gibt, sich an den Kindergartenalltag zu gewöhnen.

Sie gibt viel Raum und Zeit um die Erzieherinnen, die anderen Kinder, die Räumlichkeiten und auch Rituale kennenzulernen. Die Kinder haben die Möglichkeit, sich Stück für Stück nach eigenem Zutrauen vom Sitzplatz der Eltern zu entfernen und auf „Entdeckungsreise“ zu gehen.

Sie dürfen die Sicherheit erfahren, dass ihre Eltern an dem gleichen Ort wiederzufinden sind.

Wir Erzieherinnen sind bemüht, Kontakt zu jedem Kind aufzubauen. So wird ein gegeseitiges Kennenlernen gefördert, den Kindern wird dennoch die Chance gelassen sich eine Bezugsperson auszusuchen.

Oft gelingt es sehr schnell das Vertrauen der Kinder zu gewinnen, sodass wir Erzieherinnen nach und nach immer mehr Aufgaben übernehmen können, die sonst den Eltern vorbehalten waren. Natürlich gelingt dieses besonders gut, wenn Eltern bereit sind zuzulassen, dass die Kinder die ersten „Abnabelungsversuche“ unternehmen und diesen Prozess bereitwillig unterstützen.

Für die Eltern bedeutet diese Art der Eingewöhnung, dass sie viel Zeit in die ersten Wochen investieren müssen und sie verlangt auch eine gewisse Art von Flexibilität ab. Hat ein Kind schon tolle Fortschritte gemacht und kann schon für kurze Zeit „alleine“ im Kindergarten bleiben, werden die Eltern in die Elternecke der Einrichtung oder bei kurzem Weg auch nach Hause geschickt.

Da alle Eltern während der Eingewöhnung an einem festen Platz sitzen, in unserem Fall ist das der Nebenraum, bekommen sie auch die Fortschritte der anderen Kinder mit und müssen es auch aushalten, wenn andere Kinder schnellere Fortschritte machen als das eigene Kind.

Ich bevorzuge diese Art der Eingewöhnung, da die Eltern und die Kinder dort abgeholt werden, wo sie gerade stehen. Sie bietet viel Raum und Zeit zum Kennenlernen, gibt den Erzieherinnen gute Beobachtungsmöglichkeiten, um individuell auf die Kinder einzugehen (z.B. wie das Kind getröstet wird, welches Spielzeug besonders interessant ist…).

Als wichtig erachte ich es auch, dass die Kinder mit einem guten Gefühl nach Hause gehen und gerne in den Kindergarten zurückkehren. Deshalb sollten die Spielphasen in den ersten Tagen von kurzer Dauer sein und dann langsam ausgeweitet werden.

Und zum Abschluss die Sicht einer Mutter

Unsere Tochter, 1,7 Jahre, geht seit August 2021 in den Kindergarten. In der Einführungszeit fühlten wir uns als Eltern sehr gut aufgehoben. Die Interaktion mit den Kindern/Eltern erfolgte, trotz Coronabedingungen, sehr intensiv. Unsere Tochter hat schnell Vertrauen zu den Fachkräften gefunden, was wohl auch daran liegt, dass diese alle jederzeit freundlich und offen gegenüber den Kindern und auch den Eltern sind.

In diesem ersten halben Jahr können wir von einer durchaus positiven Entwicklung unserer Tochter sprechen. Wir merken, dass mit den Kindern jeden Tag intensiv interagiert wird. Sei es sprachlich, musikalisch oder auch in der Bewegung. Ihr Wortschatz wächst von Tag zu Tag. Dazu tanzt und singt sie gerne. Auch scheint sie bereits erste engere Verbindungen mit einigen Kindern aufzubauen, da drei bis vier Namen auch außerhalb des Kindergartens eine Rolle spielen. In der Regel ist sie immer positiv gestimmt, wenn wir sie aus dem Kindergarten abholen. Auch morgens freut sie sich, wenn wir sie hinbringen. Für uns ein Zeichen, dass sie sich wohlfühlt und ihr eure Arbeit mit viel Engagement ausübt. Auch ihr Sozialverhalten wird durch den Kindergarten positiv beeinflusst. So signalisiert sie, was sie möchte und sagt auch Nein, wenn es ihr zu viel wird. Das Teilen/Abgeben von Spielsachen klappt ebenfalls schon sehr gut.

Positiv erwähnen möchten wir auch unser erstes gemeinsames Gespräch, wo wir unsere gegenseitigen Erfahrungen bezüglich der Entwicklung unserer Tochter austauschen konnten. Trotz der Coronabedingungen fühlen wir uns von den Fachkräften der Gruppe jederzeit mitgenommen. Der kurze Austausch über den Tag beim Bringen/Abholen finden wir sehr gut.

Mehr über das Modell

Soweit die Stimmen aus der Praxi und den Erfahrungen mit der Peergroup-Eingewöhnung. Ich wünsche mir, dass sie dich vielleicht noch ein bisschen neugieriger auf diese Eingewöhnung gemacht haben.

Wenn du mehr über die Peergroup-Eingewöhnung erfahren möchtest. Im Oktober erscheint mein Buch: Peergroup-Eingewöhnung im Verlag an der Ruhr. Du kannst es schon jetzt im Buchhandel oder im Shop des Verlages vorbestellen.

 

Streiten lernen – Konflikte zwischen Kindern achtsam begleiten

Streitereien und Konflikte zwischen Kindern gehören zum Alltag von pädagogischen Fachkräften und stellen zugleich eine der größten Herausforderungen dar. Sie sind so vielfältig wie die Menschen, die in Kindertageseinrichtungen aufeinandertreffen. Ich freue mich, für dieses hoch interessante und wichtige Thema meine Kollegin Sabrina Dittmann gewonnen zu haben. Ich wünsche dir viele erhellende Momente.  Deine Anja

Streit zwischen Kindern – Eine alltägliche Herausforderung

Konflikte zwischen Kindern kommen laut daher und leise. Sie führen zu hilfesuchenden Blicken, Beschwerden und manchmal zu Tränen. Sie werden mit grimmigen Blicken ausgetragen, finden als verbaler Schlagabtausch statt oder gehen mit körperlichen Übergriffen einher.

Konflikte ereignen sich zwischen zwei Kindern, versetzen eine ganze Gruppe in Aufruhr oder spielen sich im Inneren eines Kindes ab, ohne dass es bemerkt wird. Manche Konflikte sind absehbar, andere kommen plötzlich und scheinbar grundlos zum Ausbruch.

Für Konflikte gibt es die unterschiedlichsten Motive und Anlässe. Es gibt Streit um eingestürzte Bauwerke, um den besten Platz im Morgenkreis, um den roten Bagger. Kinder streiten darum, wie ein Spiel gespielt wird, wer bestimmen darf, wer sich zuerst beim Essen bedient. Wer ist wessen Freundin, wer hat wen beschimpft, wer ist zum Geburtstag eingeladen und wer nicht? Das alles sind Fragen, die in Konfliktsituationen immer wieder auftauchen. Und es gibt noch viele mehr.

Hand auf’s Herz: Wie geht es dir, wenn du das liest? Bekommst du Schnappatmung oder kannst du schmunzeln? Denkst du „Oh nein, muss das wirklich sein?“ oder sagst du dir eher „Okay, wie machen wir das jetzt?“

Deine Haltung zu Konflikten – Schlüssel zu einer gelungenen Konfliktbegleitung

Nimm dir einen Moment Zeit, um deinen Gefühlen und Gedanken nachzuspüren. Sie sind ein Ausdruck deiner persönlichen Einstellung zu Konflikten und stehen in engem Zusammenhang mit deiner Wahrnehmung sowie deinem pädagogischen Handeln bei der Konfliktbegleitung. Wahrnehmung, Haltung, Gefühle, Gedanken, Handeln – alle beeinflussen sich gegenseitig.

Wenn du Konflikte als Chance oder Lernfeld siehst, empfindest du eher Interesse und Neugier. Beliebte Gefühle wie Freude oder Zufriedenheit bekommen einen größeren Raum. Wer Konflikte überwiegend als Störfaktor oder Beeinträchtigung betrachtet, empfindet in Konfliktsituationen eher Anspannung, Skepsis oder Unsicherheit. Unbeliebte Gefühle wie Wut oder Angst treten in den Vordergrund.

Bei einer grundsätzlich positiven Einstellung ist deine Wahrnehmung geschärft. Du nimmst Konfliktsignale frühzeitig wahr. Dein Blick öffnet sich für Möglichkeiten der Klärung und der Lösung. Dadurch wächst auch deine Bereitschaft, dich auf Konflikte einzulassen. Du gehst eher aktiv, offen und kreativ an die Konflikt­lösung heran. Du erlebst dich als kompetent, dein Selbstwertgefühl wächst und stabili­siert sich.

Wer Konflikte eher negativ bewertet, nimmt Konflikt­signale dagegen erst spät wahr oder übersieht sie sogar. Bei offensichtlichen Konflikten ist die Wahr­nehmung auf Hindernisse und Gegensätze gerichtet. Aus dieser Gefühlslage und Sichtweise heraus werden Konflikte eher vermieden oder unterbunden. In der Kommunikation mit Kindern können Sätze wie „Streitet euch doch nicht.“ oder „Klärt das mal unter euch.“ ein Indiz für diese Haltung sein. Durch das Vermeiden fehlt die Gelegenheit, gute Lösungen zu finden und sich als erfolgreich zu erleben.

In einer Art Kreislauf verstärken sich jeweils die Folgen von Bewerten, Fühlen, Wahr­nehmen und Handeln. Bei einem negativen Kreislauf entsteht zunehmend ein Sieg-oder-Niederlage-Denken. In einem positiven Kreislauf wächst die Überzeugung, dass Konflikte und Schwierigkeiten gemeistert werden können und eine Gelegenheit zum gemeinsamen Lernen und Wachsen sind.

Wenn du Kinder in Konfliktsituationen hilfreich begleiten und sie gleichzeitig dabei unterstützen möchtest, Konflikte zunehmend selbständig zu lösen, ist es eine grundsätzlich wohlwollende Haltung zu Konflikten von großer Bedeutung. Setze dich deshalb mit deiner Haltung zu Konflikten und mit deinem persönlichen Konfliktstil auseinander. Zusätzlich kann der Blick auf deine Konfliktbiographie helfen, deine Werte und Verhaltensweisen besser zu verstehen.

Reflexionsfragen zu deinem Konfliktverhalten

  • Wie steht es um deine Haltung zu Konflikten? Kannst du Konflikten etwas Positives abgewinnen?
  • Fühlst du dich in der Lage, eigene Konflikte zu klären? Wie verhältst du dich in Konfliktsituationen?
  • Unterbindest du Streit zwischen Kindern nach Möglichkeit? Was sind die Gründe dafür? Unterbindest du Streit, wenn bestimmte Kinder daran beteiligt sind?
  • Traust du Kindern grundsätzlich zu, eigene Schritte zur Konfliktlösung zu unternehmen? Wie ermutigst du sie? Wie unterstützt du sie?
  • Gelingt es dir, deinen Erfahrungsvorsprung und deine eigenen Bewertungen in der Schwebe zu halten?

Reflexionsfragen zu deiner Konfliktbiografie

  • Wie wurde in deiner Herkunftsfamilie mit Konflikten umgegangen? Durfte gestritten werden? Wurden gemeinsame Lösungen gefunden?
  • Welche Strategien der Konfliktbewältigung hast du erlebt?
  • Haben Erwachsene dir zugehört, wenn du von deinen Streitigkeiten erzählt hast? Wurden deine Gefühle und Gedanken, deine Sichtweisen ernst genommen?
  • Haben Erwachsene ihren Erfahrungsvorsprung und ihre eigenen Bewertungen in der Schwebe gehalten? Haben sie dir ihr Wissen ohne Besserwisserei zur Verfügung gestellt?
  • Haben Erwachsene dich ermutigt, dich auf Konflikte einzulassen und haben sie dich unterstützt, wenn du dir in Konfliktsituationen nicht allein zu helfen wusstest?

Streiten lernen – welche Fähigkeiten braucht es?

Das Klären und Lösen von Konflikten ist eine sehr komplexe Aufgabe und erfordert eine Reihe von sozial-emotionalen und kognitiven Fähigkeiten:

  • eigene Bedürfnisse, Gefühle, Interessen und Grenzen wahrnehmen und mimisch, gestisch oder mit Hilfe von Worten ausdrücken
  • die Folgen des eigenen Handelns absehen und bei der Handlungsplanung berücksichtigen
  • Mimik, Gestik und Worte von anderen wahrnehmen und die damit verbundenen Bedürfnisse, Gefühle, Interessen und Grenzen erkennen und berücksichtigen
  • Gefühle regulieren, Bedürfniserfüllung aufschieben und Impulse kontrollieren
  • sich in die Lage anderer versetzen

Schon sehr junge Kinder verfolgen die eigenen Interessen sehr zielgerichtet und drücken ihre Gefühle mimisch und gestisch aus. Über viele der oben genannten Fähigkeiten verfügen sie jedoch noch nicht, da diese sich erst mit der Reifung der Großhirnrinde entwickeln. Aus diesem Grund kommt es bei Kindern unter drei Jahren häufig zu handgreiflichen Auseinandersetzungen. Sie benötigen eine vorausschauende, verlässliche und umfängliche Konfliktassistenz von Erwachsenen, auch zu ihrem Schutz.

Mit fortschreitender Entwicklung der Kinder, insbesondere ab einem Alter von etwa drei Jahren, bietet jede Konfliktsituation die Gelegenheit, diese Fähigkeiten zu erproben, zu erweitern und dazuzulernen. Wenn du hier vorschnell eingreifst und Konflikte für die Kinder löst, nimmst du ihnen diese Gelegenheit. Außerdem setzt du dich selbst mächtig unter Druck. Findest du keine gerechte Lösung, werden Konflikte nicht wirklich beigelegt und flammen immer wieder auf.

Als pädagogische Fachkraft bist du also gefordert, eine gute Balance zu finden. Du darfst begleiten und schützen, wenn Kinder nicht allein zurechtkommen. Du darfst zutrauen und ermutigen, wenn Kinder selbst aktiv werden können und wollen.

Zutrauen und Ermutigung – Kompetenzen der Kinder sehen

In gewaltfreien und gleichberechtigten Konfrontationen ist dein Zutrauen gefragt. Beobachte aufmerksam, begib dich gegebenenfalls in Hörweite, halte dich aber mit Vorschlägen und deiner persönlichen Meinung zurück.

Fachkraft Matti wird auf Emil und Ben aufmerksam. Beide liefern sich ein lautstarkes Wortgefecht. „Du bist schon drei Runden gefahren. Jetzt will ich das Auto haben.“ – „Das stimmt überhaupt nicht! Ich habe es gerade erst bekommen!“ – „Aber vorhin hat dir Suse das Auto gegeben.“ – „Ja, aber dann war ich auf dem Klo!“ So geht es immer hin und her, beide haben vor Erregung gerötete Gesichter. Matti begibt sich Stück für Stück in ihre Nähe und hört sich den Streit eine Weile an.

Solange die Beteiligten Worte für ihre Positionen finden und ihre Gefühle durch Lautstärke ausdrücken, besteht die Chance, dass sie zu einer Lösung finden. Bleib in der Nähe. Allein dadurch bietest du Kindern Sicherheit und kannst im Bedarfsfall rechtzeitig unterstützen.

Sehr häufig kommt es vor, dass sich Kinder an Fachkräfte wenden und sich über andere Kinder beschweren. Manchmal zeigen sie auf diese Weise, dass sie Begleitung benötigen. Manchmal reicht es schon aber schon, zuzuhören und kleine Impulse zu geben. Du kannst sie nach den bisherigen Lösungsschritten fragen oder zu einzelnen Handlungsschritten ermutigen.

Elif kommt zu Erzieher Piet gelaufen: „Merle nimmt immer unsere Decke weg.“ Piet spiegelt Elifs Gefühle und fragt nach: „Oh, das stört dich wohl, du scheinst sehr verärgert. Weiß denn Merle, dass du das nicht möchtest? Hast du es ihr gesagt?“ Elif überlegt kurz und läuft dann beschwingt davon.

Nach einiger Zeit kehrt Elif zurück: „Merle nimmt immer wieder die Decke. Sie hört nicht, was ich sage.“ Piet spiegelt und fragt erneut: „Das ist ja wirklich ärgerlich. Wie kann ich dir denn jetzt helfen?“ – „Du musst ihr das sagen.“ – „Du möchtest gern, dass ich ihr das sage?“ – „Ja!“ Piet schlägt vor: „Elif, was hältst du davon, wenn ich das mal beobachte. Wir können dann auch gemeinsam mit Merle reden. Bist du einverstanden?“

Wenn du den weiteren Verlauf des Konflikts verfolgst, fühlen sich Kindern ermutigt. Außerdem kannst du konkrete Unterstützung anbieten und Vorschläge machen. Offene Fragen oder das Einholen des Einverständnisses signalisieren den Kindern dein Vertrauen in ihre Fähigkeiten fordern sie zugleich heraus, aktiv am Prozess mitzuwirken.

Auf Kollisionskurs – Einschreiten und Ko-Regulieren in Konflikten

In manchen Situationen reichen Ermutigung und Zutrauen allein nicht mehr aus. Stattdessen ist deine Hilfe gefragt. Kinder haben ein gutes Gespür dafür, wann sie Hilfe benötigen und zeigen das auf unterschiedliche Weise. Achte deshalb in kritischen Situationen auf die Signale des Kindes. Schaut es sich suchend nach dir um? Ruft es nach dir? Beschwert es sich? Weint es vielleicht? Zieht es sich zurück? Das alles kann bedeuten: „Ich weiß nicht weiter. Bitte hilf mir.“   

Wenn du unsicher bist, ob Hilfe benötigt wird oder du vermutest, dass eine Situation eskalieren könnte, bleib auf jeden Fall in der Nähe. Du kannst die Kinder auch fragen, ob sie Hilfe benötigen.    

Du bist schon drei Runden gefahren. Jetzt will ich das Auto haben.“ – „Das stimmt überhaupt nicht! Ich habe es gerade erst bekommen!“ – „Aber vorhin hat dir Suse das Auto gegeben.“ – „Ja, aber dann war ich auf dem Klo!“ So geht es immer hin und her, Emil und Ben haben vor Erregung gerötete Gesichter. Fachkraft Matti hört sich den Streit eine Weile an und sagt dann: „Ich habe euren Streit schon von Weitem gehört. Kommt ihr zurecht?“.

Es kann sein, dass Emil und Ben ihr Wortgefecht über Eck fortsetzen und auf diese Weise die Hilfe der Fachkraft einfordern. Dann reichen meist kleine Impulse, die das weitere Gespräch begleiten und moderieren. Wenn Kinder mit sehr unterschiedlichem Temperament oder Entwicklungsstand (Sprache, Impulskontrolle oder Perspektivübernahme) aufeinandertreffen, ist mehr Vermittlung nötig.

Besonders aufmerksam solltest du sein, wenn sehr junge Kinder in einen Konflikt geraten. Viele Eskalationen und Verletzungen lassen sich durch vorausschauende Begleitung vermeiden.

Rudi steht am Waschbecken und lässt sich genüsslich das Wasser über die Hände laufen. Adi kommt dazu, um ebenfalls an den Wasserhahn zu gelangen und drängt Rudi dabei immer mehr zur Seite. Rudi gerät ins Wanken, seine Augen sind schreckgeweitet. Tagesvater Lutz hält Adi sanft an der Schulter zurück und sagt: „Adi, warte. Rudi braucht noch einen Moment. Du möchtest auch an den Wasserhahn, gleich bist du dran.“

Deine Unterstützung ist unbedingt erforderlich, wenn Kinder zuschlagen, einander Spielzeug entreißen oder die Gefahr besteht, dass jemand auf andere Weise verletzt wird. Das gilt auch für verletzende Worte und Ausgrenzungen aller Art. Handgreiflichkeiten stoppst du, indem du hingehst und dich schützend zwischen die Kinder stellst. Manchmal ist es nötig, dass du ein Kind festhältst. Sprich das Kind mit Namen an und sage ihm, was es tun soll.

Sarah buddelt ganz vertieft mit einer roten Schippe im Sand. Max hat nun genau diese Schippe für sich entdeckt. Er will Sarah die Schippe aus der Hand ziehen und ruft: „Meine!“. Sarah gibt nicht nach, beide ziehen hin und her, die ersten Tränen steigen auf. Fachkraft Robin kommt dazu und berührt Max am Arm: „Max, lass‘ los.

Eben noch haben Jo und Frida scheinbar friedlich Bausteine zu einem Turm gestapelt. Im nächsten Moment brennt die Luft. Frida zieht Jo an den Haaren, Jo holt mit dem Arm aus. Erzieherin Petra spricht ruhig, aber bestimmt: „Jo! Stopp! Frida, lass los! Auseinander!“ und schiebt die Kinder auseinander.

Dabei ist es ist wichtig, ruhig und besonnen zu agieren. Zeige den Kindern durch deine Stimme und Haltung, dass du sie unterstützen möchtest und einen Ausweg aus dem Konflikt zeigen kannst. Im nächsten Schritt brauchen die Kinder Unterstützung bei der Emotionsregulation. Gib ihnen die Gelegenheit, sich zu beruhigen. Biete zum Trost deine Hand oder eine Umarmung an, vielleicht möchten sie sich auch einen Moment zurückziehen.

Wenn die Kinder sich beruhigt haben und ansprechbar sind, dann kann über den Konflikt gesprochen werden. Bei jüngeren Kindern bedeutet das vor allem, die Gefühle, Bedürfnisse und Interessen beider Kinder zu versprachlichen und Lösungsmöglichkeiten anzubieten.

Fachkraft Robin kommt zum Sandkasten und berührt Max am Arm: „Max, lass‘ los!“ – „Ich sehe, du ärgerst dich, weil Sarah die Schippe nicht hergibt.“ – „Und Sarah, du bist ganz erschrocken, weil Max die Schippe nehmen will.“ – „Ihr braucht beide gerade eine Schippe.“ – „Max, schau mal, hier ist noch eine Schippe.“, sagt Robin und zeigt auf eine weitere Schippe.

Je älter die Kinder werden, desto öfter geht es darum, das Gespräch durch Fragen anzuregen, das gegenseitige Verstehen zu unterstützen und den Konfliktlösungsprozess zu moderieren. Orientierung bieten dabei die Phasen, die im Rahmen einer Mediation durchlaufen werden.

Einen Eisberg zum Schmelzen bringen – Mediation in Konflikten

Voraussetzung für ein hilfreiches Gespräch ist, dass du allen Kindern offen begegnest. Es geht nicht darum, Schuldige zu identifizieren oder jemanden zu verurteilen, sondern gemeinsam zu einer Einigung zu kommen. Wenn du selbst verärgert bist oder eines der Kinder noch ängstlich oder wütend ist, dann gib euch Zeit zur Beruhigung oder bitte eine:n Kolleg:in um Unterstützung.

Das Gespräch beginnt damit, die unterschiedlichen Sichtweisen der Kinder anzuhören und gemeinsam herauszufinden, worum geht es eigentlich geht. In der Mediation spricht man von der Konfliktdarstellung und der Konflikterhellung. Deine Aufgabe ist es, durch offene Fragen das Erzählen anzuregen, aktiv zuzuhören und die Aussagen der Kinder zusammenzufassen. Beschuldigende Äußerungen der Kinder kannst du durch Nachfragen und Umformulierungen entschärfen. So hilfst du den Kindern auch dabei, die Interessen und Perspektiven des anderen nachzuvollziehen.

Ihr habt euch ja gerade mächtig gestritten. Was ist denn eigentlich passiert?“
„Ich habe gesehen, dass du Jo an den Haaren gezogen hast. Wie ist es denn dazu gekommen?“   

„Julius, du hast gesagt, Max hat dich angegriffen. Was meinst du denn damit?“
„Ach, du bist über sein Bein gestolpert? Und du hast gedacht, er hätte dir absichtlich ein Bein gestellt?“

Du wolltest den Platz für dich haben und Cem hat das nicht verstanden? Da wusstest du dir nicht anders zu helfen und hast ihn weggestoßen?“

Du wolltest eine Decke zum Kuscheln haben? Habe ich das richtig verstanden? Deswegen hast du sie immer wieder genommen. Kann es sein, dass du müde bist?“
„Hast du das gehört, Elif? Merle brauchte etwas zum Kuscheln.“

Wenn geklärt ist, was alle Beteiligten wollten – manchmal reichen dazu wenige Sätze – kannst du zur Lösungssuche überleiten. Manchmal kommen die Kinder von sich aus auf Ideen. Je nach Situation kann eine der folgenden Fragen hilfreich sein:

Und nun? Wie geht es jetzt weiter?“
„Was könnt ihr denn nun machen, damit ihr beide zufrieden seid?“
„Habt du auch eine Idee? Was würde dir helfen?“

Ich habe auch noch eine Idee. Möchtet ihr die hören?“
„Was haltet ihr davon, wenn …?“

Fasse auch hier wieder in deinen Worten zusammen und frage dann die Kinder, welche der Lösungen für sie passt bzw. ob sie mit einem Vorschlag einverstanden sind.

Jo hat vorgeschlagen, dass sie den Turm wieder aufbaut. Würde dir das gefallen?“
„Jo, Frida möchte lieber etwas anderes spielen und hätte gern, dass du die Bausteine einräumst. Bist du einverstanden?“

Bleibe anschließend noch in der Nähe. Manchmal brauchen Kinder Unterstützung bei der Umsetzung, vielleicht bedarf es noch einer Änderung oder einer Spielbegleitung. Nicht immer sind alle mit einer Lösung glücklich. Das ist auch in Ordnung. Dann besteht die Aufgabe darin, die betreffenden Kinder noch zu begleiten.

Du wolltest so gerne mit Johanna spielen und Johanna mag jetzt lieber allein sein. Das ist traurig für dich. Hhm. Ich kann eine Weile mit dir traurig sein. Wie wäre das?“

Erfolge feiern

Streiten kann man lernen. Es ist ein Lernprozess für alle Beteiligten. Manchmal strengt es dich nur wenig an, manchmal raubt es allen die letzte Energie. Sei freundlich mit dir und mit den Kindern. Vielleicht magst du für dich selbst oder gemeinsam mit den Kindern überlegen: Was ist uns heute gut gelungen? Wie haben wir den Konflikt gelöst? Wer hat wie dazu beigetragen? Kleine Erfolge zu wertschätzen, direkt nach dem Konflikt oder am Ende eines Tages, kann für alle ein beglückender Moment und zugleich Mutmacher sein.

Für die Konflikte, die dir demnächst begegnen, wünsche ich dir Neugier, Zuversicht und die nötige Portion Gelassenheit.

Herzliche Grüße

Sabrina

Wenn Du mehr über Sabrina erfahren oder sie zu einer Teamfortbildung zu Dir in die Einrichtung einladen möchtest, besuche sie gern auf ihrer Website unter www.sabrina-dittmann.de oder auf ihrer Facebookseite unter https://www.facebook.com/dialogsabrinadittmann

Auch in den KitaTalks war Sabrina bereits zu Gast mit dem wichtigen und interessanten Thema: Kratzen, Beißen, Hauen