Mittlerweilen befinden wir uns in Woche 5 nach Schließung von KiTa und Kindertagespflege. Viele von Euch pendeln entweder zwischen Notbetreuung und HomeOffice oder arbeiten ausschließlich im HomeOffice.
Neue und ungewohnte Arbeitswelten
Arbeiten im Home Office war für dieses Arbeitsfeld bis vor Kurzem fast undenkbar. Üblicherweise passt Euer Alltag ja nicht in ein HomeOffice. Bis vor Kurzem ward Ihr jeden Tag im engen Kontakt mit vielen Kindern, Eltern und Kolleg*innen, mittendrin im prallen Leben und gefordert von einem abwechslungsreichen und vielseitigen Alltag. Viele von Euch wussten oftmals nicht, wo ihnen der Kopf stand und was sie zuerst tun sollten.
Und von heute auf morgen ist alles anders. In den Notgruppen sind oftmals nur wenige bis gar keine Kinder. Ihr habt auf einmal mehr Zeit für diese wenigen Kinder und könnt Euch voll und ganz auf deren Bedürfnisse konzentrieren. In den kinderfreien Zeiten, in denen Ihr trotzdem Präsenzpflicht in der Einrichtung habt, wird geräumt, sotiert, geputzt und alles, was in den letzten Monaten liegen geblieben ist, nachbereitet.
Dazu kommen die Zeiten im HomeOffice. In den wenigsten Einrichtungen wurde diese Arbeitsform für Vor- und Nachbereitungen bislang ermöglicht. Bislang hattet Ihr täglich viele Menschen um Euch. Wie ist es jetzt für Euch, auf einmal auf euch selbst gestellt zu sein? Ihr kommt aus gefüllten Tagen, an denen, dass was Ihr geplant hattet, durch die Geschehnisse des Alltags eigentlich nie nach Plan verlief. Womit füllt Ihr jetzt Eure Tage? Welche Aufgaben könnt Ihr im HomeOffice erledigen? Wie erlebt Ihr Arbeitszufriedenheit auch ohne direkte Begegnung mit den Kindern? Wie bleibt Ihr im Kontakt mit Euren Kollegen und Kolleginnen? Wie kann eine Leitungskraft trotz räumlicher Distanz zu den einzelnen Mitarbeiter*innen, die Fäden in der Hand behalten?
Um die Beantwortung dieser Fragen soll es diese Woche in diesem Blog gehen. Ergänzend hierzu gibt es Donnerstag- und Freitagnachmittag über Zoom eine Möglichkeit zum Austausch. Nähere Informationen findet Ihr weiter unten im Anschluss an diesen Beitrag.
Tipps für die Arbeit im HomeOffice
Eure Ausgangsbedingungen werden diesbezüglich ganz unterschiedlich sein und somit auch die konkrete Umsetzung und Ausgestaltung für die Arbeit von Zuhause aus. Zum einen habt Ihr ganz verschiedene räumliche Rahmenbedingungen und technische Möglichkeiten. Zum anderen ist es ein großer Unterschied, ob Ihr alleine, mit Partner oder im familiären Kontext lebt.
So oder so gibt es ein paar Grundregeln, die es zu beachten gilt, um möglichst gut und produktiv durch den Arbeitstag zu kommen. Ihr könnt Euch diese Grundregeln als Kurzübersicht als Datei-Download im Anschluß an diesen Beitrag als pdf herunterladen.
Zunächst einmal richtet Euch einen festen Arbeitsplatz ein, den Ihr möglichst nur für die Arbeitszeit nutzt. Überlegt genau, wo für Euch eine gute Arbeitsatmosphäre besteht und Ihr Euch auf Eure Arbeit gut konzentrieren könnt. Versucht dabei möglichst Arbeit und Entspannung voneinander räumlich zu trennen.
Desweiteren ist es hilfreich, sich eine Tagesstruktur zu schaffen mit festen Anfangs-, End- und Pausenzeiten. Überlegt Euch, was Ihr an diesem Tag tun wollt und nehmt Euch nicht zuviel vor. Wenn am Ende des Tages noch zuviel auf der To-Do-Liste steht, führt das zu Frust. Erfreut Euch an dem, was Ihr an dem Tag geschafft habt.
Überlegt gut, mit welcher Kleidung eine gute Arbeitshaltung gefördert und unterstützt wird. Vielen hilft es, sich so anzuziehen und fertig zu machen, als ob sie zur Arbeit gingen. Wenn Ihr bislang Morgens ein kleines Ritual hattet, bevor Ihr zu Arbeit gefahren oder gegangen seid, führt dies auch jetzt fort, um ein bisschen Routine aufrecht zu erhalten.
Versucht die „Störfaktoren“ Haushalt, Familie und Freunde weitestgehend zu minimieren. Arbeitszeit ist Arbeitszeit und die Wäsche könnte auch nicht aufgehängt werden, wenn Ihr in der KiTa wärt. Wenn Eure Kinder nicht allzu jung sind, könnt Ihr Zeiten mit ihnen vereinbaren, in den sie sich selbst beschäftigen. Findet Absprachen mit den Partner*innen, falls diese in diesen Zeiten ebenfalls von zu Hause aus arbeiten. Private Telefonate, WhatsApp oder Facebook gehören nicht in die Arbeitszeit, nutzt hierfür die Pausen oder den Feierabend.
Die Pausen sind für einen Arbeitstag wichtige Kraftquellen Das gilt auch für die Arbeit im HomeOffice. Plant feste Pausen ein und gestaltet diese bewusst und sinnvoll. In Ruhe eine Tasse Kaffee trinken, mit dem Hund spazieren gehen, Mittagessen etc. sind einige Ideen hierzu.
Um den Arbeitstag sinnvoll zu nutzen, setzt Euch zu Beginn des Tages hin und überlegt Euch, welche Hauptaufgabe an diesem Tag im Fokus stehen soll. Das Ziel besteht darin, dass diese Aufgabe am Ende des Tages erledigt ist. Ergänzend könnt Ihr noch zwei bis drei kleinere Aufgaben mit auf die To-Do-Liste schreiben. Nehmt Euch aber nicht zuviel vor, damit Ihr am Ende des Tages Eure Erfolge und das Erledigte feiern könnt.
Setzt Euch Prioritäten, was bis wann zu erledigen ist. Dabei kann Euch das Eisenhower Modell sehr hilfreich sein. Es handelt sich um ein Modell, dass ein amerikanischer Präsident entwickelt hat. Er ordnete seine Aufgaben nach Wichtigkeit und Dringlichkeit in eine Matrix ein, um davon abzuleiten, was als nächstes ansteht und zu tun ist. Dieses Modell finde ich auch für die alltägliche Praxis – außerhalb von HomeOffice – sehr hilfreich.
Ein häufiger Stolperstein beim Zeitmanagement ist die Fehleinschätzung, wieviel Zeit für die Erledigung einer Aufgabe benötigt wird. Deswegen ist es sinnvoll für die einzelnen Aufgaben, sich gezielt feste Zeitfenster zu setzen und diese einzuhalten. Ist eine Aufgabe in der geplanten Zeit noch nicht fertig gestellt, dann legt diese Aufgabe trotzdem beiseite und macht erst einmal etwas anderes. Plant die Beendigung der Aufgabe zu einem späteren Zeitpunkt wieder ein.
Mit diesen Tipps lässt sich die Arbeit im HomeOffice recht gut gestalten und strukturieren. Viele von Euch werden für sich erste Wege in den letzten Wochen gefunden haben, die Zeit gut zu nutzen. Vielleicht findet Ihr ja hier noch ergänzende Anregungen, um Euren Arbeitsalltag zu optimieren.
Interesse an Austausch?
Wer jetzt Lust und Interesse hat, mit mir und anderen pädagogischen Fachkräften über Zoom in den Erfahrungsaustausch über das Arbeiten im HomeOffice zu kommen, kann Kontakt über den unten stehenden Button „Anmeldung/ Weitere Informationen“ mit mir aufnehmen.
Donnerstag, 16.04.2020 15.00-17.00 Uhr Die Pädagogische Fachkraft im HomeOffice
Freitag, 17.04.2020 15.00 – 17.00 Praxisanleitung aus dem HomeOffice
Bei Interesse an der Teilnahme meldet Euch über den Button bei mir an und teilt mir über das jeweilige Stichwort: „Pädagogische Fachkraft“ oder „Praxisanleitung“ mit, an welchem Erfahrungsaustausch Ihr teilnehmen wollt.
Online – Workshop
Darüber hinaus plane ich in der nächsten Zeit einen Online-Workshop zum Thema: „Zeitmanagement mit dem Eisenhower Prinzip“. Wer sich hierfür interessiert, kann sich auch über den Button unverbindlich bei mir melden. Stichwort: „Online- Workshop Zeitmanagement“
Sobald Termin und Programm stehen, melde ich mich und unterbreite ein Angebot.
Noch Anfang des 20. Jahrhunderts waren Psychologen und Wissenschaftler der Überzeugung, dass Phantasie einzig und allein der Unterhaltung eines Kindes diene ohne tieferen Sinn für dessen Entwicklung.
Persönlichkeitsentwicklung
Diese Meinung hat sich glücklicherweise grundlegend geändert. Mittlerweile werden Phantasie und das fiktive Spiel eines Kindes als wichtig und wertvoll für die Persönlichkeitsentwicklung gesehen. Das Kind kann seine Erlebnisse nachspielen und verarbeiten. So entwickelt es neue Handlungsmöglichkeiten und Lösungen. In seiner Phantasie schlüpft es in verschiedene Rollen und probiert sich mit unterschiedlichsten Charaktereigenschaften und Fähigkeiten aus. Auf diesem Weg erprobt es, wer es ist und entdeckt sich als Person.
* Mitteilung eigener Bedürfnisse
Durch das erschaffen fiktiver Freunde und Begleiter oder das Erzählen phantasievoller Geschichten lernt das Kind seine Bedürfnisse und Wünsche zu erkennen und auszudrücken.
* Entwicklung von Empathie
Ein Kind, dass sich mit Phantasiefiguren und deren besonderen Fähigkeiten und Charaktereigenschaften beschäftigt hat, kann sich sehr gut in andere Menschen hineinversetzen. Es fällt ihnen oftmals recht leicht die Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühle anderer zu verstehen.
* Schärfung der Realität
Durch die Gehirnforschung wissen wir, dass das menschliche Gehirn viel aufmerksamer ist, wenn es mit unerwarteten Dingen und Situationen konfrontiert wird. Phantasiegeschichte bieten dem Kind genau solch Unerwartetes. Dadurch wird es dazu angeregt, über das Ungewöhnliche nachzudenken, darüber ins Gespräch zu kommen, das Ganze in Frage zu stellen und den Blick für die Realtität zu schärfen. Auf diese Weise wird das Kind motiviert, sich eine eigene Meinung zu bilden.
* Kraftquelle in der Krise
In schwierigen und krisenhaften Zeiten kann Phantasie eine wundervolle Ressource und Kraftquelle sein, um den Blick auf die schönen und belebenden Momente des Lebens zu lenken. Dies unterstützt die Entwicklung von Resilienz.
Förderung der Sprachentwicklung
Desweiteren hat die Beschäftigung mit Phantasiegeschichten und Phantasiegestalten eine großen Einfluss auf die Sprachentwicklung. Dies habe diverse Studien ergeben. Das Kind entwickelt einen großen Wortschatz verknüpft mit der Fähigkeit, diese Worte in ihrer Bedeutung verständlich und nachvollziehbar erklären zu können. Das Erzählen von Phantasiegeschichten lädt ein, sich Situationen und Handlungen auszudenken und dafür die passenden Worte zu finden. Das regt die Sprach- und Fabulierfreude an und macht einfach Spaß. Und mit Spaß und Freude lernt es sich bekannterweise viel leichter.
Möglichkeiten schaffen und nutzen
Was könnt Ihr demzufolge als pädagische Fachkräfte zur Phantasieförderung der Kinder beitragen? – Phantasie braucht Raum und Zeit, um sich entfalten zu können. Lest mit den Kindern Phantasiegeschichten und hinterfragt gemeinsam, was davon in ihrer Welt möglich ist. Lasst sie phantasievolle Geschichten erzählen und nachspielen. Erfreut Euch an den imaginären Freunden und Begleitern der Kinder. Legt Euch mit den Kindern auf die Wiese und entdeckt Gesichter, Tiere und Phantasiewesen in den Wolken. Geht im Wald auf Entdeckungstour und sucht Feen, Elfen und Zwerge. Lasst der Phantasie freien Lauf! Sie öffnet ein Tor zur Entschleunigung im oftmals hektischen Alltag. Wenn es nach Aufhebung des Kontaktverbots in Eurem pädagogischen Alltag wieder einmal hektisch wird, erinnert Euch an die Kraft der Phantasie. Schaltet bewusst einen Gang zurück und eröffnet den Kindern Freiräume für fiktives Spiel und phantasievolles Erzählen.
Ihr könnt Euch sicher sein, dass Bildung auf diese Weise ganz nebenbei stattfindet.
Jetzt wünsche ich Euch erst einmal Frohe Ostern, hoffentlich kommt der Osterhase auch zu Euch. 😉
Bis nächste Woche Dienstag.
Eure Anja
P.S. Wenn Ihr das Foto zu diesem Beitrag anschaut, was könnt Ihr darin entdecken? Welche Geschichte fällt Euch dazu ein? Ich bin gespannt auf Eure Rückmeldungen.
Im Alter von ca. 3 – 7 Jahren befinden sich Kinder in der Magischen Phase. Als Teil der ganz normalen Persönlichkeitsentwicklung ist das Erleben des Kindes in dieser Phase von Phantasie und magischen Vorstellungen geprägt. Die Grenzen zwischen den eigenen Gedanken und der Realität sind fließend. In der kindlichen Vorstellung ist daher alles möglich, was das Kind sich denkt und wünscht.
Alles lebt und hat Einfluss
Wie im vorherigen Beitrag bereits näher erläutert wurde, hat das Kind in den ersten Lebensjahren seine Selbstwirksamkeit und den damit verbundenen Einfluss auf seine Umwelt erprobt und kennengelernt. Gleichzeitig ahnt es, dass im Umkehrschluss andere Personen, Tiere, Gegenstände und Fabelgestalten auf ähnliche Art und Weise auf das Kind selbst Einfluss nehmen können. In der eigenen Vorstellung wird während der Magischen Phase die unbelebte Welt personifiziert und belebt. Dadurch kann das Kind beispielsweise den blöden Stuhl zurück hauen, wenn es sich an ihm gestoßen hat. Oder es glaubt, dass die Wolke weint, weil sie traurig ist.
Imaginäre Freunde und Fantasiegestalten
Die Magische Phase ist für viele Kinder die Zeit der imaginären Freunde und Fantasiegefährten, die entweder stellvertretend für das Kind oder aber gemeinsam mit dem Kind die Schwierigkeiten des Alltags bestehen. Dann ist auf einmal ein ausgedachter Freund verantwortlich dafür, dass etwas kaputt geht oder veschwunden ist. Ein anderes Mal hat die Hexe die Erbse in die Nase des Kindes gezaubert. Oftmals besitzen die imaginären Freunde Eigenschaften, die das Kind für sich selbst wünscht.
Lüge oder Wahrheit
Ein weiteres Phänomen dieser Phase ist das Erzählen der tollsten und phantasiereichsten Geschichten, die jedoch nie passiert sind. Dann erzählt das Kind beispielsweise von einem tollen Geschenk, dass es aber nie bekommen oder von einer Reise, die nie stattgefunden hat. Viele Eltern sind dann sehr besorgt, ob sich Ihre Kinder hierdurch zu Lügner*innen entwickeln. Diese Sorge ist unberechtigt. Noch ist die kognitive Entwicklung nicht weit genug voran geschritten, um bestimmte Situationen und Ereignisse schlüssig bedenken und die eigenen Bedürfnisse und Wünsche mitteilen zu können. Diese Phantasiegeschichten helfen den Kindern, die vielfältigen Dinge des Alltags zu verarbeiten und altersgerecht zu bewältigen. Wenn uns Kinder solche Geschichten erzählen oder uns die imaginären Freunde begegnen lohnt es sich, genau hin zu hören und so mehr über die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder zu erfahren.
Schatten an der Wand
Ängste sind ein weiters zentrales Thema in der Magischen Phase. Durch die ausgeprägte Phantasie und Vorstellungskraft werden vor allem abends und nachts die Schatten und Geräusche im Kinderzimmer zu bedrohlichen und angsteinflößenden Wesen und Gestalten. Da sind dann auf einmal wilde Tiere im Raum, ein Monster unterm Bett oder ein gruseliges Gespenst am Fenster. Für die Kinder ist es wichtig, dass Ihr als Erwachsene sie ernst nehmt und gegebenenfalls die Eltern darüber aufklärt, dass das Verhalten aufgrund der Entwicklung völlig normal ist. Entwickelt gemeinsam mit Kindern und Eltern einen guten Gegenzauber: z.B. der beschützende Teddy, das Mosterspray, der Schuhkarton für die wilden Tiere, ein Zauberspruch gegen böse Hexen, Knoblauch gegen Vampire… Lasst Eure Phantasie spielen. 😉
Osterhase, Weihnachtsmann & Co
Schon bald steht Ostern vor der Tür. Mit Blick auf die Magische Phase stellt sich hier im pädagogischen Alltag immer wieder die Frage, ob Eltern und pädagogische Fachkräfte den Kindern den Glauben an den eierbringenden Osterhasen überhaupt vermitteln sollen. Dazu habe ich einen interessanten Artikel in der „Welt“ gefunden, den Ihr hier nachlesen könnt:
Wie ist Eure Meinung zu dem Thema? Wie geht Ihr damit um? Welchen Schwierigkeiten begegnen Euch in Eurer Praxis?
Unterscheidung von Realität und Fiktion
Lange Zeit wurde befürchtet, dass besonders phantasievolle Kinder Schwierigkeiten haben Phantasie und Realität voneinander zu unterscheiden. Mitlerweilen wurde entgegen dieser Vermutung festgestellt, dass gerade phantasievolle Kinder, dies sehr gut können. Durch die intensiven Erfahrungen in der Magischen Phase haben sie gelernt, die Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit nach und nach besser zu erkennen.
Im nächsten Beitrag beschäftige ich mich mit dem Thema, inwieweit Phantasie auch für Bildung und Lernen wichtig ist.
In dem heutigen Beitrag geht es um die Entwicklung von Phantasie bei Kindern. Wenn Ihr an die Kinder denkt, die Ihr bislang begleitet habt, werden Euch große individuelle Unterschiede im Phantasievermögen der Kinder begegnet sein. Daraus ergibt sich die Frage, wie sich eigentlich Phantasie entwickelt.
Meine Recherchen haben ergeben, dass die moderne Wissenschaft darauf bis heute noch keine umfassenden Antworten hat. Das liegt einerseits daran, das Phantasie nicht messbar ist. Andererseits wurde die Phantasie bislang als Forschungsgegenstand weniger ernst genommen. Phantasie hat oftmals einen negativen bis hin zu krankhaften Stempel. Häufig fallen in diesem Zusammenhang Sätze wie: „Der hat eine blühende Phantasie.“ oder „Das kommt davon, dass sie zuviel Phantasie hat.“ Interessanterweise wird der Kreativitätsentwicklung ein höherer Stellenwert eingeräumt. Dabei ist die Kreativität genau genommen nur ein Teil der Phantasieentwicklung.
Imagination und Kreativität
Zur Phantasie gehören zwei wesentliche Komponenten untrennbar zusammen. Ein phantasievoller Mensch besitzt eine ausgeprägte Vorstellungskraft, die ihn befähigt, sich etwas bildlich vorzustellen. Dies ist die imagitative Seite der Phantasie, wodurch die inneren Bilder oder auch das sog. Kopfkino entstehen. Dazu kommt die kreative Seite der Phantasie. Durch sie ist der phantasievolle Mensch in der Lage, Dinge und Ideen immer wieder aufs Neue zu kombinieren und somit neue Verknüpfungen herzustellen.
Es gibt Menschen, die z.B. aufgrund ihrer ausgeprägten visuellen Erinnerungsfähigkeit sehr gut Dinge, Situationen oder räumliche Gegebenheiten beschreiben und wiedergeben können. Hierbei handelt es sich vornehmlich um die Wiedergabe des Gesehenen und Erlebtem. Wenn ihnen, ergänzend zu dieser Wiedergabefähigkeit der Eindrücke aus ihrem visuellem Gedächtnis, die Fähigkeit zu neuen Verknüpfungen dieser inneren Bildern fehlt, ist das nicht als Phantasie zu bezeichnen.
Lernen durch Exploration
Wie entwickelt ein Kind im Laufe seines Lebens eine Vorstellung von inneren Bildern und lernt diese immer wieder neu anzuordnen und zu verknüfen?
Von Geburt an kommt das Kind lernbereit auf die Welt und erobert sich diese wie ein kleiner Forscher. Es nimmt seine Umgebung mit allen Sinnen wahr. Durch aktives Explorieren setzt es sich, seiner Entwicklung entsprechend, mit seiner Umwelt, mit Personen, mit Gegenständen und mit Handlungen auseinander. Dabei tastet sich das Kind nach und nach an neue Erkenntnisse heran. Es lernt die Welt buchstäblich durch „Greifen“ zu begreifen.
Schon mit ca. 6 Monaten verknüpft es die vielfältigsten Sinneserfahrungen zu ersten Vorstellungen von den Dingen und Personen in seiner Umgebung. Mit ca. 8 Monaten kann das Kind dann die Vorstellung von einem Gegenstand oder von etwas Erlebtem kurzzeitig als Erinnerung im Gehirn speichern. Es lernt in dieser Zeit, dass Menschen und Dinge auch dann noch da sind, wenn es sie nicht mehr sieht. Es beginnt demzufolge erste innere Bilder zu entwickeln.
Fast zeitgleich entdeckt das Kind das Prinzip von Ursache und Wirkung und erlebt seine eigene Selbstwirksamkeit. In seiner weiteren Entwicklung exploriert es mit verschiedenen Dingen und erforscht seine Umgebung. Es interessiert sich, wie die Dinge funktionieren und wie sie zu handhaben sind. Über das selbsttätige Tun erwirbt es eine immer deutlichere Vorstellung von möglichen Handlungen.
Innere Bilder und Verknüpfungen
Mit ca. 1 1/2 Jahren erkennen Kinder, dass Dinge gleich oder unterschiedlich sind. Sie beginnen diese Dinge entsprechend zuzuordnen oder zu sortieren. Gleichzeitig spielt es im „So-tun-als-ob“ alles nach, was es in seiner Umgebung beobachtet. Darüber entwickelt es eine stabile innere Vorstellung von diesen nachgespielten Situationen und den damit verknüpften Gegenständen und Personen. Gegen Ende des 2. Lebensjahres kann das Kind sich einen Gegenstand denken, wenn dieser nicht vorhanden ist oder es gibt einem anderen Gegenstand die Bedeutung. Ab diesem Alter wird das Rollenspiel zunehmend wichtige
Das Kind entwickelt in den folgenden Jahren die Fähigkeit, sich das Ergebnis einer Handlung vorzustellen, ohne dass es dies praktisch ausprobieren muss. Mit ca. 2 1/2 werden Denken und Tun manchmal noch verwechselt. Das Kind glaubt schon etwas getan zu haben, was es nur gedacht hat.
Das Fundament ist gelegt
Wie Ihr den vorausgegangenen Ausführungen entnehmen könnt, passiert bereits in den ersten Lebensjahren eine Menge, was das Fundament für unsere Phantasieentwicklung bildet. Je nach genetischer Veranlagung und individuellem Lebensumfeld des Kindes, ergibt sich die unterschiedliche Ausprägung des Phantasievermögens bei den Kindern.
Im 3. Lebensjahr wird dann das kindliche Denken zunehmend von der sog. „Magischen Phase“ bestimmt. Eine sehr bedeutsame Phase für die Entwicklung von Phantasie und für viele Eltern oftmals auch eine sehr irritierende und verunsichernde Phase. Um diesem Thema einen angemessenen Platz einzuräumen, werde ich darauf in meinem nächsten Beitrag näher eingehen.
Ich freue mich darauf, das nächste Mal mit Euch in die Magische Phase einzutauchen.
Heute beginnen in den meisten Bundesländern die Osterferien. Viele von Euch hatten ursprünglich Urlaub an den unterschiedlichsten Orten geplant. Ich selbst säße jetzt in einem Flugzeug, das mich nach Madeira bringen sollte. Aber in Woche 4 nach der Schließung von Kindertagesstätten und Kindertagespflege haben sich auch diese Pläne geändert. Meine Reise ist nun auf das kommende Jahr verschoben. Um so mehr werde ich diese Reise dann schätzen und genießen können.
Erinnerung als Kraftquelle
Glücklicherweise bin ich in den vergangenen Jahren viel mit meiner Familie gereist und durfte viel von der Welt sehen. Das ist eine Fülle von Erlebnissen und Erinnerungen, die mir gerade jetzt Kraft geben. Ich werde diese Woche für mich nutzen, um die Fotos verschiedener Urlaube hervor zu holen und gemeinsam mit meiner Familie in Erinnerungen zu schwelgen. Jeden Tag eine kleine Reise begleitet durch schöne Musik und landestypischem Essen. Mit der Kraft meiner Phantasie und Kreativität kann ich so jeden Tag in einem anderen Land sein. Allein die Vorstellung davon, was ich hier alles eleben und tun kann, tut mir gut.
Die Kraft der Phantasie
Phantasie ist eine besondere Ressource, die uns Menschen, nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen, als einziges Lebewesen dieser Welt zur Verfügung steht. In den verschiedensten Definitionen wird sie als eine Vorstellungskraft bzw. Imagination beschrieben, die uns als Mensch dazu befähigt, innere Bilder und damit eine eigene Innenwelt zu erzeugen.
Phantasie ist etwas, das wir in unserer Kindheit entwickeln. Es handelt sich um eine kreative Fähigkeit, die Ihr bei Kindern in deren täglichen Spiel beobachten könnt. Phantasie entsteht, wenn Kinder Raum und Zeit für selbstbestimmtes Spiel und auch für Langeweile haben. Phantasie ist wichtig und wertvoll für die Persönlichkeitsentwicklung. Sie hat Einfluss auf unsere Kreativität, unsere Resilienz und unser Lernen. Daher möchte ich der Bedeutung von Phantasie für Kinder und deren Entwicklung – in meinen Blogbeiträgen dieser Woche – besondere Aufmerksamkeit schenken.
Ready for Take off?
Jetzt möchte ich Euch einladen, gemeinsam mit mir und Eurem phantasievollen „inneren Kind“ auf diese fachliche und persönliche Reise zu gehen. Lasst uns in Gedanken in ein Flugzeug steigen. Mal sehen wo unsere Reise hingeht.
Ich wünsche Euch eine wundervolle Phantasiereise im Kopf.
Eure Anja
P.S. In der Sendung mit der Maus ging es am gestrigen Sonntag in „Trudes Tier“ um einen alternativen Inselurlaub. Auch eine schöne Alternative, um ein Urlaubsgefühl zu erzeugen.
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