Podcast Epsiode 9: Kinder radikal ernst nehmen – Partizipation in der Kita

In dieser Folge bin ich mit der Leitung Silke Hajeck und zwei Mitarbeiter*innenn der Kita Heide-Süd aus Halle (Saale) im Gespräch.
Die Kita ist mit dem Deutschen Kita-Preis als „Kita des Jahres“ 2023 ausgezeichnet worden.

In dieser Kita sind partizipative Strukturen wichtig. Die Kinder radikal in ihren Bedürfnissen ernst zu nehmen steht für die Mitarbeitenden im Fokus.
Die Impulse der Kinder entscheiden über den Tagesablauf, sodass die Kinder jeden Tag ihren eigenen Rhythmus leben..
Wir bekommen hier einen ersten Einblick in den gelebten pädagogischen Alltag.

Dazu beantworten die drei folgende Fragen:

  • Was sind die Besonderheiten des Konzeptes der Einrichtung?
  • Wie kam es dazu, sich in Richtung Partizipation und Bedürfnisorientierung auf den Weg zu machen?
  • Wie darf man sich den gelebten Alltag in der Kita vorstellen?
  • Wie gestaltet sich speziell die Eingewöhnung in diesem Konzept? Dient ein bestimmtes Modell als Ausgang?
  • Gibt es Kritiker:innen?
  • Was sagen Sie zu dem Argument: „Ja, aber in der Schule…)
  • War es von Beginn an einfach geeignetes Personal zu finden, dass das Konzept mitträgt? Wie wählen und integrieren Sie heute neue Mitarbeitende?
  • Was möchten Sie anderen Fachkräften abschließend auf jeden Fall noch sagen?

Es lohnt sich auf jeden Fall reinzuhören und sich inspirieren zu lassen. Die drei zeigen, dass eine bedürfnisorientierte Pädagogik, die sichban den Kinderrechten orientiert, funktioniert und erstrebenswert ist.

Die Kita Heide-Süd steht nach Absprache auch als Konsultationskita zu Verfügung:
Kindertagesstätte Heide-Süd
Silke Hajek
Jadeweg 10
06120 Halle (Saale)
E-Mail: kita.heide-sued@halle.de

Kleine Zeichen, große Bedeutung – Die Signale der Kinder in der Eingewöhnung verstehen

Der Übergang von der Familie in Krippe, Kita und Kindertagespflege und das damit verbundene Ankommen in einer neue Umgebung kann für jedes Kind eine Herausforderung darstellen.

Besonders bei jüngeren Kindern, die noch nicht sprechen können, ist es von entscheidender Bedeutung, auf ihre feinen Signale zu achten, sie zu verstehen und angemessen darauf einzugehen.

Seit mehreren Jahren beschäftige ich mich mit den Signalen von Kindern und warum die Wahrnehmung dieser feinen Signale so wichtig ist. Das Verstehen der einzelnen Signale kann bedeutsam dazu beitragen, dass sich die Kinder in ihrer neuen Umgebung sicher und wohl fühlen.

Kommunikation ohne Worte

Ich selbst habe einige Jahre mit Kindern von 0-3 Jahren gearbeitet und die Erfahrung gemacht, dass nur wenige, sich bereits sprachlich ausgereift mit Worten verständigen können. In den meisten Fällen teilen sie sich daher nonverbal mit Hilfe von Gestik, Mimik, Körperhaltung oder durch bestimmte Geräusche mit.

So bedeutet nicht jedes Gähnen gleich Müdigkeit oder ein Lächeln Freude und Aufgeschlossenheit. Beides kann auch Unsicherheit zum Ausdruck bringen. Ein Kind, dass die Hände ineinandergelgt hat, ruht nicht unbedingt in sich. Es kann auch darauf hinweisen, dass das Kind versucht sich selbst an die Hand zu nehmen und sich Sicherheit zu geben. Auch ein Kind, dass vor uns auf dem Boden sitzt und zu seinen Füßen greift, tut dies in neuen Situationen, um sich selbst festzuhalten. Ein Klammern und Festhalten an Gegenständen und Personen oder auch das Eindrehen der Fäuste kann auf Anspannung, Unwohlsein und Stress hinweisen.

Eine ausgesteckte Hand, deren Handfläche nach vorne zeigt und die Finger dabei gespreizt sind, will darauf aufmerksammachen, dass das Kind irritiert, unsicher und überfordert ist.

Weitere kleine Zeichen können darüberhinaus ein abgewandter Blick oder ein Wegdrehen des Körpers sein. Und nicht selten versuchen sich Kinder vom Schoß oder aus den Armen der Erwachsenen herauszuwinden, in dem sie ihren Rücken nach hinten durchbiegen und sehr zappelig sind. Damit zeigen sie, dass sie sich in der Situation nicht wohlfühlen. Das Verstecken des Gesichts hinter den Händen kann Überforderung ausdrücken.

Mehr hierzu findest du auf YouTube unter: Signale des Babys.

Indem wir auf diese oftmals sehr kleinen Signale achten, sie erkennen und darauf eingehen, ermöglichen wir den Kindern, ihre Bedürfnisse und Gefühle mitzuteilen, auch wenn sie noch nicht sprechen können.

Ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen schaffen

Die Eingewöhnung in eine neue Umgebung kann für ein Kind äußerst beängstigend sein. Indem wir uns bewusst auf die feinen Signale konzentrieren, zeigen wir den Kindern, dass wir sie verstehen wollen und für sie da sind. Dies hilft, eine Atmosphäre des Vertrauens und der Sicherheit zu schaffen, die für eine positive Eingewöhnung von entscheidender Bedeutung ist.

Indem wir auf ihre Signale eingehen, fühlen sich die Kinder gehört und respektiert, was ihnen das nötige Selbstvertrauen gibt, um ihre neue Umgebung zu erkunden.

Individuelle Bedürfnisse erkennen

Jedes Kind ist einzigartig und hat unterschiedliche Bedürfnisse und Vorlieben. Indem wir die feinen Signale wahrnehmen, können wir besser verstehen, was jedes einzelne Kind in der Eingewöhnungsphase benötigt. Manche Kinder brauchen vielleicht mehr Zeit, um sich an eine neue Umgebung zu gewöhnen, während andere schnell offener sind. Durch das Erkennen und Verstehen dieser Signale können wir den Eingewöhnungsprozess individuell gestalten und den Kindern das geben, was sie brauchen, um sich wohl und geborgen zu fühlen.

Die Entwicklung der Sprache unterstützen

Während der Eingewöhnungsphase ist es von besonderer Bedeutung, die sprachliche Entwicklung der Kinder zu unterstützen. Auch wenn sie noch nicht sprechen können, hören und nehmen sie die Sprache um sie herum auf. Indem wir ihre feinen Signale wahrnehmen und darauf eingehen, ermöglichen wir ihnen, ein Verständnis für Kommunikation aufzubauen und sprachliche Fähigkeiten zu entwickeln. Dies legt den Grundstein für ihre zukünftige Sprachentwicklung.

Einige Einrichtungen nutzen hier zur Begleitung die Gebärdenunterstützte Kommunikation – eine Verknüpfung von Sprache mit Worten. Mehr dazu erfährst du beispielsweise in den Online-Seminaren von Bilderkraft e.V.

Fazit: Die feinen Signale von Kindern während der Eingewöhnungsphase zu erkennen, zu verstehen und darauf angemessen einzugehen, ist von enormer Bedeutung. Indem wir diese Signale beachten, schaffen wir eine Atmosphäre des Vertrauens und der Sicherheit. Das ermöglicht ein individuelles Ankommen und unterstützt die sprachliche Entwicklung der Kinder.

Es ist unsere Verantwortung, aufmerksam zu sein und diesen Kindern die bestmögliche Unterstützung zu bieten, um ihnen einen gelingenden Start in ihre neuen Umgebungen zu ermöglichen.

Podcast Epsiode 8: Die Bauteppich-Demokrat:innen

In dieser Folge bin ich mit Mareike Paic von den Sternstunden-Seminaren im Gespräch. Sie beschreibt, wie bereits von Anfang an Partizipation mit Kindern spielerisch erlebbar gemacht werden kann und wie wichtig ist, das ganze Team mit ins Boot zu holen, um Teilhabe und Mitsprache den Kindern im KitaAlltag zu ermöglichen. Dazu braucht es u.a. ein reflektionsbereites Team, das sich auch von Althergebrachtem verabschieden kann.

Mareike bietet zu diesem Thema und zu vielen anderen interessante und sehr kreative Seminare an. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, dann schau mal unter.
https://www.sternstunden-seminare.de/
https://www.instagram.com/sternstunden.seminare/

Die Wut-Notfallbox

In meinem vorherigen Blogartikel ging es um Kinder von krebserkrankten Eltern. Manche Kinder reagieren in solchen Situationen mit starken Wutausbrüchen und in dem Zusammenhang habe ich auf eine Methode aus meinem Buch: „Schätze finden statt Fehler suchen“ hingewiesen, die ich hier einmal etwas näher beschreiben möchte.

Diese sog. Wut-Notfallbox kann selbstverständlich auch bei Wutausbrüchen jeglicher Art im pädagogischen Alltag zum Einsatz kommen, um die Kinder darin zu unterstützen ihre Wut zu kanalisieren und ihnen nach und nach Möglichkeiten zur Selbstregulation anbieten zu können.

Dafür wird eine solche Wut-Notffall-Box gemeinsam mit dem Kind zusammengestellt.

Dort können zum Beispiel:

  • ein Kissen, in dass das Kind laut schreien oder rein boxen kann
  • Knete, die nach Lust und Laune bearbeitet werden kann
  • ein Knautschball, zum Kneten
  • ein Igelball zum Massieren
  • Papier zum Zerreißen und zerknüllen
  • Luftpolsterfolie zum Luftbläschen zerdrücken
  • eine Brötchentüte zum aufblasen und zerplatzen lassen
  • ein Foto von draußen oder einem anderen Lieblings-Ruheort, mit dem das Kind der Fachkraft oder die Fachkraft dem Kind ohne Worte signalisieren kann, dass es jetzt gerne nach draußen gehen darf und kann, wenn es das gerade braucht

fest deponiert sein.

Zunächst wird die Fachkraft dem Kind die vereinbarte Möglichkeit zur Verfügung stellen. Erfahrungsgemäß wählen und nutzen die Kinder nach und nach selbst die für sie geeignete Selbstregulationsmöglichkeit.

Was bietest du den Kindern in deinem pädagogischen Alltag an, damit sie Wege finden, ihrer Wut Raum zu geben, ohne andere oder sich selbst zu verletzen?

Im Schatten der Krankheit – Kita-Kinder mit krebskranken Eltern begleiten und unterstützen

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass eine Krebsdiagnose eine erschütternde Erfahrung ist, die das Leben aller in einer Familie ganz schön auf den Kopf stellt. Besonders für kleine Kinder kann diese Situation äußerst belastend sein, da sie oft spüren, dass etwas nicht stimmt, jedoch nicht vollständig verstehen, was da gerade geschieht.

Vor gut 23 Jahren stand ich als Mutter genau vor dieser Situation als meine Tochter gerade mal 11 Monate alt war. Heute ist sie 24 Jahre alt und wir konnten viel in den zurückliegenden Jahren bearbeiten und verarbeiten. Im Januar diesen Jahres gewann das Thema durch meine zweite Krebserkrankung erneut an Bedeutung in unserer Familie. Durch die ein oder andere Begegnung mit jungen Müttern in der Reha kam ich wieder in Kontakt mit meiner zurückliegenden Geschichte.

In diesem Blogartikel möchte ich mich mit der besonderen Herausforderung befassen, der sich Kita-Kinder mit krebskranken Eltern stellen müssen. Ich werden auf die Auswirkungen dieser Situation eingehen und herausstellen, wie pädagogische Fachkräfte und andere Eltern den Kindern und ihren Familien Unterstützung bieten können.

Belastung des*der Erkrankten:

Als mich vor 23 Jahren meine Diagnose ereilte war ich schlagartig mit vielen Belastungen und Herausforderungen konfrontiert.

  • Emotionale Belastung: Ich musste nicht nur mit meiner eigenen Erkrankung und den anstehenden Behandlungen umgehen, ich machte mir Gedanken und Sorgen um die Betreuung meines Kindes. Die Sorge um die Zukunft und die Unsicherheit darüber, wie sich die Erkrankung auf die Fähigkeit auswirken könnte, ein liebevolles und fürsorgliches Elternteil zu sein, hat mich buchstäblich erdrückt. Mal abgesehen davon, dass ich die Sorge in mir trug, das Ganze vielleicht nicht zu überleben und mein Kind nicht auf seinem Lebensweg begleiten zu können.
  • Organisatorische Herausforderungen: Krebsbehandlungen erfordern oft umfangreiche medizinische Termine, Operationen und möglicherweise längere Krankenhausaufenthalte. Für krebserkrankte Eltern bedeutet dies, dass sie zusätzliche Unterstützung bei der Betreuung ihres Kindes benötigen. Die Organisation von Kinderbetreuung, die Gewährleistung einer stabilen Versorgung und die Aufrechterhaltung einer sicheren Umgebung für das Kind sind praktische Herausforderungen sein, die zusätzlich Energie und Kraft erfordern. Da unsere Tochter zu diesem Zeitpunkt noch keine Kita besuchte, nutzten wir die Bandbreite von familiärer Unterstützung, mein Mann ließ sich vorübergehend unter Zahlung von Krankengeld beurlauben und während meiner Chemo bekamen wir Unterstützung durch eine von der Krankenkasse finanzierte Familienpflegerin. In meine Reha begleitete mich meine Tochter für drei Wochen, wo sie in der Krippe der Rehaklinik aufgefangen und begleitet wurde.
  • Bindung und Entwicklung des Kindes: Schon sehr früh keimte in mir die Sorge auf, wie sich meine Erkrankung auf unsere Bindung und auf die weitere Entwicklung meines Kindes auswirken könnte. So eine Krebsdiagnose kann die Fähigkeit der Eltern beeinträchtigen, sich vollständig auf die Bedürfnisse ihres Kindes einzustellen. Das schlechte Gewissen, dass alles meinem Kind in so jungen Jahren zuzumuten, machte mir Stellenweise doch sehr zu schaffen. Heute weiß ich, dass dieses Erleben an uns allen nicht spurlos vorbei gegangen ist. Die Bindung ist dadurch eher intensiver geworden, da wir alle drei wissen, wie wichtig wir uns sind. Ich durfte mein Kind aufwachsen sehen. Sie geht seit einigen Jahren ihren eigenen Weg und lebt ihr eigenes Leben, was ich mit viel Freude erlebe. Meine Erkrankung gehört zu ihrem wie auch zu meinem Leben dazu – dieses Erleben macht uns genau zu den Menschen, die wir heute sind.

Auswirkungen auf Kita-Kinder:

Kita-Kinder mit krebskranken Eltern erleben ei großes Wechselbad an Gefühlen. Je nach Alter werden sie durch die Unruhe und Aufregung in der Familie stark verunsichert und wissen nicht immer zuzuordnen, warum sie gegebenfalls weniger wahrgenommen werden und sich die Aufmerksamkeit mehr auf das betroffene Elternteil bezieht. Etwas ältere Kinder entwickeln teilweise große Angst davor, dass das Elternteil sterben könnte. Die damit verbundene Unsicherheit kann zu den unterschiedlichsten Verhaltensänderungen führen. Einige Kinder werden anhänglicher und mögen sich von dem betroffenen Elternteil oder anderen Bindungspersonen kaum lösen, andere ziehen sich in sich zurück und verweigern jegliche Nähe, sie hören auf zu spielen oder sie reagieren mit herausforderndem und aggressiven Verhalten. Im Kita-Alltag tun sich einzelne Kinder dann sehr schwer, sich auf ihre Aktivitäten in der Kita zu konzentrieren oder entwickeln Schlafprobleme. Nicht selten fühlen sich einige Kinder auch für das Wohlbefinden ihrer Eltern verantwortlich, sie verhalten sich eher angepasst, sind der Sonnerschein und versuchen möglichst keine zusätzliche Belastung für die Eltern zu sein. So oder so ist es wichtig, diese Veränderungen zu erkennen und die Bedürfnisse der Kinder zu verstehen, um angemessene Unterstützung bieten zu können.



Unterstützungsmöglichkeiten in der Kita:

Die Kita kann für Kinder in dieser schwierigen Situation ein sicherer Hafen sein. Die pädagogischen Fachkräfte spielen eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Kita-Kindern mit krebskranken Eltern. Hier sind einige Möglichkeiten, wie sie helfen können:

  • Kooperation mit Familien: Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist von entscheidender Bedeutung. Die Erzieherinnen und Erzieher sollten offen für Gespräche sein und die Eltern über den Tagesablauf und die Fortschritte ihres Kindes informieren. Gleichzeitig ist es wichtig, die Privatsphäre der Familie zu respektieren und ihnen den Raum zu geben, den sie benötigen.
  • Mitgefühl anstatt Mitleid: Die Nachricht über die Erkrankung eines Elternteils löst bei den Fachkräften und auch bei anderen Eltern der Kita-Gemeinschaft ersteinmal Mitleid aus. Mitleid drückt oftmals die eigene Hilflosigkeit aus, da das was da gerade passiert, außerhalb der eigenen Kontrolle liegt. Im besten Falle gelingt es dies in Mitgefühl umzuwandeln, was zur eigenen Handlungsfähigkeit führt und damit die Fragestellung an die betroffene Familie öffnet: „Wie geht es euch gerade und wie können wir euch unterstützen?“
  • Offene Kommunikation: Es ist wichtig, dass die Kita und die Eltern zunächst möglichst offen und ehrlich miteinander kommunizieren und sich miteinander darüber verständigen, was das Kind bereits weiß und mitbekommen hat. Bei aller eigenen Betroffenheit ist es für die Kinder wichtig, ernst genommen zu werden und in den pädagogischen Fachkräften ehrliche Ansprechpartner*innen zu finden. Dies kann auch bedeuten, sich mit der Krankheit soweit auseinander zu setzen, um sie auf kindgerechte Weise zu erklären zu können.
  • Verständnis für das veränderte Verhalten des Kindes: Egal, wie das Kind nun zeigt, was und wie es durch die Erkrankung des Elternteils belastet ist, braucht es nun Verständnis und Zuwendung. Die pädagogische Fachkraft bietet Halt und Unterstützung, indem sie signalisiert, dass sie für das Kind da ist.
  • Verlässliche Abläufe: Wenn alles drum herum wackelt, braucht es gewisser wiederkehrender Abläufe, die den Kindern Stabilität und Verlässlichkeit bieten. Es kann sehr hilfreich sein, dass die bisherigen Aktivitäten und Abläufe in der Kita strukturiert und konstant bleiben und dass es in dieser Phase beispielsweise keine größeren Umräumaktionen gibt. Gleichzeitig braucht es Zeit, Raum und Flexibilität, dass das Kind selbst entscheiden kann, was es jetzt tun möchte und was ihm gut tut.
  • Emotionale Unterstützung: Die pädagogischen Fachkräfte sollten für die Kinder da sein und ihnen ermöglichen, ihre Gefühle auszudrücken. Indem sie ihnen zuhören und sie ermutigen, über ihre Ängste und Sorgen zu sprechen, können sie ihnen helfen, mit ihrer emotionalen Belastung umzugehen.

In meinem Buch „Schätze finden statt Fehler suchen“ (Herder, 2023) beschreibe ich als eine Möglichkeit den Wut- Notfallkoffer, mit Hilfe dessen Kinder im Falle eines Wutausbruchs auf verschiedene Materialien zurückgreifen können, um Wege zur Selbstregulation zu entwickeln.

Nutzen zusätzlicher Ressourcen:

Die Kita kann zusätzliche Ressourcen nutzen, um Kinder mit krebskranken Eltern zu unterstützen. Immer dann, wenn die pädagogischen Fachkräfte selbst nicht mehr wissen, wie sie reagieren sollen, kann es hilfreich sein, sich selbst auch Beratung bei Fachleuten wie z.B. Kinderpsycholog*innen, Sozialarbeiter*innen oder Erziehungsberater*innen zu holen. Gemeinsam kann dann nach Lösungen gesucht werden, den Kinder zu helfen, ihre Gefühle zu verarbeiten und Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

Darüber hinaus kann die Kita auch spezifische Angbote, um das Wohlbefinden der Kinder im Allgemeinen zu fördern. Dies können beispielsweise Entspannungsübungen, Bewegungsangebote, Kreative Ausdrucksmöglichkeiten oder Gespräche in der Gruppe über Gefühle sein, in denen die Kinder ihre Erfahrungen teilen können.

Die Materialien von den Superheldenkids bieten hier eine Fülle für Kita-Kinder im Alter von 0-3 Jahren.

Die Rolle der Kita-Gemeinschaft:

In vielen Fällen können die anderen Familien der Kita-Gemeinschaft, durch Offenheit, Empathie und konkrete Unterstützung eine wertvolle Stütze sein. So können andere Eltern anbieten, das Kind mit abzuholen, mit zum Schwimmen oder Spielen zu nehmen, wenn das erkrankte Elternteil durch die Behandlungen sehr müde und kraftlos ist. Freundschaften zu anderen Kindern können in solchen Situationen sehr entlastend und tragend sein.

Fazit:

Kita-Kinder mit krebskranken Eltern stehen vor besonderen Herausforderungen, die ihre emotionale und psychische Gesundheit beeinflussen können. Indem Erzieherinnen und Erzieher, Fachleute und die Kita-Gemeinschaft sich zusammen tun, können sie diesen Kindern die Unterstützung bieten, die diese brauchen. Eine offene Kommunikation, eine stabile Routine, emotionale Unterstützung und zusätzliche Ressourcen können dazu beitragen, dass diese Kinder sich sicher, verstanden und unterstützt fühlen. Gemeinsam können wir dazu beitragen, dass Kita-Kinder mit krebskranken Eltern diese herausfordernde Zeit gut durchstehen, eine positive Entwicklung durchlaufen und gestärkt daraus hervorgehen.

Weitere interessante Blogartikel:

Cantzler, A. (2020): Was uns stark macht! – Resilienz bei Kindern, Eltern und Pädagogischen Fachkräften

Cantzler, A. (2020): Wie Kinder stark werden

Paic, M. (2020): Phil, der Sorgenschmelzer und seine Kummerkumpel

Weiterführende Links:

Bayerische Krebsgesellschaft (2013): Was Kindern und Jugendlichen hilft, wenn Eltern an Krebs erkranken. Eine Broschüre der Bayerischen Krebsgesellschaft e.V.
Download unter http://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/aktuelle-themen/service/broschueren/broschueren-uebergreifende-krebs-themen.html

Heinemann, Claudia & Reinert, Elke (2011): Kinder krebskranker Eltern – Prävention und Therapie für Kinder, Eltern und die gesamte Familie. Kohlhammer-Verlag.

Krebsinformationsdienst: Krankheitsverarbeitung. Mit Kindern über Krebs sprechen. http://www.krebsinformationsdienst.de/leben/krankheitsverarbeitung/kindern-krebs-erklaeren.php