Und jedem Abschied folgt ein Neubeginn…

Mit diesem Gastbeitrag meine Kollegin Anja Klostermann werde ich die Themenreihe zur Teamarbeit in Zeiten von Pandemie und Krise vorerst abschließen. Die vorausgegangenen Beiträge “Teams in der Krise” und “Warum glaubst Du mir nicht” beschäftigten sich mit Lösungsmöglichkeiten in scheierigen Situationen. Manchmal lässt sich jedoch keine Lösung mehr finden und dann steht eine Entscheidung an, ein Team zu verlassen. Und genau mit diesem Kernthema beschäftigt sich der Gastbeitrag von Anja Klostermann. Der Titel: Und jedem Abschied folgt ein Neubeginn… macht Mut, diesen Schritt zu gehen, wenn es nach allem abwägen, keinen Sinn mehr ergibt zu bleiben. Ich wünsche Dir hilfreiche Erkenntnisse und ggfs. einen zielführenden Entscheidungsprozess.

Deine Anja Cantzler

Und jedem Abschied folgt ein Neubeginn

Ein Gastbeitrag von Anja Klostermann (Dipl. Pädagogin, Coach (DGfC), Supervisorin (DGSv))

Besonders diese Corona Zeit verlangt uns vieles ab. In der Teamarbeit fungiert sie als Lupe, als Spiegel oder auch Vergrößerungsglas der Zusammenarbeit. Gutes gelingt, Ressourcen des Teams kommen zum Tragen und der Zusammenhalt wird verstärkt. Ideen und Kreativität sprudeln und lassen immer neue Möglichkeiten der Umsetzung der Arbeit unter diesen doch so unbekannten und unsicheren Bedingungen entstehen. Auf der anderen Seite erscheinen Verdecktes oder auch schon bekannte Schwierigkeiten an der Oberfläche und führen verstärkt zu Missverständnissen, Missmut oder auch Unmut in der Bewältigung aller Aufgaben, mit Auswirkungen auf die Zusammenarbeit und letztlich auch auf die Arbeit mit den Kindern und Eltern.

Gehen oder Bleiben?

Vielleicht tauchen dann bei der ein oder dem anderen hier und da Fragen auf wie: Bin ich hier noch gewollt? Möchte ich mich der Situation weiterhin aussetzen? Habe ich andere Möglichkeiten? Was kann ich tun, um wieder mehr Freude an der Arbeit zu haben?

In einer der letzten Supervisionen wurde ich gefragt: Wann muss ich mein Team verlassen? Ich würde für mich die Antwort folgendermaßen formulieren: Spätestens dann, wenn ich mich nicht mehr wohl fühle, mir Freude und Motivation an der Arbeit fehlen, Anerkennung und Wertschätzung verloren gegangen sind und ich keine Möglichkeiten mehr sehe, mich dafür einzusetzen, dass ich für mich oder auch gemeinsam mit Team und der Leitung für diesen Arbeitsplatz eine Lösung sehe.

Vielschichtige Bewegründe

Die Beweggründe ein Team zu verlassen, können sehr vielschichtig und vielfältig sein. Relativ eindeutig ist die Entscheidung, die sich durch eine Veränderung der privaten Lebenswelt oder des Umfelds ergibt, wie z.B. Umzug, berufliche Weiterentwicklung, Übernahme einer Leitungsstelle oder die Gründung einer Familie.

Neben diesen Beispielen gibt es aber auch andere Überlegungen oder Situationen, ein Team verlassen zu wollen. Ich beschreibe hier einmal eine kleine Auswahl

  • Unzufriedenheit mit dem Träger – Leitbild und Konzeption entsprechen nicht meinen Vorstellungen und meiner Haltung, so dass ich ständig in einem Spannungsfeld zwischen eigenem Anspruch und unsinnig empfundenen Vorgaben stecke.
  • Zugehörigkeit zum Team – Wie muss ein Team beschaffen sein, damit ich mich darin wohlfühle und freudvoll, motiviert arbeiten kann? Ein Abwägen dessen, was ich in meinem Team von dem vorfinde, was ich brauche und dem was ich nicht ertragen kann, zeigt mir den Weg zum Bleiben oder Gehen.
  • Altersmischung im Team – Angehörige der sogenannten X-, Y- und Z- Generationen haben unterschiedliche Sozialisationserfahrungen, die nicht immer kompatibel sind. Fällt es mir schwer Verhaltensweisen oder den Umgang mit z.B. Verantwortungsübernahme für das Gelingen der Arbeit nicht nachvollziehen zu können oder ich empfinde es gar als übergriffig, und kann das Verhalten meiner Kolleg*innen überhaupt nicht verstehen, ist es dringend angeraten, mich damit auseinanderzusetzen. Sollte eine Annäherung nicht gelingen, ist über einen Wechsel nachzudenken.
  • Ungelöste Konflikte – Es ist nicht gelungen, Konflikte in meinem Team offen zu klären. Auch die Unterstützung durch meine Leitung oder mit den Kolleg*innen hat keine Lösung ermöglicht. Besonders Konflikte, die auf der persönlichen Ebene entstehen und nicht aufgearbeitet werden, schwelen weiter und können eine funktionierende Teamarbeit immerzu blockieren. Die Atmosphäre im Team ist gekennzeichnet von Unzufriedenheit, Unsicherheit oder gar Neid oder Missgunst. Konflikte auf der persönlichen Ebene können mit Verletzungen, Kränkungen, Beschuldigungen, Beschämung oder Bloßstellen einhergehen. Demütigungen sind ebenfalls möglich. Werden bewusst Angriffe gegen eine/n Kolleg*in ausgeführt, ist besondere Aufmerksamkeit geboten. Fühle ich mich z.B. bloßgestellt, beschämt oder meiner Privatsphäre beraubt, ist der eigene Schutz an die erste Stelle zu stellen und das Verlassen des Teams geboten.
  • Veränderungen, die gesellschaftlich bedingt sind – die Zusammensetzung der Kita-Gruppen haben sich verändert. Themen wie z.B. Gewalt- und Fluchterfahrungen, Eltern mit psychischen Erkrankungen, Sprachbarrieren oder unterschiedliche kulturelle Hintergründe gehören inzwischen zum Alltag. Die Zusammenarbeit mit den Eltern oder die Arbeit mit den Kindern wird als herausfordernder als früher erlebt. Spüre ich, dass die Themen mich zu stark fordern, gilt es eine gute Lösung zu finden.
  • Alarmzeichen des Körpers – In einigen Fällen erschweren körperliche Einschränkungen, die tägliche Arbeit oder machen manche Aufgaben gar unmöglich. Das führt zu persönlichem Stresserleben, zu Überforderungen und kann im Burn-out münden. Die eigenen Grenzen werden infrage gestellt, überschritten oder gar tief verletzt. Chronische Beschwerden wie Schlafstörungen, Rückenschmerzen oder dauerhafte Erschöpfung sind Alarmzeichen des Körpers und sollten ernst genommen werden. Spüre ich schon am Morgen, dass das Aufstehen mir schwerfällt und mein Körper mir deutlich zeigt, so geht es nicht weiter, dann ist an diesem Punkt dringend geraten, sich mit beruflichen Perspektiven auseinanderzusetzen.
  • Fehlende Anerkennung und Wertschätzung – Anerkennung und Wertschätzung sind wesentliche menschliche Grundbedürfnisse. Auch der Wunsch nach Weiterentwicklung und Selbstverwirklichung gehört dazu. Ein Team verlassen zu wollen, kann daraus entstehen, dass diese Grundbedürfnisse befriedigt werden wollen. Wächst meine eigene Unzufriedenheit mit der täglichen Arbeit in der Kita, dann sollte ich prüfen, ob ein Wechsel des Teams die Situation verbessern würde.

Bleibe ich und investiere Energie und Kraft in die Veränderung der Zusammenarbeit? Oder ist es an der Zeit, das Team mit Würde und einer guten Verabschiedung zu verlassen, um neue Wege zu gehen? Die Antwort auf die Frage steht und fällt mit der Auseinandersetzung mit der eigenen Person.

Wenn es an der Zeit ist, zu gehen…

Spielst du vielleicht gerade mit dem Gedanken, dein Team zu verlassen, dann schau genau hin, was deine eigenen Bedürfnisse sind und wie es um dein eigenes Wohlbefinden steht. Eine solche Analyse bildet die Grundlage, um deine Entscheidung treffen zu können. Ist die Entscheidung gefallen, folgt der Verabschiedungsprozess möglichst so, dass alle Beteiligten unbeschadet neue Wege gehen können.

Und dann steht deinem Neubeginn nichts mehr im Wege….

Deine Anja Klostermann

Bist Du neugierig geworden und möchtest mehr über Anja Klostermann erfahren, dann besuch am besten ihre Website: www.anja-klostermann.de

Darüber hinaus war Anja Klostermann zu Gast bei mir in den YouTube Kita Talks. Schau doch einfach mal rein: Teamarbeit in Zeiten von Corona

P.S. Hast Du noch weitere Themen, die Dich im Moment im Team und in der Zusammenarbeit im Team beschäftigen, dann freue ich mich über Deine Anregung in den Kommentaren oder schreib mir einfach eine Email an: anjacantzler@t-online.de

Sollte durch diese Blogbeiträge bei Dir ein Beratungsbedarf entstanden sein. Anja Klostermann oder ich stehen Dir auf Anfrage gerne auch Online als Coaches und Supervisorinnen zur Verfügung. komm einfach auf uns zu und wir klären dann alles Weitere. In einem telefonischen Erstkontakt können wir die Modalitäten und Konditionen besprechen.

Von Anker-Plätzen, Schatzkisten & Co – die Ich -Box für Päd. Fach- und Leitungskräfte

In ihrem Gastbeitrag „Ein Platz für Kuschel & Co“ hat Mareike Paic ihre Ich-Box für neue Kinder vorgestellt. Unmittelbar nach dem Erscheinen des Beitrags kontaktierte mich meine Kollegin Tanja Köster und fragte, ob wir eine solche Ich-Box nicht auch für neue Leitungskräfte entwickeln könnten. Dieser Impuls reichte aus, um bei Mareike und mir den Kreativitätsmuskel in Gang zu bringen. Weitere Ideen steuerten Nadine Winkler und Anke Leyer bei.

Auf Anfrage in meiner Facebook Gruppe „Coaching als Schlüsselkompetenz für Leitungskräfte“ äußerte Anke: „ Was für eine schöne Idee. Wie oft achten wir im Alltag nur auf die Bedürfnisse der Kinder und deren Familien und vergessen dabei unsere eigenen Befindlichkeiten wahrzunehmen und zu reflektieren. Ich werde das gleich mal am Montag in meinem Team vorschlagen.“ Und Nadine, die auch in dieser Gruppe ist, steuerte einen bunten Strauß an Ideen mit bei. So wurde aus der Idee einer Ich-Box für neue Leitungskräfte ein kleines Sortiment von Kisten und Plätzen für pädagogische Fachkräfte.

Aus der Ich-Box für Kinder wird eine Ich-Box für Erwachsene

Ursprünglich handelt es sich bei der Ich_Box um eine Kiste, die von der Familie gemeinsam mit dem Kind und für das Kind gestaltet wird. In dieser Kiste finden die wichtigsten Tröster und Übergangsobjekte des Kindes einen sicheren Platz. 

Wie könnte nun ein solcher Platz für Päd. Fach- und Leitungskräfte aussehen? Ein Brainstorming von Mareike und mir ergab, dass sich als Ich-Box die unterschiedlichsten Behältnisse anbieten: z.B. ein Korb mit Deckel, ein Nähkästchen, ein Koffer, ein Rucksack, eine Erste-Hilfe-Tasche, eine Schatztruhe, eine Werkzeugkiste o.ä..  Am besten suchst Du Dir etwas aus, was zu Dir und Deinen Vorlieben passt. In meinen Seminaren beispielsweise arbeite ich passend zu meinem Motto „Schatzsuche statt Fehlerfahndung“ in viel mit einer kleinen Schatztruhe, die randvoll mit den Ressourcen und Kompetenzen meiner Seminarteilnehmer*innen gefüllt ist. Als begeisterte Wanderin würde ich für mich persönlich wiederum einen Ressourcen-Rucksack wählen. Das steht für mich symbolisch für alles, was ich bereits in meinem Gepäck mitbringe und auf das ich zurückgreifen kann.

Nadine hat für sich spontan eine „Leitungs- Anker- Box“ als Idee benannt. Mit einer “Anker-Box” assoziiere ich eine mediterran gestaltete Kiste mit Bildern von der Nord- oder Ostsee, Leuchttürmen, Ankersymbolen und Rettungsringen. In diesen Bildern steckt für mich soviel Kraft und Symbolgehalt:

  • Was ist für mich mein Leuchtturm, an dem ich mich in meiner neuen Aufgabe orientieren kann?
  • Wo und bei wem finde ich Halt? Wo kann ich ausruhen und Kraft sammeln? (Anker)
  • Wer hilft mir in schwierigen Situationen? (Rettungsring)
Ein Ideen-Feuerwerk entsteht

Ganz ähnlich mag Nadine auch gedacht haben, als den möglichen Inhalt ihrer Kiste benannte:

  • Handschmeichler
  • persönliche Glücksbringer
  • Karten mit Sprüchen zum Nachdenken, zur Aufmunterung und mit Witzigem
  • einen Sorgenfresser
  • Zitate und Sprüche, die dir wichtig sind
  • Telefonnummern von Personen (beruflich und privat), mit denen du über Probleme sprechen kannst
  • Fotos von deinen Liebsten (Mensch und Tier ;-))

Und wie nicht anders zu erwarten hat Mareike natürlich auch noch einiges mit beigesteuert:

  • eine kleine Dose, in dem ein Spiegel versteckt ist, der dich an deinen größten Schatz erinnern soll, den es zu hüten gilt
  • kleine Steine, auf denen kraftgebende Begriffe stehen wie z.B. Geduld, Energie, Zeit, Ruhe, Gelassenheit, Auszeit etc.

Ich würde das Ganze noch ergänzen wollen mit:

  • einem Maskottchen, bei mir ist das z.B. ein kleiner Teddy namens Lütti, den ich im Anerkennungsjahr als Abschiedsgeschenk bekommen habe
  • einen Wut- oder Stressball
  • Kärtchen mit Yoga- und Entspannungsübungen
  • Fotos von Personen, die dich persönlich oder beruflich geprägt haben
  • Bilder von Orten, die Dir helfen dich zu entspannen
  • mein Selbstfürsorge-Kärtchen, dass Du in dem Beitrag „Balance zwischen Empathie und Selbstfürsorge“ findest.

Und nicht zu vergessen:

  • Ein Gutschein für eine Massage, Sauna, Kosmetikbehandlung, Eisessen, Essengehen o.ä. als Belohnung nach den ersten 100 Tagen.
Die “Kussbonbons für Erwachsene”

Besonders fasziniert war ich in Mareikes Beitrag von den “Kussbonbons” und es stellte sich die Frage, wie Kussbonbons für Erwachsene aussehen können.

Hier unsere Ideen und bestimmt fällt Dir da auch noch eine Menge zu ein:

  • Bestücke ein Deko-Glas mit vielen Zettelchen, auf denen du Deine Ressourcen und Kompetenzen wie z.B. einfühlsam, musikalisch, humorvoll etc. aufschreibst. Wenn Du gerade mal nicht weiter weißt oder eine Bestärkung brauchst, ziehst Du einen Zettel und nimmst diesen Impuls, um zu überlegen, inwieweit dies Dir in dieser Situation weiterhilft.
  • Oder bestückst dieses Glas mit lauter aus goldener Pappe ausgeschnittenen Sternen, auf denen deine Sternstunden geschrieben sind. Sternstunden sind gelungene Situationen auf die Du positiv zurück schauen kannst.
  • Lege Dir das Kartenset “Schatzkarten für Erzieherinnen” vom Don Bosco Verlag zu und wähle in einer schwierigen Situation eine Impulskarte, über die Du dann nachdenken kannst.
  • Ähnlich kann der Spiralaufsteller “Gute Laune fürs Büro” von Joachim Groh mit lustigen Sprüchen genutzt werden.
  • Du kannst einen solchen Spiralaufsteller auch mit eigenen Sprüchen selbst gestalten.
  • Die bemalten Steine mit den kraftgebenden Worten können schön dekoriert in einer Schale oder in einem Deko-Glas auch zu wertvollen Kussbonbons werden. Anstatt der Steine würden in eine Schatzkiste Schoko-Goldmünzen mit kraftspendenden Worten besser passen. Diese kannst Du dann auch richtig vernaschen. 😉
  • Ich habe mal für ein Seminar Bonbons mit bestärkenden Sprüchen umwickelt, die Kolleg*innen, die eine Abschlusspräsentation zu meistern hatten, haben sich da rege bedient und hatten viel Spaß daran die Sprüche zu lesen.
  • Glückskekse können einen ähnlichen Zweck erfüllen.

Der Fantasie und Kreativität sind hier wahrhaftig keine Grenzen gesetzt. Ich bin gespannt, was Dir noch dazu einfällt. Ich freue mich schon auf die Beschreibung Deiner persönlichen Ich-Box in den Kommentaren.

Die Ich-Box für Pädagogische Fach- und Leitungskräfte bietet nicht nur neuen Mitarbeiter*innen eine tolle Gelegenheit, sich Kraft für den Alltag zu holen. Im Prinzip tut diese Art der Kraftquelle jeder*m Mitarbeiter*in gut.

Wenn zu Beginn des Kindergartenjahres alle Mitarbeiter*innen sich eine solche Ich-Box zulegen, kann das auch wunderschönes Einstiegs- und Kennenlernritual werden – für neue Teams genauso wie für bestehende Teams.

Ich wünsche Dir einen guten Start in dieses Kindergartenjahr

Deine Anja

P.S. Danke liebe Tanja, es hat mir viel Spaß gemacht, diese neue Idee zu entwickeln. Vielen Dank auch für die kreative Unterstützung an Anke, Mareike und Nadine.