Eingewöhnung in der Peer Group

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit den verschiedenen Eingewöhnungsmodellen. Seinen Anfang nahm dies bereits in meiner Zeit als Pädagogische Fachkraft vor mehr als 25 Jahren als ich merkte, dass die damalige Form der Eingewöhnung ohne Elternbegleitung für alle Beteiligten einfach nur anstrengend und für die Kinder wenig bedürfnisorientiert war.

Das Berliner Modell als Lösung

Wie glücklich war ich als ich dann das Berliner Eingewöhnungsmodell kennenlernte und dies dann mit viel Überzeugung in meinen Seminaren vermittelte. Vor gut 20 Jahren war das sehr innovativ. Seither haben sich viele Spielarten hierzu entwickelt und meiner erfahrung nach setzt kaum eine Einrichtung tatsächlich dieses Modell in Reinform um. Mittlerweile hinterfrage ich, ob eine Einrichtung in ihrem Konzept überhaupt ein konkretes Modell benennen sollte oder ob es nicht viel sinnvoller ist, das zu beschreiben, was in der einzelnen Krippe, Kita oder Kindertagespflege konkret praktiziert wird. Für den Fall, dass Du Dein Eingewöhnungskonzept hinterfragen und ggfs. überarbeiten möchtest, habe ich Dir 5 Tipps zur Eingewöhnung zusammengestellt. Der kostenfreie E-Mail Kurs begleitet Dich über mehrere Tage mit gezielten Reflektionsfragen dabei.

Im Laufe der Jahre lernte ich als Referentin noch das Münchner Modell kennen. Das Berliner Eingewöhnungsmodell basiert im Kern auf der Bindungstheorie und das Müncher bezieht darüber hinaus, die Transitionsforschung mit ein, die u.a. davon ausgeht, dass ein Kind auch zu mehreren anderen Erwachsenen in einem Eingewöhnungsprozess mit der entsprechenden Zeit eine Beziehung aufbauen kann.

Neue Impulse eröffnen neue Wege

2016 hat es dann auf einer Tagung des Netzwerk: Fortbildung U3 in Potsdam bei mir nochmal richtig Klick gemacht. Ich begegnete im Open Space Regine Schierle-Wenger, die uns das Modell der Eingewöhnung in der PeerGroup vorstellte. Ihre Begeisterung sprang unmittelbar auf mich über, so dass ich bereits in der folgenden Woche, dieses Modell in meiner Fortbildungsreihe “Fachkraft für Frühpädagogik” im Haus Neuland aufnahm. In dieser Gruppe entzündete sich in einer Kollegin ein Feuer, dass sie umgehend in ihre Einrichtung trug und innerhalb von knapp 4 Monaten die Eingewöhnung für ihre Krippengruppe veränderte.

Seither ist die Eingewöhnung in der Peer Group ein fester Bestandteil in meinen Seminaren und Modulen rund um die Eingewöhnung. Was aber beinhaltet dieses Eingewöhnungsmodell im Kern? – Meines Erachtens ist dieses Model die aktuelle und logische Weiterführung der beiden anderen Modelle. Es berücksichtigt die Wichtigkeit der Bindungspersonen für die Gestaltung von Übergängen auf Grundlage der Bindungstheorie, es integriert die Annahme, dass Kinder grundsätzlich auch zu mehreren anderen Erwachsenen Beziehungen aufbauen können gemäß der Transitionsforschung und es bezieht die Bedeutung der Gleichaltrigen basierend auf den Forschungen zur Peer Group mit ein. Ein sehr lesenswertes Buch hierzu heißt: Was wir gemeinsam alles können.

Die Bedeutung der Peer Group

Die Forschungen von Carolin Howes zu den Peer Group Beziehungen bei Kindern von 0-3 Jahren haben ergeben, dass bereits Kinder gegen Ende ihres ersten Lebensjahres mit anderen Gleichaltrigen sozial interagieren. Sie bearbeiten ab diesem Alter bereits gemeinsam emotionale Themen im gemeinsamen Spiel. So hat Howes auch herausgefunden, dass die Trennung von den Eltern den Kindern leichter fällt, wenn sie diese mit anderen Kindern bewältigen, die in der gleichen Situation sind. So kann beispielsweise ein Kind, dass sich mit Trennung etwas schwerer tut, sich das Verhalten und die emotionale Ebene bei einem anderen Kind, dem es weniger schwer fällt abgucken.

Und so geht`s

Bei der Eingewöhnung in der Peer-Group werden in der Regel je nach Alter 3-5 Kinder in Begleitung ihrer Eltern gleichzeitig eingewöhnt. Zwei Eingewöhnungspädagoginnen begleiten den Eingewöhnungsprozess. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, eine anregende Umgebung zu schaffen, in der die Kinder miteinander ins Spiel kommen und so sich gut von den Eltern lösen können. Sie beobachten jedes einzelne Kind und die Kindergruppe, um herauszufinden, wer wann welche Unterstützung braucht, um gut ankommen zu können. Am Anfang bleiben die Eltern als Gruppe mit im Raum, so dass die Kindern jederzeit zu den Eltern zurückkehren können und wieder Sicherheit auftanken können. In dieser Phase nehmen bereits einzelne Kinder auch Kontakt zu den Eingewöhnungspädagoginnen auf, die dann feinfühlig eine Beziehung zu dem jeweiligen Kind aufbauen. Auch hier lernen die anderen Kinder durch Beobachtung und Nachahmung am Modell.

Die Eltern verlassen nach ca. 3-5 Tagen erstmalig den Raum, wenn möglich gemeinsam. Ähnlich anderer Eingewöhnungsmodelle ist jetzt die Reaktion des einzelnen Kindes im Vordergrund und für das weitere Vorgehen ausschlaggebend. Selbstverständlich kommt ein Elternteil sofort wieder zurück, wenn ein Kind noch Zeit braucht. Hier gilt der Vorrang des individuellen Bedürfnisses vor dem der Gruppe. Erfahrungsgemäß ist es für die anderen Kinder, die die Trennung schon gut meistern kein Problem, wenn ein einzelnes Elternteil noch anwesend ist. Die Dauer der Abwesenheit der Eltern wird dann schrittweise verlängert. Ein ganz besonderer Charm dieses Modells liegt übrigens darin, dass auch die Eltern eine Peer Group bilden und sich so gemeinsam stützen.

Generell sind folgende Säulen zu beachten:

  • das Team
  • die Eingewöhnungspädagogen
  • die Kindergruppe
  • die Eltern
  • der seperate vorbereitete Raum mi Spiel- und Elternbereich

Rückmeldung aus der Praxis

Ich kenne mittlerweile einige Einrichtungen, die dieses Modell mit Überzeugung umsetzen und die Rückmeldungen sind jedes Mal sehr ähnlich: die Eingewöhnung verlief entspannter, die Kinder finden sehr gut ins Spiel, die Ablösung findet stressfreier und mit geringerer Rückfallquote statt, die Kinder wenden sich an die pädagogischen Fachkräfte im Bedarfs- und Trostfall, sind aber weniger fixiert auf eine spezielle Bezugserzieherin …

Soweit ein erster kleiner Einblick in dieses etwas andere Modell. Wenn Du mehr darüber erfahren möchtest, habe ich Dir noch ein paar Empfehlungen im Anhang verlinkt. Falls du bereits mit dem Modell arbeitest freue ich mich über Deine Erfahrungswerte in den Kommentaren. Solltest weitere Fragen haben, kannst Du diese auch gerne in die Kommentare schreiben oder Du kommst in eines meiner Live-Online-Seminare.

Deine Anja

In meinem Kita Talk: Eingewöhnung in der Peer Group berichtet Sabrina Djogo über die Umsetzung des Modells in der Kindertagespflege

In dem Podcast von Tanja Köster wurde ich zu dem Modell interviewt.

Live-Online-Seminare

6.11.2021 Haus Neuland/ Sennestadt: Eingewöhnung in der Peer Group

In jedem Anfang liegt ein Zauber… Materialien für die Eingewöhnung in Kita und Kindertagespflege

Das neue Jahr hat gerade erst angefangen und nun ist es sehr deutlich, dass der erneute Lockdown noch bis mindestens Ende Januar gehen wird. Irgendwie ist gerade kein Ende in Sicht und trotzdem sollten wir den Blick nach vorne richten. Auch wenn gerade nicht klar ist, wie es konkret weitergeht, fest steht, dass früher oder später neue Kinder und Eltern in den Gruppen aufgenommen werden. Aufnahme und Eingewöhnung ist ein immer wiederkehrendes Thema in Kita und Kindertagespflege. Die Eingewöhnung ist die Basis für alles weitere: zum einen mit Blick auf die Entwicklung des Kindes und zum anderen mit Blick auf die Bildungs- und Erziehungspartnerschaft. Eine Eingewöhnung ist in der Regel nicht nach zwei bis drei Wochen abgeschlossen, je nach Kind dauert sie auch gerne 12 Wochen und länger. Meines Erachtens ist es sehr wichtig und wertvoll, sich immer wieder mit der Gestaltung einer sanften und bedürfnisorientierten Eingewöhnung im gesamten Team zu beschäftigen.

Viele Einrichtungen befinden sich aktuell in den Anmelde- und Aufnahmeverfahren für den Sommer. Genau der richtige Zeitpunkt, um das eigene Eingewöhnungskonzept einmal gut zu überdenken und eventuell zu überprüfen. Dazu habe ich bereits im letzten Jahr die 5 Tipps zur Eingewöhnung entwickelt. Hierbei handelt es sich um einen mehrteiligen E-Mail Kurs, mit dessen Hilfe Du über eine Woche hinweg Deine Eingewöhnung reflektieren und überprüfen kannst.

Ergänzende Blogartikel

Ergänzend dazu habe ich im letzten Jahr bereits viele Blogbeiträge rund um die Eingewöhnung veröffentlicht. Zur besseren Übersicht findest Du hier eine Aufstellung der verschiedenen Beiträge:

Für alle, die sich im Speziellen für die Eingewöhnung in der Peer-Group interessieren, ist ganz aktuell mein YouTube KitaTalk mit Sabrina Djogo, die seit vielen Jahren als Tagespflegekraft arbeitet, erschienen.

Termine für Online-Seminare

Im nächsten Blog-Beitrag befasse ich mich etwas ausfühlicher mit der “Eingewöhnung in der Peer-Group”. Wenn du an einem Seminar zu diesem Thema interessiert bist, gibt es an folgenden Terminen Live-Online Seminare:

Beliebte Podcasts

Sehr hörenswerte Podcasts von anderen Expertinnen zu dem Thema Eingewöhnung findest Du unter:

Buchtipps

Vor ein paar Jahren habe ich ein Buch zum Thema: Eingewöhnung von KiTa Kindern veröffentlicht. Hier bekommst Du einen ersten Ein- und Überblick in die Eingewöhnung in der Kita. Es ist für Fachkräfte und Eltern geschrieben, die einen kleinen Ratgeber zu diesem Thema suchen.

Das Krüger & Thiel Institut hat eine kleine Broschüre mit dem Titel: Sanfte Eingewöhnung für mein Kind veröffentlicht. Die Broschüre bestehen aus liebevoll zusammengestellten Fotos mit Szenen aus dem Eingewöhnungsalltag einer KiTa. Hier wird den Kindern eine Stimme gegeben und somit ihre Sichtweise auf die Eingewöhnung verdeutlicht. Die Erwachsenen bekommen Handlungsanregungen für die Gestaltung und Begleitung des Eingewöhnungsprozesses. Sehr hilfreich und empfehlenswert für die Zusammenarbeit mit Eltern.

Für Kinder in der Eingewöhnung hat das Krüger&Thiel Institut ein ganz reizendes kleines Bilderbuch: Mira, Tuffi und die Gefühle veröffentlicht. Hier begleitet der kleine Stoffelefant Tuffi die kleine Mira in ihrern ersten Kindergartentagen und beschreibt ihre Gefühle. Sehr schön, für die Gruppe oder als kleines Willkommensgeschenk für die neuen Kinder.

Für Teams, die sich von Grund auf mit Bindung und Beziehungsaufbau beschäftigen möchten, kann ich die Arbeitsmaterialien “Bindung entsteht – Bindung stärkt – Bindung trägt” von Gundula Göbel empfehlen. Zu dem Paket gehören viele Broschüren in einfacher Sprache, die gut an Eltern weitergegeben werden können. Highlights sind die Schaubilder des Bindungsbaums und der Trosttankstelle.

Andere Materialien

Und zu jeder guten Eingewöhnung gehört natürlich auch die Portfolioarbeit. In diesem Rahmen hat Sandra Warsewicz von der Werkstatt der Guten Gedanken sehr schöne Vorlagen entwickelt. s lohnt sich da mal durch ihre Seite zu stöbern.

Soweit dieses Mal, ein paar Tipps und Empfehlungen rund um die Eingewöhnung. Bleib gesund und pass gut auf Dich auf. Das Gute ist, irgendwann geht auch diese Zeit vorbei und dann bist Du gut auf die Zeit “danach” vorbereitet.

Deine Anja

Wenn die neuen Kinder und Eltern kommen…

In den vergangenen Tagen wurde ich bei meinen Seminaren und Supervisionen gefragt, wie die Eingewöhnung der neuen Kinder im Sommer und Herbst aussehen kann. Im Dialog mit Fachkräften begegnen mir diesbezüglich viele Unsicherheiten, wie die bestehenden Konzepte zur Eingewöhnung unter Berücksichtigung der Hygiene- und Abstandsregeln umzusetzbar sind.

Gemeinsam mit Fachkräften habe ich hierzu verschiedene Überlegungen mit Fokus auf das jeweilige Eingewöhnungsmodell zusammengetragen.

Das Berliner Eingewöhnungsmodell eröffnet demnach folgende Varianten:

  • Die Eingewöhnung findet gemäß des eigentlichen Berliner Eingewöhnungsmodells mit einem Elternteil, dem Kind und einer Pädagogischen Fachkraft in einem seperaten Raum, getrennt von der Gruppe statt. Erst wenn das Kind die Pädagogische Fachkraft als Bezugsperson akzeptiert hat, gehen Kind und Pädagogische Fackraft zu den anderen Kindern der Gruppe. Hier kommen die Eltern nicht mit den anderen Kindern in Kontakt. Diese Variante ist jedoch personalintensiv.
  • Ein Elternteil und ein Kind kommen zu einer vereinbarten Zeit in die Gruppe. Gemeinsam gehen Eltern, Kind und Pädagogische Fachkraft Hände waschen. Das Elternteil bekommt einen festen Platz in einer Elternecke, die für die anderen Kinder möglichst tabu ist. Eltern und pädagogische Fachkraft wahren den Abstand, so dass weitestgehend auf den Mund-Nasenschutz verzichtet werden kann. Alternativ tragen beide ein Visir, so dass das Kind sich an der Mimik von Eltern und Pädagogischer Fachkraft orientieren kann. Wenn die Eltern während des Trennungsversuchs den Gruppenraum verlassen und in einen anderen dafür vorgesehenen Raum wechseln, muss auf den Mund-Nasenschutz geachtet werden.

Beim Münchner Modell steht im Unterschied zum Berliner Eingewöhnungsmodell dem neuen Kind mit seinem Elternteil ein längerer Zeitraum zur Verfügung, um am Tagesablauf der Gruppe teilzunehmen und die Kita zu erkunden. Das bedeutet mit Blick auf die Hygiene- und Abstandsregeln, dass der Zeitraum, in dem die Eltern sich und andere einem erhöhtem Infektionsrisiko aussetzen höher ist. Es bedarf klarer Absprachen bezüglich des Umgangs mit dem Mund- und Nasenschutz oder dem alternativen Einsatz eines Visirs. Die Erkundung des Tagesablaufs und der Einrichtung begrenzt sich auf das Geschehen in der Gruppe und im Außengelände, da eine Durchmischung mit anderen Gruppen unerwünscht ist.

Bei der Eingewöhnung in der Peer-Group werden 3- 5 Kinder in Begleitung ihrer Eltern gleichzeitig eingewöhnt. In der Regel sind 2 Eingewöhnungspädagoginnen für die Eingewöhnung zuständig. Normalerweise wird für die Eltern eine Elternecke eingerichtet, in der die Eltern miteinander in Kontakt kommen können. Auch hier bieten sich verschiedene Varianten:

  • Die Eltern sitzen in angemessenem Abstand zueinander im Raum verteilt und können so auf den Mund-Nasenschutz verzichten.
  • Die Eltern tragen ein Visir, um in der Elternecke miteinander ins Gespräch kommen zu können und den Abstand nicht ständig einhalten zu müssen.

Erst wenn die neu gebildete Kindergruppe sich von den Eltern gelöst hat, kommen diese Kinder mit den anderen Kindern der Gruppe in Kontakt. Die Eltern haben so keinen Kontakt mit den anderen Kindern.

Bei gutem Wetter kann ein Teil der Eingewöhnung in Absprache mit den anderen Gruppen nach draußen verlegt werden, um das Infektionsrisiko zusätzlich zu minimieren.

Da glücklicherweise mittlerweile das Betretungsverbot für Eltern aufgehoben ist, kann mit ein paar Anpassungen auch weiterhin eine kindgerechte Eingewöhnung stattfinden. Wichtig ist, dass unabhängig vom jeweiligen Modell die Eingewöhnung elternbegleitet, bezugspersonenorientiert und abschiedsbewusst durchgeführt wird. Zusätzlich brauchen Kinder eine klare Mimik der Eltern und Pädagogischen Fachkräfte, um sich in dieser neuen Situation orientieren zu können, deswegen bieten m.E. Visire während der Eingewöhnung eine gute Alternative.

Und vergesst bei allen Abstands- und Hygieneregeln nicht, Abschiedsrituale mit den Kindern zu entwickeln und Übergangsobjekte zur Unterstützung zu erlauben. Vielleicht besteht ja die Möglichkeit einen Gegenstand wie z.B. Schnuller, Kuscheltier, Schmusetuch o.ä. In der Kita zu deponieren, der dort auf das Kind wartet, um ihm eine Brücke in die Gruppe zu bauen und nach Bedarf als Tröster zur Verfügung zu steht. Oder Ihr gestaltet mit den Eltern ein ICH-Buch, auf das das Kind dann immer wieder zurückgreifen kann, wenn es traurig ist.

Wenn Ihr Eure Eingewöhnung generell gerne überprüfen und überarbeiten möchtet, dann könnt Ihr Euch hier kostenlos und unverbindlich meine “5 Tipps zur Gestalltung einer Eingewöhnung” holen. Dort bekommt Ihr viele zusätzliche Anregungen für die Vorbereitung der Eingewöhnung im Team, der Zusammenarbeit mit den Eltern und der Einbeziehung der Peer Group in die Eingewöhnung.

Ich wünsche Euch einen guten Start mit den neuen Kindern und Eltern

Eure Anja

P.S. Ich gehe jetzt für die nächsten 4 Wochen mit meinem Blog in die Sommerpause. Im August melde ich mich mit neuen Themen wieder. Dann stehe ich auch wieder für Seminare, Webinare, Coachings und Supervisionen zur Verfügung. Ich wünsche Euch eine schöne Sommerzeit.

Falls Ihr mit Euren Kindern eine Zeitkapsel gestaltet habt oder gestalten werdet. Denkt daran mir die Fotos zu schicken, damit ich sie hier im Block veröffentlichen kann: anjacantzler@t-online.de

Die Eingewöhnung – Verschiedene Modelle, ein Ziel

In dem heutigen Beitrag bekommt Ihr von mir einen kurzen Überblick über die verschiedenen Eingewöhnungsmodelle. Diese Übersicht ist hilfreich, wenn Ihr mit Eurem Team entweder auf der Suche nach einem für Euch geeignetem Konzept für die Eingewöhnung seid oder Ihr Euer bestehendes Konzept im Vergleich zu anderen überprüfen möchtet. Im Anschluss an diesen Beitrag findet Ihr als Ergänzung “5 Tipps zur Gestaltung einer erfolgreichen Eingewöhnung”, die Ihr bei mir anfordern könnt. Diese 5 Tipps unterstützen Euch bei der Erarbeitung und Überprüfung Eures Eingewöhnungskonzeptes.

Ein Blick in die Vergangenheit

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich als Referentin mit dem Thema Bindung und Eingewöhnung. In meinem Berufspraktikum vor gut 30 Jahren war es durchaus üblich, dass die Kinder den Übergang von Familie zu Kita ohne Begleitung der Eltern bewältigen mussten. Das war für alle Beteiligten sehr anstrengend. Ich empfand es schon damals als wenig kindgerecht und spürte, wie viele Kinder unter dieser abrupten Trennung litten. Obwohl das Berliner Eingewöhnungskonzept bereits vereinzelt in Krippen praktiziert wurde, etabliert sich die elternbegleitete Eingewöhnung erst mit dem Ausbau der Betreuung für die Kinder im Alter von 0 – 3 Jahren. Heute gilt die Elternbegleitung als wesentliches Qualitätsmerkmal für die Gestaltung von Eingewöhnung.

Verschiedene Modelle entstehen

Mittlerweilen wurden 5 verschiedene Modelle aus den verschiedensten wissenschaftlichen und praxisorientierten Ansätzen heraus entwickelt.

Berliner Eingewöhnungsmodell:

  • Ausgangspunkt: die Bindungstheorie
  • Ablauf: strukturiert und verbindlich mit aufeinander aufbauenden Phasen – Kennenlernphase, erster Trennungsversuch nach drei Tagen, Stabilisierungsphase
  • zentraler Aspekt: Beziehungsaufbau von Kind und Pädagogischer Fachkraft
  • Bild vom Kind: das Kind hat ein zentrales Bindungsbedürfnis, es braucht die Begleitung verlässlicher Bindungs- und Bezugspersonen

Münchner Eingewöhnungsmodell:

  • Ausgangspunkt: Erkenntnisse der Transitionsforschung
  • Ablauf: Schnupperwoche mit den Eltern, in der es die verschiedenen Bezugspersonen kennen lernen kann und erste Trennung nach frühestens 6 Tagen
  • Bild vom Kind: das kompetente Kind ist fähig, Übergänge zu bewältigen, wenn es hierbei durch die ihm vertrauten Personen Unterstützung bekommt, es ist in der Lage Beziehungen zu mehreren Personen aufbauen

Eingewöhnungsmodell nach Kuno Beller

  • Ausgangspunkt: psychologische Sichtweise auf den Umgang mit Veränderungen
  • zentraler Aspekt: die durch Eltern und Pädagogischer Fachkraft begleitete langsam stattfindende Veränderung erlaubt es dem Kind, sich aktiv mit der neuen Situation auseinanderzusetzen
  • Bild vom Kind: ein Kind braucht Zeit, seinen negativen Gefühlen und seinem Schmerz Ausdruck zu verleihen, die zu diesem Trennungs- und Trauerprozess dazu gehören

Sanfte Eingewöhnung nach Reggio

  • Ausgangspunkt: das kompetente Kind mit vielen Ressourcen und Fähigkeiten
  • Ablauf: den Übergang meistert das Kind in seinem eigenen Tempo mit Begleitung einfühlsamer und wertschätzender Erwachsener
  • zentrale Aspekte: der Raum wird als “dritter Erzieher” genutzt, der dem Kind Geborgenheit und Anregung bietet, Vertrauen und Zeit
  • Bild vom Kind: selbsttätiges und kompetentes Kind, das Akteur seiner eigenen Entwicklung ist

Eingewöhnung in der Peer-Group

  • Ausgangspunkt: Erkenntnisse der Peer-Group Forschung
  • Ablauf: die Eingewöhnung findet gleichzeitig mit drei bis fünf Kindern, ihren Eltern und zwei Pädagogischen Fachkräften statt, Trennung von den Eltern erfolgt individuell und nach Absprache
  • zentrale Aspekte: die Einbeziehung von Raumgestaltung und Spielmaterial
  • Bild vom Kind: das Kind als soziales Wesen, das das Miteinander mit Gleichaltrigen zu seiner Entwicklung braucht
Die Gemeinsamkeiten

Alle Modelle haben im wesentlichen drei Gemeinsamkeiten, die eine gute Eingewöhnung ausmachen: die Kinder werden durch ihre Eltern begleitet, es gibt pädagogische Fachkräfte als Ansprechpartner*innen und der Abschied wird bewusst gestaltet. Ein wesentliches Ziel aller Modelle besteht darin, dass das Kind durch die Eingewöhnung eine größtmögliche Sicherheit bekommt und dadurch angstfrei mit den anderen Kindern spielen und lernen kann.

Jedes Modell für sich hat seine Chancen und auch Grenzen. Erfahrungsgemäß arbeiten die meisten von Euch entweder mit dem Berliner- oder mit dem Münchner Modell. Anstatt ein Modell unreflektiert zu übernehmen, schaut lieber auf das, was Ihr mit der Eingewöhnung erreichen wollt und wie Ihr diese im Einzelnen umsetzt. Daher empfehle ich, dass Ihr auch in Eurer Konzeption konkret beschreibt, wie Ihr die Eingewöhnung gestaltet.

Ich wünsche Euch einen guten Start mit den neuen Kindern und Familien!

Eure Anja

Hier noch ein paar ergänzende Anregungen zum Thema “Eingewöhnung”:

Am 23.01.2021 findet ein Webinar zum Thema Eingewöhnung in der Peer-Group in Kooperation mit Haus Neuland statt. Hier lernt Ihr ein alternatives Eingewöhnungsmodell kennen, das insbesondere die sozialen Beziehungen und die Interaktionen der Kinder in den Mittelpunkt stellt.

Kennt Ihr schon mein Buch: Eingewöhnung von Kita-Kindern, Cornelsen Verlag. Dort habe ich mich mit vielen Themen rund um die Eingewöhnung beschäftigt, die im Besonderen für die Zusammenarbeit mit den Eltern wertvoll und hilfreich sind. Das Buch ist im Buchhandel erhältlich.
Im Blog von Tanja Köster findest Du einen Podcast mit einem Interview mit mir zum Thema: Eingewöhnung in der Peer-Group