von Anja Cantzler | 22.09.2020 | Bindung und Eingewöhnung
In meinem vorherigen Beitrag „Abschied ohne Tränen?“ habe ich mich mit dem Abschied aus der Sicht der Kinder und was Du als pädagogische Fachkraft bei der Eingewöhnung zur Unterstützung der Kinder beitragen kannst, beschäftigt.
Befindlichkeiten der Eltern
Wie geht es auf der anderen Seite den Eltern während der Eingewöhnung? Ähnlich der Bandbreite an Befindlichkeiten und Reaktionen der Kinder reagieren auch die Eltern ganz unterschiedlich. Es gibt Eltern:
- die ganz beherzt und zuversichtlich sich von Ihrem Kind verabschieden und darauf vertrauen, dass es ihrem Kind gut in der Kita gehen wird
- die versuchen, sich klammheimlich zu verdrücken, während das Kind spielt, um einen schmerzhaften Abschied zu vermeiden
- die dreimal wieder zurückkehren, um sich zu verabschieden und eigentlich lieber da bleiben wollen
- die sich selbst nur unter Tränen von ihrem Kind lösen können
- die sich im Zwiespalt befinden, weil sie einerseits dem Kind Zeit geben wollen gleichzeitig aber versuchen den Ablöseprozess zu forcieren
- die unter Druck geraten, weil es bei allen anderen Kindern schon so gut klappt und deswegen fragen, ob ihr Kind den überhaupt schon reif für eine Kindertagesbetreuung ist
- die einfach nicht die Kurve bekommen und eine Trennung von sich aus immerweiter herauszögern
Ich denke Du kannst aus Deiner eigenen Erfahrung diese Liste noch beliebig erweitern. Und möglicherweise hast Du bei dem ein oder anderen Elternteil auch schon einmal gedacht: „Mein Gott, Ihr Kind könnte schon längst gut eingewöhnt sein, wenn Sie nicht so einen Heckmeck daraus machen würden.“ Zugegebenermaßen ist mir dieser Gedanke aus meiner früheren Praxis nicht ganz fremd. Um die Eltern in ihren Befindlichkeiten besser zu verstehen, lohnt sich an dieser Stelle ein Perspektivwechsel.
Das Prinzip des Guten Grundes
In meinem Blogbeitrag über das „Prinzip des Guten Grundes“ habe ich beschrieben, dass jedes Verhalten eines Menschen auf seine individuellen Erlebnisse und Erfahrungen zurückführbar ist. Übertragen auf die oben beschriebenen Eltern ließen sich daher folgende Hypothesen aufstellen:
Die Eltern verhalten sich so, weil
- sie bereits viele gute Erfahrungen gemacht haben, dass ihr Kind in fremden Situationen gut zurecht kommt
- sie sich und ihrem Kind, den Trennungsschmerz ersparen möchten, da sonst bei ihnen ein schlechtes Gewissen aufkommt, ihr Kind schon so früh in den Kindergarten zu geben
- sie befürchten, dass ihr Kind sie vielleicht weniger lieb hat, wenn sie nicht verlässlich für das Kind da sind
- sie sich als schlechte Eltern fühlen, weil sie die Betreuung aus der Hand geben
- sie sich Sorgen machen, dass sie ihr Kind nicht vor möglichen Gefahren schützen können
- sie selbst unter Druck stehen, weil der Arbeitsstart immer näher rückt
- sie verunsichert sind, ob das Kind überhaupt schon so weit ist, den Herausforderungen in der Kindertagesbetreuung gewachsen zu sein.
Wenn Du einmal genau hinschaust, wirst Du in Deiner jetzigen Elternschaft den ein oder anderen Hintergrund bestimmt wiedererkennen. Als Elternberaterin erfahre ich manchmal noch viel tiefgehendere Hintergründe. So ist mir beispielsweise eine Mutter begegnet, die vorher schon 3 Totgeburten hatte, bevor ihr Wunschkind endlich gesund zur Welt kam. In einer anderen Familie erlitt der 7 Wochen alte Sohn einen Atemstillstand. In beiden Fällen gestaltete sich die Eingewöhnung zunächst eher schwierig. Beide Mütter kreisten um die jeweiligen Kinder und hatten oftmals die Hand schon unter dem Popo, bevor das Kind überhaupt hinfallen und sich weh tun konnte.
Mit Verständnis gemeinsam Lösungen entwickeln
Beiden Müttern half schließlich ein vertrauensvolles Gespräch, in dem sie sich mit ihrer Geschichte öffnen und ihre Bedenken aussprechen konnten. In beiden Fällen haben wir gemeinsam Möglichkeiten entwickelt, dass sie ersteinmal länger ihre Kinder begleiteten und so die Pädagogischen Fachkräfte und ihren Arbeitsstil näher kennenlernen konnten. Dann wurde ein Schritt für Schritt Plan erarbeitet, bei dem auch vereinbart wurde, dass die jeweiligen Elternteile über Telefon und Bilddokumentation auf dem laufenden gehalten wurden, wie ihr Kind sich Tag für Tag weiterentwickelt. Eine der Mütter beschloss aufgrund der intensiven Gespräch, sich in eine Therapie zu begeben. Sie äußerte in diesem Zusammenhang: „Vielen Dank. Ich habe verstanden, dass nicht mein Kind ein Problem hat, hier zu sein. Ich habe das Problem damit und dass hat wiederum nichts mit dem Kindergarten zu tun.“ Von dem Tag an, durfte sich das Kind im Kindergarten wohlfühlen. Der intensive Dialog mit der Mutter bestand über die ganze Kindergartenzeit.
Einmal abgesehen von diesen sehr extremen Erfahrungen, ist die Eingewöhnung ein große Herausforderung für Kinder und Eltern, die mit viel Verunsicherung einher geh. Oftmals war bisher in erste Linie die Kernfamilie für das Kind verantwortlich und ehe man sich versieht, wagt es die ersten Schritte in die große weite Welt. Für viele Eltern ist das komplett neu. Viele Fragen, die ich im Blogbeitrag: „Die stillen Fragen des Anfangs“ benannt habe, gehen den Eltern durch den Kopf und stehen oft unausgesprochen im Raum. Sie brauchen ähnlich wie ihre Kinder ersteinmal Zeit, alles näher kennenzulernen und sich mit der Umgebung vertraut zu machen, in der sie ihr Kind zurück lassen.
Jeder Abschied ist auch ein Stück Trauerarbeit
Für das bessere Verständnis dieser Prozesse empfehle ich Dir, Dich mit Modellen wie die „Räume der Veränderung“ von M. Pohl und die „Veränderungskurve“ nach Kübler-Ross zu beschäftigen. Zum einem ist die Trennung in der Eingewöhnung für viele Eltern wie ein Trauerprozess (s. Veränderungskurve), zu dem das tiefe Tal der Tränen unumgänglich dazugehört. Zum anderen durchlaufen Eltern in den meisten Fällen bestimmte Phasen, um schließlich in der Neuorientierung (s. Räume der Veränderung) anzukommen, dass ihr Familienkind nun auch ein Tagespflege-, Krippen- oder Kindergartenkind ist. Zu diesen Phasen gehört auch, an den eigenen Entscheidungen zu zweifeln, in Ablehnung zu gehen und manchmal einfach nicht zu wissen, wie es geht.
Du kannst Eltern in diesen Situationen am besten weiterhelfen, wenn Du ihnen mit viel Verständnis und Einfühlungsvermögen begegnest und mit ihnen gemeinsam Wege entwickelst, wie die Ablösung schließlich gelingen kann und sie mit einem guten Gefühl gehen können. Keiner dieser Eltern möchte Dich bewusst ärgern oder Deine Kompetenzen in Frage stellen. Ihr Verhalten ist in der Regel in ihren eigenen Befindlichkeiten begründet. Ähnlich wie die Kinder eine Begleitung und Unterstützung brauchen, um den Übergang von der Familie in die Kindertagesbetreuung zu schaffen, brauchen einige Eltern ähnlich Begleitung und Unterstützung für diesen Übergang. Während meiner Zeit als Pädagogische Fachkraft habe ich manch weinende Mutter an die Tür oder zum Auto begleitet, noch ein paar beruhigende Worte gesprochen und sie gebeten anzurufen, sobald sie zu Hause ist. Meistens konnte ich dann berichten, dass es ihren Kind gut geht und es mit den anderen Kindern spielt. Dies haben wir möglichst mit Bildern aus unserem Alltag mit dem Kind untermauert, die wir dann zeigen konnten.
So wie der Eingewöhnungsprozess für die Kinder ein wesentlicher Grundstein für die weiteren Bildungsprozesse ist, ist der gelungene Beziehungsaufbau zu den Eltern in den ersten Tagen eine wichtige Basis für die Erziehungs- und Bildungspartnerschaft.
Ich wünsche Dir einen gelingenden Start mit Eltern und Kindern
Deine Anja
Buchtipp:
Cantzler, Anja: Die kleinen Hefte / Eingewöhnung von Kita-Kindern: Die schnelle Hilfe!. Ratgeber
ISBN-10 : 3834651656 ISBN-13 : 978-3834651655 Herausgeber : Cornelsen bei Verlag an der Ruhr GmbH (1. Februar 2018)
Auch als Hörbuch bei cc live erhältlich:
ISBN 978-3-95616-368-5
von Anja Cantzler | 8.09.2020 | Bindung und Eingewöhnung
Die meisten Krippen, Kitas und Kindertagespflegestellen sind gerade mitten in der Eingewöhnungszeit. Wie in dem Blogbeitrag: „Viele Modelle- ein Ziel“ bereits beschrieben, wird in den verschiedenen Einrichtungen mit unterschiedlichen Ansätzen eingewöhnt. Alle Eingewöhnungsmodelle haben folgende Ziele: „das Kind soll sich in der Betreuung emotinal wohlfühlen, gerne kommen und die Pädagogischen Fachkräfte als stressregulierende Bezugspersonen annehmen.“
Doch bis Du mit dem einzelnen Kind dort hinkommst, liegt ein langer und oftmals auch tränenreicher Weg vor Dir, dem Kind und seinen Eltern. Mal Hand aufs Herz, wünscht du Dir in diesen Tagen auch manchmal insgeheim, dass die Eingewöhnungszeit dieses Mal ohne Tränen abläuft? Ein Jahr, dass alle Kinder von Anfang an gerne kommen und nicht weinen müssen? Doch aus Erfahrung weißt, dass dies nicht so sein wird.
Deswegen möchte ich in diesem Blogbeitrag zum einen klären, warum Tränen so wichtig für die Kinder sind und wie Du damit kind- und bedürfnisorientiert umgehen kannst. Zum anderen möchte ich Dich auf die möglichen Fehlanzeichen aufmerksam machen, an denen pädagogische Fachkräfte oftmals fälschlicherweise festmachen, dass die Eingewöhnung für das Kind bereits abgeschlossen ist.
Die Bedeutung der Tränen
Durch das Weinen drücken die Kinder ihre Trauer über die Abwesenheit der Eltern aus. Sie sind Ausdruck des emotionalen Befindens und kindlichen Bedürfnisse. Für viele Eltern ist das sehr schmerzhaft, wenn ihr Kind weint und sie versuchen, diese Tränen zu vermeiden. Wichtig ist, dass Du mit den Eltern über die positive Bedeutsamkeit der Tränen sprichst. Es ist wünschenswert, dass ein Kind in der Lage ist seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Ich vermittel daher den Eltern immer auf Elternabenden und in Elternberatungen, dass dies ein ganz natürliches und gesundes Verhalten des Kindes ist und dass das Kind ein Recht auf seine Trauer hat.
Die Eingewöhnung stellt große Herausforderungen an das Kind und sind daher für die Kinder mit einem erhöhten Stresspegel verbunden. Die Tränen unterstützen das Kind während des Eingewöhnungsprozesses, Anspannung und Stress abzubauen.
Tränen gehören also durchaus zu einer gelingenden Eingewöhnung. Es geht nicht darum sie zu vermeiden oder zu unterdrücken, es geht vielmehr darum, diese Tränen gemeinsam mit den Eltern achtsam und feinfühlig zu begleiten.
Die Dont’s im Umgang mit Tränen
Bitte vermeide deswegen dem Kind gegenüber Sätze wie:
- „Du musst nicht traurig sein“ – damit verleugnest Du das Gefühl des Kindes. Das Kind ist in diesem Augenblick jedoch sehr traurig und fühlt diese Emotion. Besser wäre, ihm für seine Trauer Worte zu geben: „Du bist jetzt sehr traurig, dass Mama gegangen ist.“
- „Schau mal was ich hier habe…“ – wird gerne als Ablenkungsmanöver genutzt. Auch das ist nicht sehr ratsam, da das Kind indirekt die Botschaft erhält, dass seine Gefühle nicht wichtig sind. Es soll die bestehenden Gefühle zurückstellen und unterdrücken. Es erhält keine Chance die eigenen Emotionen zu regulieren, was wiederum ein wichtiger Meilenstein in der emotionalen Entwicklung und der Resillienzförderung ist.
- „Nimm deinen Schnuller, trink oder iss etwas…“ – damit lernt das Kind fälschlicherweise heftige Emotionen mit Hilfe von Essen und Trinken zu kompensieren. Dieses Verhalten kann den ersten Grundstein für ein gestörtes Essverhalten und Süchte legen.
Tränen achtsam begleiten
Was kannst Du also tun, um ein Kind achtam und feinfühlig durch die Eingewöhnungszeit zu begleiten?
- Signalisiere dem Kind Verständnis für seine Trauer, sag ihm: „Ich verstehe, dass Du traurig bist!“
- Vermittel dem Kind, dass Du ihm vertraust, dass es früher oder später diesen Entwicklungsschritt schaffen wird.
- Gib dem Kind Worte für seine Gefühle. Damit zeigst Du ihm, dass Du diese Gefühle wahrnimmst und diese Gefühle sein dürfen.
- Sprich mit dem Kind über seine Gefühle.
- Vermeide dem Kind gegenüber Bedauern über seine Trauer zu äußern. Es geht in erster Linie um Mitgefühl und nicht um Mitleid.
- Selbsreflexion als Basis für Empathie
Selbsreflexion als Basis für Empathie
Überprüf Deine eigenen Gefühle und Haltung bezüglich der Eingewöhnung. Gerade wenn die Kinder noch sehr jung sind, solltest Du Dich reflektieren, inwieweit Du es als richtig und wichtig empfindest, dass dieses Kind schon in einer Kindertagesbetreuung betreut wird. Kannst Du die Entscheidung der Eltern wertfrei stehen lassen? Oder bist Du der Meinung, dass das Kind zu Hause viel besser aufgehoben wäre?
Deine eigene Haltung überträgt sich auch immer auf Dein pädagogisches Handeln. Bist Du der Überzeugung, dass das Kind zu Hause besser aufgehoben wäre, dann wirst Du die Tränen des Kindes vermutlich unter diesem Blickwinkel betrachten. In diesem Fall ist der Schritt vom Mitgefühl zum Mitleid für das Kind nur noch ein ganz kleiner. Unbewusst läufst Du Gefahr, dem Kind mit dieser Haltung den Einstieg zu erschweren. Nicht nur Eltern, denen es schwer fällt loszulassen, übertragen ihre Gefühle auf das Kind. Auch Du als pädagogische Fachkraft sendest nonverbal Haltung und damit verbundene Erwartungen an das Kind.
Bis du also der Überzeugung, dass das Kind bei Dir gut aufgehoben ist und dass es diese Herausforderung aktiv und kompetent meistern wird, wirst Du mit den Tränen des Kindes ganz anders umgehen können und das Kind wird sich gemäß dieser Erwartungen anders verhalten.
Mögliche Fehlinterpretationen im Eingewöhnungsprozess
So unterschiedlich die Kinder und Familien sind, so unterschiedlich verlaufen die verschiedenen Eingewöhnungsprozesse. In Deiner Praxis begegnen Dir neben den weinenden Kindern einzelne, bei denen tatsächlich keine Tränen auftreten oder die Tränen sehr schnell verschwunden sind. In diesen Fällen besteht dann die Gefahr der Fehleinschätzung, dass das Kind bereits gut angekommen und damit die Eingewöhnung abgeschlossen ist.
Hier ein paar Beispiele:
- ein Kind spielt ununterbrochen und begibt sich neugierig auf Entdeckungstour. Es ist sehr beschäftigt mit dem neuen Raum, den neuen Spielmaterial und den neuen Kindern. Durch den Reiz des Neuen bleibt ihm zunächst keine Zeit für Trauergefühle. Es trennt sich gut und unproblematisch von den Eltern. Der Einbruch kommt dann oftmals nach 6-8 Wochen, wenn der Reiz des Neuen aufgebraucht ist. Jetzt tritt erstmals Langeweile auf und die Trauer um die Eltern setzt ein. Das Kind wird traurig, weinerlich und manchmal auch aggressiv. Es zeigt jetzt seine Emotionen in voller Bandbreite. Trau dich die Eltern zu bitten, vorübergehend einen Moment länger zu bleiben und die Traurigkeit des Kindes entsprechend zu begleiten.
- Kinder, die von der Persönlichkeit her offen, zugänglich und kommunikativ sind, werden manchmal überfordert und verschätzt. Durch ihre fröhliche und aufgeschlossene Art wird die Vermutung aufgestellt, dass die Eingewöhnung ganz schnell und unkompliziert stattfinden wird. Dadurch wird der Eingewöhnungsprozess dann gerne verkürzt, was bei manchen dieser Kinder dazu führt, dass sie dann bei längerer Abwesenheit der Eltern auf einmal viel gehemmter und zurückhaltender werden. Lass Dich also nicht von einem solchen Verhalten auf die falsche Fährte führen. Der Gradmesser ist immer das beobachtbare Spielverhalten, sobald die Eltern länger abwesend sind.
- bei einem anderen Kind, dass zunächst unbekümmer mit der neuen Situation umgeht und dadurch die Trennung von den Eltern vorzeitig herbeigeführt wird, kann die Trauerphase auch erst zeitverzögert einsetzen. Ähnlich der Veränderungskurve nach Kübler-Ross, kommt das Kind nach dem ersten Schock und der Verdrängung der Realität in das Tal der Tränen. Auch hier darfst Du den Mut haben, die Eltern noch einmal zurück und den verpassten Loslösungsprozess nachzuholen.
- eine weitere typische Situation ist, wenn ein Kind bei der Verabschiedung zwar weint, sich dann schnell wieder beruhigt, sobald die Eltern weg sind. In diesem Fall solltest Du das Kind gut beobachten, ob es dann wirklich fröhlich spielen geht. Manche Kinder legen dann ein lethargisches Verhalten an den Tag, haben permanent gerötete Augen, jammern still vor sich hin, werden anhänglich oder zeigen vielfältige Krankheitssymptome. Das alles sind ernstzunehmende Stresssymptome. In einem solchen Fall sind, wenn möglich die Eltern wieder mit ins Boot zu holen. Trau Dich, zum Wohle des Kindes mit Eltern zu besprechen, was möglich ist oder ob es eine andere Bindungsperson gibt, die das Kind noch begleiten kann. Ist dies seitens der Eltern nicht machbar, dann brauchen diese Kinder Dich als verlässliche Bezugsperson, die bereit ist, dem Kind viel Nähe und möglichst auch Körperkontakt anzubieten.
- schließlich gibt es auch noch die Kinder, die vermeiden ihre negativen Gefühle in einer Trennungssituation zu zeigen. Sie reagieren nicht, wenn die Eltern gehen und sie zeigen auch keine freudige Raktion, wenn die Eltern wiederkommen. Während der Abwesenheit der Eltern nehmen sie selten Kontakt zu den pädagogischen Fachkräften auf. Auch wenn sie in der Eingewöhnung recht unbeeindruckt wirken, stehen diese Kinder unter einem sehr hohen Stresspegel. Sie bedürfen der besonderen Aufmerksamkeit und Ansprache, da sie erst lernen müssen, dass jemand ihre Gefühle wahr und ernst nimmt. Begleite die Kinder sprachlich. Benenne ihre Gefühle und signalisiere, dass Du für sie da bist.
Soweit die vielen kleinen Nuancen, die im Eingewöhnungsprozess zu beachten sind. Selbstverständlich gibt es auch Kinder, die ganz unkompliziert und schnell in der Kindertagesbetreuung ankommen. Kinder, die ihren Eltern beispielsweise vermitteln, dass das ein Kinder- und kein Elterngarten ist. Dies zeugt von positiven Vorerfahrungen mit der Trennung von den Eltern. Andere kulturelle Wurzeln und Kontexten, in denen nicht der Erwachsene die Bindungsperson Nr.1 für das Kind ist, sondern andere Kinder diese Rolle übernehmen, kann andererseits dafür ursächlich sein, dass diese Kinder schnell Anschluss an die Kindergruppe finden und sich wohl fühlen. Die Peer Group gibt dem Kind viel Halt und Sicherheit. (vgl. Kultursensitive Pädagogik nach Heidi Keller).
Die Bedeutsamkeit der PeerGroup
Aus der besonderen Bedeutung und Wirkung der Kindergemeinschaft für den Eingewöhnungsprozess hat sich die Eingewöhnung in der Peer Group entwickelt. Die Kinder unterstützen sich in dieser herausfordernden Situation gegenseitig und erfahren, dass sie mit ihren Gefühlen nicht alleine sind. Sie lernen von und miteinander diese Übergangssituation zu meistern. Ein interessantes Modell, auf das ich zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal genauer eingehen werde.
Ich wünsche Dir noch eine gute und gelingende Eingewöhnungszeit- je nach Kind und Familie mit und ohne Tränen
Deine Anja
Ein Fortbildungstipp
Safe the Date! – Wenn Du mehr über die Eingewöhnung in der Peer Group erfahren willst. Am Samstag, 23.01.2021 von 9.30-12.00 Uhr biete ich wieder in Kooperation mit Haus Neuland eine Online- Seminar hierzu an.
von Anja Cantzler | 25.08.2020 | Team
In einem bekannten Lied heißt es so schön, „Januar, Februar, März, April – die Jahresuhr steht niemals still“ und endet mit der Liedzeile „und dann fängt das Ganze von vorne an“. Ähnlich verhält es sich mit der Teamuhr n. B. Tuckman, die ich Dir in diesem Beitrag vorstellen möchte.
Jetzt zu Beginn des Kindergartenjahres gibt es in den Teams oftmals verschiedene Veränderungen:
- eine Kolleg*innen hat zum Sommer das Team verlassen, weil sie in Rente gegangen ist
- eine neue Leitung übernimmt die Leitungsaufgabe
- neue Kolleg*innen kommen ins Team
- ein*e Kolleg*in kehrt aus der Elternzeit zurück
- es gibt interne personelle Wechsel
Und damit befindet sich das Team automatisch wieder in der Teamfindung und Teamentwicklung. Eine solche Teamentwicklung durchläuft i.d.R. 4 bzw 5 Phasen:
1. Die Orientierungsphase
In dieser Phase lernen sich die Teammitglieder erst einmal näher kennen. Der Umgang ist durch Unsicherheit, Höflichkeit, vorsichtigem Beobachten und gegenseitigem Abtasten geprägt . Jede*r versucht heraus zu finden, wer und wie der* die andere ist. Klare Ziele und genaue Prozesse wurden noch nicht miteinander geklärt.
Hilfreich ist es, wenn in dieser Phase die Leitung dafür sorgt, dass sich die neuen Teammitglieder willkommen fühlen. Sie sollte alle Mitarbeiter*innen gleichermaßen informierten klare Aufgabenstellungen vorgeben und Regeln deutlich definieren.
Für das Ankommen der neuen Mitarbeiter*innen ist ein Einarbeitungskonzept sehr hilfeich, bei dem ein*e feste*r Ansprechpartner*in festgelegt, ein Einarbeitungsplan aufgestellt, Reflektionsgespräche eingeplant und die wichtigsten Informationen zusammengestellt werden. Sehr wertschätzend ist auch eine gewisse Begrüßungskultur. So haben In meinem früheren Team neuen Mitarbeiter*innen zur Begrüßung einen Blumenstrauß in der ersten Teamsitzung überreicht bekommen. Damit haben wir unsere Freude über das neue Teammitglied zu Ausdruck gebracht.
2. Die (Nah-)kampfphase
Hier kommen sich die Teammitglieder näher – sowohl positiv als auch negativ. Der * die Einzelne merkt, mit wem die „Chemie stimmt“ und mit wem nicht. Je nach Größe des Teams bilden sich in dieser Phase Subgruppen und es können unterschwellige Konflikte und Spannungen entstehen. Manchmal kommt es zu Konkurrenz untereinander. Einzelne Kolleg*innen werden in ihrem Handeln abgelehnt oder in Frage gestellt. Es wird sich an Problemen orientiert, die oftmals nicht sachlich gelöst sondern auf einer persönlichen Ebene ausgetragen werden.
In dieser Phase ist die Leitung besonders gefragt und gefordert. Sie hat die Aufgabe, konkrete und erreichbare Ziele und Aufgaben aufzuzeigen und dafür Sorge zu tragen, dass jede*r mit seinen*ihren Stärken und Ressourcen sich angemessen einbringen kann. Sie ist Schlichter und Antreiber zugleich. Sie sorgt im besten Fall für eine offene Diskussionsatmosphäre, in der Konflikte besprochen werden können und sich jede*r mit seiner*ihrer Meinung einbringen kann. Wichtig ist, dass die pädagogische Arbeit mit Kindern und Eltern das Zentrum der gemeinsamen Zusammenarbeit bleibt.
Sollte in dieser Phase unüberwindbare Konflikte zwischen einzelnen Teammitgliedern entstehen, denen sich die Leitung alleine nicht gewachsen fühlt oder wird sie in dieser Phase selbst als Person abgelehnt oder in Frage gestellt, bedarf es einer externen Unterstützung durch Fachberatung oder Supervision.
Diese Phase wird oftmals als recht beschwerlich und anstrengend erlebt. Gleichzeitig ist sie notwendig und wichtig, damit das Team in die nächste wichtige Phase gelangen kann.
3. Die Integrationsphase
In der Integrationsphase bilden sich die konkreten Abläufe und Regeln heraus, nach denen das Team miteinander arbeiten möchte. Hier entsteht ein erstes Wir-Gefühl. Offene Diskussionen auch über unterschiedliche Meinungen sind möglich. Die Rollen- und Aufgabenverteilung im Team klärt sich. Die Arbeitsweise ist nun lösungsorientierter, was nicht heißt, dass immer alles reibungslos läuft.
Die Leitung findet nun gemeinsam mit den Teamkolleg*inn*en Absprachen und Spielregeln und trägt dafür Sorge, dass diese eingehalten werden. Sie koordiniert die pädagogische und organisatorische Arbeit unter Berücksichtigung der Stärken und Ressourcen der einzelnen Teammitglieder. Die Integrationsphase kann je nach Team mehr oder weniger Zeit in Anspruch nehmen.
4. Die (Zusammen-) arbeitsphase
Es folgt die (Zusammen-) arbeitsphase, in der das Team leistungsfähig, effizient und eigenständig arbeitet. Das gemeinsame Tun steht nun im Vordergrund.
Der Umgang der Teammitglieder untereinander ist geprägt von Wertschätzung und gegenseitigem Respekt. Die während der Integrationsphase entwickelten Rollen und bewirken eine konstruktive und lösungsorientiertes Zusammenarbeit. Es ist ein Wir-Gefühl spürbar.
Die Leitung muss nun kaum noch in das Teamgeschehen eingreifen. Sie hat verstärkt Zeit, um sich auf ihre Aufgaben außerhalb der Teambildung zu konzentrieren. Zielentwicklung, Reflektion und Weiterentwicklung der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Eltern, die Moderation der Kleinteambesprechungen und Überblick über den Gesamtprozess stehen nun im Vordergrund.
5. Die Abschiedsphase
Die fünfte Phase kommt immer dann zum Tragen, wenn ein*e Mitarbeiter*in das Team wieder verlässt. Ein bevorstehnder Abschied bringt immer Unruhe und Verunsicherung für alle Beteiligten mit sich. Es ist abzuklären, was noch zu tun ist und wer welche Aufgaben – zumindest vorübergehend- übernehmen wird.
Die Abschiedsphase sollte von der Leitung und den Teammitgliedern aktiv gestaltet werden, um die erbrachte Leistung der zu verabschiedenden Person angemessen zu würdigen. Empfehlenswert ist, klare Absprachen zu treffen, wie der Abschied gestaltet wird und was sich die zu verabschiedende Person wünscht. Das verbleibende Team bereitet sie sich parallel auf den*die kommende*n Kollegen*in vor.
Jeder Teamprozess ist anders
Natürlich sind die einzelnen Phasen in verschiedenen Teams unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt einige Faktoren, die den Ablauf dieser Phasen bestimmen, z.B.:
- Atmosphäre des Umfelds (locker, eher starr)
- gelebte Teamkultur
- Größe der Gruppe
- bereits miteinander bekannte Teammitglieder
- Erfahrung und Führungskompetenz der Leitung
- …
Wenn Du jetzt in Gedanken Dein eigenes Team durchgehst, wirst Du viele dieser Phasen in den vergangenen Monaten und Jahren bestimmt schon mehrfach erlebt haben. Durch die Betrachtung und Analyse eines Teambildungsprozesses mit Hilfe der Teamuhr erschließen sich Dir oftmals Themen und Problematiken, für die Du möglicherweise vorher keine Erklärungen gefunden hast. Mit dem Wissen um diese ganz normalen Teamentwicklungsprozesse kannst Du zukünftig vieles mit Deinen Teamkolleg*innen auf der Sachebene angehen und bearbeiten.
Unter Berücksichtigung der Teamuhr wünsche ich Dir und Deinem Team einen guten Start und einen gelingenden Teamprozess
Deine Anja
von Anja Cantzler | 13.08.2020 | Methoden
In ihrem Gastbeitrag „Ein Platz für Kuschel & Co“ hat Mareike Paic ihre Ich-Box für neue Kinder vorgestellt. Unmittelbar nach dem Erscheinen des Beitrags kontaktierte mich meine Kollegin Tanja Köster und fragte, ob wir eine solche Ich-Box nicht auch für neue Leitungskräfte entwickeln könnten. Dieser Impuls reichte aus, um bei Mareike und mir den Kreativitätsmuskel in Gang zu bringen. Weitere Ideen steuerten Nadine Winkler und Anke Leyer bei.
Auf Anfrage in meiner Facebook Gruppe „Coaching als Schlüsselkompetenz für Leitungskräfte“ äußerte Anke: „ Was für eine schöne Idee. Wie oft achten wir im Alltag nur auf die Bedürfnisse der Kinder und deren Familien und vergessen dabei unsere eigenen Befindlichkeiten wahrzunehmen und zu reflektieren. Ich werde das gleich mal am Montag in meinem Team vorschlagen.“ Und Nadine, die auch in dieser Gruppe ist, steuerte einen bunten Strauß an Ideen mit bei. So wurde aus der Idee einer Ich-Box für neue Leitungskräfte ein kleines Sortiment von Kisten und Plätzen für pädagogische Fachkräfte.
Aus der Ich-Box für Kinder wird eine Ich-Box für Erwachsene
Ursprünglich handelt es sich bei der Ich_Box um eine Kiste, die von der Familie gemeinsam mit dem Kind und für das Kind gestaltet wird. In dieser Kiste finden die wichtigsten Tröster und Übergangsobjekte des Kindes einen sicheren Platz.
Wie könnte nun ein solcher Platz für Päd. Fach- und Leitungskräfte aussehen? Ein Brainstorming von Mareike und mir ergab, dass sich als Ich-Box die unterschiedlichsten Behältnisse anbieten: z.B. ein Korb mit Deckel, ein Nähkästchen, ein Koffer, ein Rucksack, eine Erste-Hilfe-Tasche, eine Schatztruhe, eine Werkzeugkiste o.ä.. Am besten suchst Du Dir etwas aus, was zu Dir und Deinen Vorlieben passt. In meinen Seminaren beispielsweise arbeite ich passend zu meinem Motto „Schatzsuche statt Fehlerfahndung“ in viel mit einer kleinen Schatztruhe, die randvoll mit den Ressourcen und Kompetenzen meiner Seminarteilnehmer*innen gefüllt ist. Als begeisterte Wanderin würde ich für mich persönlich wiederum einen Ressourcen-Rucksack wählen. Das steht für mich symbolisch für alles, was ich bereits in meinem Gepäck mitbringe und auf das ich zurückgreifen kann.
Nadine hat für sich spontan eine „Leitungs- Anker- Box“ als Idee benannt. Mit einer „Anker-Box“ assoziiere ich eine mediterran gestaltete Kiste mit Bildern von der Nord- oder Ostsee, Leuchttürmen, Ankersymbolen und Rettungsringen. In diesen Bildern steckt für mich soviel Kraft und Symbolgehalt:
- Was ist für mich mein Leuchtturm, an dem ich mich in meiner neuen Aufgabe orientieren kann?
- Wo und bei wem finde ich Halt? Wo kann ich ausruhen und Kraft sammeln? (Anker)
- Wer hilft mir in schwierigen Situationen? (Rettungsring)
Ein Ideen-Feuerwerk entsteht
Ganz ähnlich mag Nadine auch gedacht haben, als den möglichen Inhalt ihrer Kiste benannte:
- Handschmeichler
- persönliche Glücksbringer
- Karten mit Sprüchen zum Nachdenken, zur Aufmunterung und mit Witzigem
- einen Sorgenfresser
- Zitate und Sprüche, die dir wichtig sind
- Telefonnummern von Personen (beruflich und privat), mit denen du über Probleme sprechen kannst
- Fotos von deinen Liebsten (Mensch und Tier ;-))
Und wie nicht anders zu erwarten hat Mareike natürlich auch noch einiges mit beigesteuert:
- eine kleine Dose, in dem ein Spiegel versteckt ist, der dich an deinen größten Schatz erinnern soll, den es zu hüten gilt
- kleine Steine, auf denen kraftgebende Begriffe stehen wie z.B. Geduld, Energie, Zeit, Ruhe, Gelassenheit, Auszeit etc.
Ich würde das Ganze noch ergänzen wollen mit:
- einem Maskottchen, bei mir ist das z.B. ein kleiner Teddy namens Lütti, den ich im Anerkennungsjahr als Abschiedsgeschenk bekommen habe
- einen Wut- oder Stressball
- Kärtchen mit Yoga- und Entspannungsübungen
- Fotos von Personen, die dich persönlich oder beruflich geprägt haben
- Bilder von Orten, die Dir helfen dich zu entspannen
Und nicht zu vergessen:
- Ein Gutschein für eine Massage, Sauna, Kosmetikbehandlung, Eisessen, Essengehen o.ä. als Belohnung nach den ersten 100 Tagen.
Die „Kussbonbons für Erwachsene“
Besonders fasziniert war ich in Mareikes Beitrag von den „Kussbonbons“ und es stellte sich die Frage, wie Kussbonbons für Erwachsene aussehen können.
Hier unsere Ideen und bestimmt fällt Dir da auch noch eine Menge zu ein:
- Bestücke ein Deko-Glas mit vielen Zettelchen, auf denen du Deine Ressourcen und Kompetenzen wie z.B. einfühlsam, musikalisch, humorvoll etc. aufschreibst. Wenn Du gerade mal nicht weiter weißt oder eine Bestärkung brauchst, ziehst Du einen Zettel und nimmst diesen Impuls, um zu überlegen, inwieweit dies Dir in dieser Situation weiterhilft.
- Oder bestückst dieses Glas mit lauter aus goldener Pappe ausgeschnittenen Sternen, auf denen deine Sternstunden geschrieben sind. Sternstunden sind gelungene Situationen auf die Du positiv zurück schauen kannst.
- Lege Dir das Kartenset „Schatzkarten für Erzieherinnen“ vom Don Bosco Verlag zu und wähle in einer schwierigen Situation eine Impulskarte, über die Du dann nachdenken kannst.
- Ähnlich kann der Spiralaufsteller „Gute Laune fürs Büro“ von Joachim Groh mit lustigen Sprüchen genutzt werden.
- Du kannst einen solchen Spiralaufsteller auch mit eigenen Sprüchen selbst gestalten.
- Die bemalten Steine mit den kraftgebenden Worten können schön dekoriert in einer Schale oder in einem Deko-Glas auch zu wertvollen Kussbonbons werden. Anstatt der Steine würden in eine Schatzkiste Schoko-Goldmünzen mit kraftspendenden Worten besser passen. Diese kannst Du dann auch richtig vernaschen. 😉
- Ich habe mal für ein Seminar Bonbons mit bestärkenden Sprüchen umwickelt, die Kolleg*innen, die eine Abschlusspräsentation zu meistern hatten, haben sich da rege bedient und hatten viel Spaß daran die Sprüche zu lesen.
- Glückskekse können einen ähnlichen Zweck erfüllen.
Der Fantasie und Kreativität sind hier wahrhaftig keine Grenzen gesetzt. Ich bin gespannt, was Dir noch dazu einfällt. Ich freue mich schon auf die Beschreibung Deiner persönlichen Ich-Box in den Kommentaren.
Die Ich-Box für Pädagogische Fach- und Leitungskräfte bietet nicht nur neuen Mitarbeiter*innen eine tolle Gelegenheit, sich Kraft für den Alltag zu holen. Im Prinzip tut diese Art der Kraftquelle jeder*m Mitarbeiter*in gut.
Wenn zu Beginn des Kindergartenjahres alle Mitarbeiter*innen sich eine solche Ich-Box zulegen, kann das auch wunderschönes Einstiegs- und Kennenlernritual werden – für neue Teams genauso wie für bestehende Teams.
Ich wünsche Dir einen guten Start in dieses Kindergartenjahr
Deine Anja
P.S. Danke liebe Tanja, es hat mir viel Spaß gemacht, diese neue Idee zu entwickeln. Vielen Dank auch für die kreative Unterstützung an Anke, Mareike und Nadine.
von Anja Cantzler | 11.08.2020 | Team
Nachdem ich die letzten Beiträge den neuen Kindern und deren Eingewöhnung gewidmet habe, möchte ich diesmal die neuen Kolleg*innen, die jetzt in den Teams starten in den Blick nehmen. Vielleicht übernimmst Du gerade selbst eine neue Rolle und Aufgabe.
Du beginnst beispielsweise:
- Deine erste Fachkraftstelle nach der Ausbildung
- eine Fachkraftstelle in einer neuen Gruppe
- eine Gruppenleitung in Deiner bisherigen Gruppe
- die Leitung einer neuen, anderen oder zusätzlichen Einrichtung
Das Ankommen im Team als Herausforderung
Allen diesen Neustarts ist gemeinsam, dass sie große Herausforderungen mit sich bringen, die es zu meistern gilt. Und wen überkommt da nicht einmal der Zweifel, ob das alles gut laufen wird. Zur Beruhigung vorab: diese Zweifel sind völlig normal. Das kannst Du in meinem früheren Beitrag zu den „Räumen der Veränderung“ nach Bedarf nachlesen.
Wenn Du in einem neuen Team anfängst, ist oftmals der erste Tag besonders aufregend, vielleicht sogar so ein bisschen wie der erste Schultag. Du musst Dich erst einmal in dem fremden Gebäude zurechtfinden, die neuen KollegInnen kennenlernen und die anstehenden Aufgaben verinnerlichen.
Schrittweise gilt es für Dich Deinen Platz im Team zu finden und auch die Kolleg*innen müssen sich erst an Dich gewöhnen. Gerade jetzt in der Eingewöhnungszeit mit den neuen Kindern und Eltern bleibt nicht immer genug Zeit, um sich näher kennenzulernen und Dich gut einzuarbeiten.
Manchmal kann es durchaus vorkommen, dass Du von Deinem neuen Team nicht zwangsläufig mit offenen Armen empfangen wirst. Das hat oftmals ganz unterschiedliche Gründe. Beispielsweise in Spitzenzeiten wie der aktuellen Eingewöhnung kann ein*e neue*r Kolleg*in durchaus eine Belastung darstellen. Die Einarbeitung kostet zusätzlich Zeit und Energie. Oder je nachdem welche Vorgeschichte die Gruppe oder Einrichtung hat, können die eingesessenen Kolleg*innen zunächst reserviert und skeptisch auf eine*n neue*n Kollegen*in reagieren. Es ist solchen Situationen empfehlenswert, diesen Irritationen möglichst zeitnah auf den Grund zu gehen und mit Hilfe von Ich-Botschaften anzusprechen.
Zusätzlich solltest Du Dich mit Modellen wie der Teamuhr vertraut machen. Diese Modelle eröffnen Dir das Verständnis für ganz normale Teamprozesse, die in neuen Situationen stattfinden und zu einer gesunden Teamentwicklung dazu gehören. Diese Teamuhr und den möglichen Umgang damit werde ich in einem späteren Beitrag näher erläutern.
Grundsätzlich ist es völlig normal, dass Du in der ersten Zeit
- nervös und unsicher bist
- die Teamkultur noch nicht kennen kannst
- die Abläufe und hierarchischen Strukturen erst kennenlernen musst
- weniger Kontakte mit den Kolleg*Inne im Team has
- die ungeschriebenen Gesetze noch herausfinden musst
- Fehler machen und viele Fragen haben wirst
Um gestärkt in die neue Aufgabe zu gehen, mach Dir bewusst, dass Du:
- viel Fachwissen mitbringst, vielleicht hast Du ja auch ein interessantes Spezialgebiet, das Du einbringen kannst
- hochmotiviert bist und Lust auf diesen Neubeginn hast
- mit einen unvoreingenommenen, frischen Blick in die Kita kommst
- frische Ideen mitbringst
Unabhängig davon, ob Du als Neueinsteiger*in oder alte*r Hase*Häsin irgendwo neu beginnst, die ersten Tage und Monate stellen immer eine besondere Herausforderung dar, vor allem weil Du in dieser Zeit zwangsläufig unter besonderer Beobachtung stehst. Obwohl es nicht immer ganz einfach ist, sich von diesem Druck frei zu machen, seh diese Zeit als Deine Chance.
Hilfreiche Grundregeln für das Ankommen im Team
Für die ersten Monate gibt es ein paar Grundregeln, die Dir den Einstieg leichter machen können. Finde möglichst eine Balance aus Profilierung und Anpassung. Im besten Fall hast Du Dich bereits im Vorfeld ausführlich vorbereitet und hattest ein Einführungsgespräch mit der Leitung und Deinen Kolleg*innen. Ansonster erkundige Dich, wie die Einarbeitung ablaufen soll und ob es in der Einrichtung einen Einarbeitungsplan gibt.
Um gut im Team und in der Arbeit anzukommen, solltest Du:
- Dir Zeit nehmen, die Einrichtung, Arbeitsabläufe, Kinder, Eltern und Kolleg*innen erst einmal kennenzulernen
- Beziehungen zu Kindern, Eltern und Kolleg*innen aufbauen
- Deine Aufgaben, Zuständigkeiten und Verantwortungen klären
- folgende Fragen für Dich klären: Wo liegen Deine besonderen Stärken? Welche sind für diese Aufgabe und Position wesentlich? Worin liegen die besonderen Stärken des Teams? Was ist jetzt die dringendste und wichtigste Aufgabe Dich und das Team?
- grundsätzlich keine Scheu haben, Fragen zu stellen, wenn Du etwas nicht weißt
- Dir Feedback von Kolleg*innen und Leitung bzw. Vorgesetzten einholen und zur Weiterentwicklung nutzen
- Leistungsbereitschaft zeigen und den Teamkolleg*innen Hilfe anbieten
- viel beobachten und gut zuhören
- Ideen behutsam einbringen, also nicht mit der Tür ins Haus fallen, wenn Du etwas ändern möchtest. Das ist insbesondre für dich als Leitungskraft sehr wichtig. Veränderungen sind grundsätzlich behutsam anzugehen, damit nicht der Eindruck entsteht, dass das was vorher gearbeitet wurde, von Grund auf schlecht war.
- Rituale der Kolleg*innen untereinander wahrnehmen, beobachten und schrittweise übernehmen. Dazu gehört auch das Herausfinden der ungeschriebenen Regeln und Gesetze im Team.
Das Ankommen im Team unterstützen
Alle anderen Kolleg*innen, die selbst keinen Neustart zu bewältigen haben, aber in deren Team ein*e neue*r Kolleg*in beginnt, möchte ich einladen, zu überlegen:
- Wie war Dein Neustart in diesem Team?
- Was hat Dir geholfen, im Team und in der Arbeit gut anzukommen?
- Gibt es ein Einarbeitungskonzept in Eurer Kita?
- Wie begrüßt Ihr als Team den*die neue*n Kollegen*in?
- Wer ist der*die verlässliche Ansprechpartner*in für den*die neue*n Mitarbeiter*in?
- Wie kannst Du das Ankommen des neuen Teammitgliedes unterstützen und erleichtern?
Mit diesen Impulsen wünsche ich Dir und Deinen Kolleg*innen einen guten Start ins neue Kita-Jahr
Anja
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