In dem heutigen Beitrag bekommt Ihr von mir einen kurzen Überblick über die verschiedenen Eingewöhnungsmodelle. Diese Übersicht ist hilfreich, wenn Ihr mit Eurem Team entweder auf der Suche nach einem für Euch geeignetem Konzept für die Eingewöhnung seid oder Ihr Euer bestehendes Konzept im Vergleich zu anderen überprüfen möchtet. Im Anschluss an diesen Beitrag findet Ihr als Ergänzung „5 Tipps zur Gestaltung einer erfolgreichen Eingewöhnung“, die Ihr bei mir anfordern könnt. Diese 5 Tipps unterstützen Euch bei der Erarbeitung und Überprüfung Eures Eingewöhnungskonzeptes.
Ein Blick in die Vergangenheit
Seit vielen Jahren beschäftige ich mich als Referentin mit dem Thema Bindung und Eingewöhnung. In meinem Berufspraktikum vor gut 30 Jahren war es durchaus üblich, dass die Kinder den Übergang von Familie zu Kita ohne Begleitung der Eltern bewältigen mussten. Das war für alle Beteiligten sehr anstrengend. Ich empfand es schon damals als wenig kindgerecht und spürte, wie viele Kinder unter dieser abrupten Trennung litten. Obwohl das Berliner Eingewöhnungskonzept bereits vereinzelt in Krippen praktiziert wurde, etabliert sich die elternbegleitete Eingewöhnung erst mit dem Ausbau der Betreuung für die Kinder im Alter von 0 – 3 Jahren. Heute gilt die Elternbegleitung als wesentliches Qualitätsmerkmal für die Gestaltung von Eingewöhnung.
Verschiedene Modelle entstehen
Mittlerweilen wurden 5 verschiedene Modelle aus den verschiedensten wissenschaftlichen und praxisorientierten Ansätzen heraus entwickelt.
Berliner Eingewöhnungsmodell:
Ausgangspunkt: die Bindungstheorie
Ablauf: strukturiert und verbindlich mit aufeinander aufbauenden Phasen – Kennenlernphase, erster Trennungsversuch nach drei Tagen, Stabilisierungsphase
zentraler Aspekt: Beziehungsaufbau von Kind und Pädagogischer Fachkraft
Bild vom Kind: das Kind hat ein zentrales Bindungsbedürfnis, es braucht die Begleitung verlässlicher Bindungs- und Bezugspersonen
Münchner Eingewöhnungsmodell:
Ausgangspunkt: Erkenntnisse der Transitionsforschung
Ablauf: Schnupperwoche mit den Eltern, in der es die verschiedenen Bezugspersonen kennen lernen kann und erste Trennung nach frühestens 6 Tagen
Bild vom Kind: das kompetente Kind ist fähig, Übergänge zu bewältigen, wenn es hierbei durch die ihm vertrauten Personen Unterstützung bekommt, es ist in der Lage Beziehungen zu mehreren Personen aufbauen
Eingewöhnungsmodell nach Kuno Beller
Ausgangspunkt: psychologische Sichtweise auf den Umgang mit Veränderungen
zentraler Aspekt: die durch Eltern und Pädagogischer Fachkraft begleitete langsam stattfindende Veränderung erlaubt es dem Kind, sich aktiv mit der neuen Situation auseinanderzusetzen
Bild vom Kind: ein Kind braucht Zeit, seinen negativen Gefühlen und seinem Schmerz Ausdruck zu verleihen, die zu diesem Trennungs- und Trauerprozess dazu gehören
Sanfte Eingewöhnung nach Reggio
Ausgangspunkt: das kompetente Kind mit vielen Ressourcen und Fähigkeiten
Ablauf: den Übergang meistert das Kind in seinem eigenen Tempo mit Begleitung einfühlsamer und wertschätzender Erwachsener
zentrale Aspekte: der Raum wird als „dritter Erzieher“ genutzt, der dem Kind Geborgenheit und Anregung bietet, Vertrauen und Zeit
Bild vom Kind: selbsttätiges und kompetentes Kind, das Akteur seiner eigenen Entwicklung ist
Eingewöhnung in der Peer-Group
Ausgangspunkt: Erkenntnisse der Peer-Group Forschung
Ablauf: die Eingewöhnung findet gleichzeitig mit drei bis fünf Kindern, ihren Eltern und zwei Pädagogischen Fachkräften statt, Trennung von den Eltern erfolgt individuell und nach Absprache
zentrale Aspekte: die Einbeziehung von Raumgestaltung und Spielmaterial
Bild vom Kind: das Kind als soziales Wesen, das das Miteinander mit Gleichaltrigen zu seiner Entwicklung braucht
Die Gemeinsamkeiten
Alle Modelle haben im wesentlichen drei Gemeinsamkeiten, die eine gute Eingewöhnung ausmachen: die Kinder werden durch ihre Eltern begleitet, es gibt pädagogische Fachkräfte als Ansprechpartner*innen und der Abschied wird bewusst gestaltet. Ein wesentliches Ziel aller Modelle besteht darin, dass das Kind durch die Eingewöhnung eine größtmögliche Sicherheit bekommt und dadurch angstfrei mit den anderen Kindern spielen und lernen kann.
Jedes Modell für sich hat seine Chancen und auch Grenzen. Erfahrungsgemäß arbeiten die meisten von Euch entweder mit dem Berliner- oder mit dem Münchner Modell. Anstatt ein Modell unreflektiert zu übernehmen, schaut lieber auf das, was Ihr mit der Eingewöhnung erreichen wollt und wie Ihr diese im Einzelnen umsetzt. Daher empfehle ich, dass Ihr auch in Eurer Konzeption konkret beschreibt, wie Ihr die Eingewöhnung gestaltet.
Ich wünsche Euch einen guten Start mit den neuen Kindern und Familien!
Eure Anja
Hier noch ein paar ergänzende Anregungen zum Thema „Eingewöhnung“:
Am 23.01.2021 findet ein Webinar zum Thema Eingewöhnung in der Peer-Group in Kooperation mit Haus Neuland statt. Hier lernt Ihr ein alternatives Eingewöhnungsmodell kennen, das insbesondere die sozialen Beziehungen und die Interaktionen der Kinder in den Mittelpunkt stellt.
Kennt Ihr schon mein Buch: Eingewöhnungvon Kita-Kindern, Cornelsen Verlag. Dort habe ich mich mit vielen Themen rund um die Eingewöhnung beschäftigt, die im Besonderen für die Zusammenarbeit mit den Eltern wertvoll und hilfreich sind.Das Buch ist im Buchhandel erhältlich.
Im Blog von Tanja Köster findest Du einen Podcast mit einem Interview mit mir zum Thema: Eingewöhnung in der Peer-Group
Schon bald kommen die angehenden Schulkinder in die Schule und das, nachdem viele von ihnen nach dem Lockdown gerade erst wieder in die Kitas und die Kindertagespflege zurück gekehrt sind. Je nach Bundesland werden die angehenden Schulkinder nur 3 bis max. 8 Wochen ihre Gruppen besuchen.
Dies stellt Euch vor besondere Herausforderungen. In diesem begrenzten Zeitraum sind das Wiederankommen, die Vorbereitung auf den anstehenden Übgang zur Schule und die baldige Verabschiedung zu gestalten.
Dem Wiederankommen und der Gestaltung des Übergangs habe ich bereits in den vergangenen Wochen zwei Blogbeiträge* gewidmet. Diesmal geht es um die Verabschiedung.
Jahr für Jahr verlassen die angehenden Schulkinder den Kindergarten und die Kindertagespflege im Sommer. Das ist ein ganz normales wiederkehrendes Ereignis. Viele Kitas und Kindertagespflegestellen haben über die Zeit hinweg Abschiedsrituale und liebgewonnene Traditionen entwickelt. Einige dieser Rituale und Traditionen, wie z.B. Übernachtungsfeste mit den Kindern und Abschiedsgottesdienste mit allen Familien, sind aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen dieses Jahr nicht oder nur teilweise umsetzbar.
Nun steht Ihr vor der Aufgabe, herauszufinden, was trotz der Abstands- und Hygieneregelungen möglich ist. Dabei sind folgende Fragestellungen hilfreich:
Was habt Ihr im Einzelnen mit den Kindern und Eltern bisher zur Verabschiedung gemacht?
Was kann von diesen Ritualen und Traditionen unter Berücksichtigung der Abstands- und Hygieneregeln wie bisher übernommen und umgestzt werden? (z.B. Abschiedsbriefe, Abschiedsgeschenke, Abschiedskreis mit den Kindern etc.)
Auf welche Rituale und Traditionen müsst Ihr unter diesen Umständen verzichten? (z.B. gemeinsame Abschlussrunde mit allen Eltern in der Gruppe)
Welche Alternativen findet Ihr stattdessen?
Bei genauerer Betrachtung werden Euch viele Alternativen einfallen, die den Abschied zu einem unvergesslichen Erlebnis für die Kinder machen. Hier ein paar Ideen und Anregungen, wie Ihr den Abschied gestalten könnt:
Gestaltung eines gemeinsamen Frühstücks mit den angehenden Schulkindern
Durchführung eines Abschiedskreises, in dem jedes Kind erzählt, woran es sich gerne erinnert und worauf es sich in der Schule freut
feierliches Überreichen der Abschiedsgeschenke und Portfolios, mit einer tosenden „Rakete“ und Applaus für jedes Kind
Feiern eines Abschiedsgottesdienstes mit den Familien unter freiem Himmel
Einladung zu einem Grillnachmittag im Außengelände oder Picknick im Park mit den Familien unter Beachtung der Abstandsregeln
Gemeinsames Spazierengehen der pädagogischen Fachkräften mit den einzelnen Kindern und ihren Familien, um sich in diesem Gespräch ganz persönlich zu verabschieden
Gestalten einer Zeitkapsel* gekoppelt mit der Vereinbarung, sich in einem Jahr wiederzusehen und die Zeitkapsel gemeinsam feierlich zu öffnen
Packen eines Koffers oder Trollyes mit allen persönlichen Gegenständen des Kindes, mit dem das Kind am letzten Tag feierlich aus der Kita „auszieht“
„Sprung ins Leben“: Aufbau eines Bewegungs- und Kletterparcours, den die Kinder unter Applaus der Fachkräfte und Eltern bewältigen und mit einem letzten Sprung über die Schwelle der Kita-Tür in den Armen ihrer Eltern landen
Ich bin überzeugt davon, dass Ihr gemeinsam mit den Kindern gute Wege finden werdet, diesen Abschied angemessen und stimmungsvoll zu gestalten. Für die Kinder ist es so oder so ihr ganz besonderer und persönlicher Abschied von der Kita und Kindertagespflege. Es liegt in Euren Händen, wie sich die Kinder daran erinnern werden. Wenn Ihr ihnen das Gefühl gebt, dass sie aufgrund der Rahmenbedingungen etwas verpassen und ihnen vieles nicht möglich ist, werden sie das Verlustgefühl viel stärker wahrnehmen. Denkt an das Prinzip, dass wenn Ihr etwas zum Problem macht, dies auch zum Problem wird. Haltet Euch in der Vorbereitung nicht zu sehr damit auf, was gerade nicht geht. Überlegt, was möglich ist und den Kindern Spaß macht. Für die Kinder ist es wichtig, dass Ihr ihnen einen schönen Abschied bereitet, an den sie sich gerne erinnern.
Erfreut Euch gemeinsan mit den Kindern an diesen ganz besonderen Abschied.
Viel Spaß dabei!
Eure Anja
* Hier ein paar Links zu den Blogbeiträgen, auf die ich mich in diesem Beitrag bezogen habe:
Wir erleben gerade eine historische Zeit, an die wir und die Kinder uns in besonderer Form erinnern werden. Einige ältere Kinder erleben diese Zeit sehr bewusst. Andere, meist jüngere Kinder, können das Erlebte aufgrund ihrer Entwicklung noch nicht versprachlichen. Sie speichern daher die Ereignisse in ihrem Körper- und Gefühlsgedächtnis. Um mit Kindern das aktuell Erlebte zu bearbeiten, möchte ich heute ergänzend zu dem im letzten Beitrag benannten Portfolio die Zeitkapsel als weitere Methode vorstellen. Durch das gemeinsame Gestalten einer Zeitkapsel mit den Kindern erfahrt Ihr, wie Eure Kinder aktuell die Situation wahrnehmen, was ihnen wichtig ist und welche Themen sie gerade beschäftigen. Das gemeinsame Tun bietet einen Gesprächsanlass über die Gefühlswelt der Kinder. Sie merken, dass sie nicht alleine mit ihrem Erleben und ihren Gefühlen sind. Das eröffnet Raum zum gemeinsamen traurig, ängstlich und wütend Sein und es tut auch gut, immer wieder gemeinsam zu lachen. Das alles zusammen kann für viele Kinder eine befreiende und angstlösende Wirkung haben.
Was ist eine Zeitkapsel?
Eine Zeitkapsel ist ein Behälter gefüllt mit verschiedenen zeittypischen Dinge. Dieses Behältnis wird verschlossen und für einen vereinbarten Zeitraum aufbewahrt. Zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder sie wieder geöffnet. Manchmal wird eine Zeitkapsel auch für spätere Generationen vergraben, um den Findern in der Zukunft über das gegenwärtige Leben zu berichten.
Wann wird eine Zeitkapsel erstellt und gestaltet?
Zeitkapseln werden zu unterschiedlichsten Anlässen zusammengestellt.:
bei persönlichen Anlässen
Geburt
Hochzeit
Schuleintritt
kurz vor dem nahenden Tod
bei historischen Anlässen
Naturkatastrophen
Jahrtausendwechsel
Pandemien
Ab welcher Altersstufen ist diese Methode einsetzbar?
Da die Kinder von ihrer kognitiven Entwicklung ausgehend, eine Vorstellung von Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit haben sollten, eignet sich die Methode für Kinder im Alter ab ca. 4 Jahren.
Welche Behälter sind geeignet?
Das ist davon abhängig, wo und wie lange die Zeitkapsel gelagert werden soll. In der Regel reicht ein Karton oder eine Metalldose, die für die vereinbarte Zeit in einem Regal oder an einem trockenen Ort gelagert wird. Soll die Zeitkapsel irgendwo vergraben werden, ist es wichtig, dass das Behältnis möglichst wasserdicht und rostfrei ist.
Was gehört in eine Zeitkapsel?
Alles, was den Kindern für diese Zeit wichtig und typisch ist: selbstgemalte Bilder, Fotos, Briefe, Smileys, Gefühlskarten, Gegenstände wie Mundschutz, Abspeerband, Toilettenpapier, Nudeln etc. Euren Kindern wird bestimmt ganz viel dazu einfallen.
Wann sollte eine Zeitkapsel wieder geöffnet werden?
Den Zeitpunkt, wann die Zeitkapsel wieder geöffnet werden soll, solltet Ihr gemeinsam mit den Kindern festlegen. Das kann einen Zeitraum von 3 Monaten über 1 Jahr bis hin zu mehreren Jahren umfassen.
Welche Variationsmöglichkeiten gibt es?
Ihr könnt, z.B.
mit allen angehenden Schulkindern gemeinsam eine Zeitkapsel verpacken und Euch im kommenden Jahr dazu verabreden, sie gemeinsam wieder zu öffnen.
mit jedem einzelnen Kind eine persönliche Zeitkapsel zusammenstellen, die bei Euch gelagert wird und die dem Kind in 3 Monaten oder einem Jahr zugestellt wird.
mit den älteren Kindern eine Zeitkapsel für die jüngeren Kinder packen, die Jüngeren dann öffnen können, wenn sie selbst zur Schule kommen.
Ich bin überzeugt davon, dass Ihr gemeinsam mit den Kindern viele kreative Ideen entwickeln werdet. Damit ich ein bisschen daran teilhaben kann, bitte ich Euch, mir Fotos von euren Zeitkapseln zu schicken. Schreibt mir begleitend ein paar Zeilen zu Eurer Gruppe, Eurer aktuellen Situation und Eurem Zeitkapselprojekt. Alle Fotos*, die bis zum 30.06.2020 über anjacantzler@t-online.de bei mir eingehen, werde ich im Juli hier in meinem Blog veröffentlichen.
Ich freue mich auf Eure Fotos und Geschichten
Eure Anja
*Bitte achtet aus Datenschutzgründen darauf, dass keine Kinder auf den Fotos abgebildet sind.
Seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit den Chancen und Grenzen von Biografiearbeit in den Arbeitsfeldern Kindertagesstätte und Kindertagespflege. In diesem Arbeitskontext treffen die Biografien von Kindern, Eltern und pädagogischen Fachkräften zusammen. In diesem Entwicklungsabschnitt prägen die Erwachsenen und die verschiedenen Ereignisse maßgeblich die Biografien der Kinder. Meine zentrale Erkenntnis bei der Auseinandersetzung mit Biografiearbeit im pädagogischen Kontext ist, dass Ihr im Rahmen der Bildungs- und Entwicklungsdokumentation Biografiearbeit betreibt, ohne dass es Euch bewusst ist.
Eine Biografie beschreibt die Lebensgeschichte eines Menschen. In Unterscheidung zum Lebenslauf geschieht dies weniger chronologisch und selten vollständig. Bedeutsame und prägende Stationen und Erlebnisse werden herausgegriffen und fokussiert. Die sog. Persönlichkeitsbiografie setzt sich aus verschiedenen Teilaspekten zusammen, z.B.: kulturelle, soziale, wert- und normgeprägte, geschlechtsspezifische, gesellschaftliche und nationale Aspekte. Jeder Aspekt für sich ist bedeutsam für die individuelle Entwicklung eines Menschen.
Die Portfolioarbeit greift viele dieser Aspekte auf und dokumentiert so den Bildungs- und Entwicklungsweg des einzelnen Kindes. Mit Hilfe des Portfolios ermöglicht Ihr dem Kind, sich zu einem späteren Zeitpunkt an verschiedene Erlebnisse und Ereignisse zu erinnern und einzuordnen.
Die Geschehnisse in den letzten Wochen nehmen gerade weitreichenden Einfluss auf unser Leben. Das damit verbundene Erleben gehört von jetzt an zu unserer Biografie und zu der der Kinder und Familien.
Die Kinder erleben diese Zeit genauso intensiv wie wir Erwachsenen – auch wenn ihr Umgang damit aufgrund ihres Entwicklungsstandes und Alters sich unterscheidet. Für ihre weitere Entwicklung ist es daher wichtig und wertvoll, die zurückliegenden Wochen im Rahmen der Portfolioarbeit aufzugreifen, aufzuarbeiten und zu dokumentieren. Dies unterstützt die spätere Erinnerung an das Geschehene.
Bei meinen Recherchen im Internet habe ich verschiedene Vorlagen für spezifische Portfolioseiten entdeckt, die im Kern folgende Aspekte mit Blick auf die Zeit im Lockdown abfragen und dokumentieren:
So geht es mir
So fühle ich mich
Das habe ich zu Hause gemacht
Das war das Schönste in der Zeit, in der ich zu Hause war
Das habe ich am meisten vermisst
Das hat mich am meisten genervt
Darauf freue ich mich jetzt am meisten
Das waren meine Lieblingsbeschäftigungen, damit ich mich nicht langweile
Älteren Kindern könnt Ihr noch folgende Frage stellen:
Woran möchte ich mich später erinnern, wenn ich groß bin?
Zu der Portfolio-Arbeit gehört auch das Einbeziehen der Eltern mit ihrer Sichtweise auf die Entwicklung der Kinder. Durch den Lockdown sind die Eltern viele Wochen intensiv mit ihren Kindern zusammen gewesen. Daher bietet es sich an, eine Seite im Portfolio den Eltern zu widmen, auf der sie das Erleben des Kindes beschreiben und dokumentieren. Das kann in Form eines kurzen Interviews stattfinden, dass Ihr mit den Eltern führt.
Im Anhang findet Ihr eine Vorlage für ein „Corona-Potfolio“, dass mir freundlicher Weise Veronika Schütz zur Veröffentlichung frei gegeben hat. Vielen Dank hierfür. Dieses Portfolio zeichnet sich dadurch aus, dass auch die Eltern dazu befragt werden, wie sie selbst diese Zeit erlebt haben. Dadurch werden die Gefühle und Sichtweisen der Eltern auf ganz besondere Weise berücksichtigt und in das Portfolio miteinbezogen.
Am kommenden Donnerstag stelle ich Euch dann eine Methode für die Erinnerungsarbeit mit den angehenden Schulkindern vor.
Zur Förderung der emotionalen Kompetenz gehört es, dass Kinder möglichst spielerisch verschiedene Gefühle kennenlernen und diese zum Ausdruck bringen können. Die folgende Methode von Mareike Paic (Sternstunden-Seminare) unterstützt diesen Lernprozess und schult parallel die Wahrnehmung der Kinder, die verschiedenen Gefühle beim Gegenüber richtig zu interpretieren. Ich wünsche Euch heute viel Spaß mit dem Gastbeitrag von Mareike. Ich hoffe, ihr findet hier ganz viel Inspiration für Eure Arbeit mit den Kindern.
Eure Anja
Mareike Paic – Sternstunden-Seminare:
Die Gefühlsuhren
Habt Ihr auch früher stundenlang vor dem Spiegel gesessen und Grimassen gezogen? Ich selbst konnte als Kind nicht genug davon bekommen. Auch die Kinder, mit denen ich arbeite, verbringen so Ihre Zeit mit viel Spaß und Ausdauer vor dem Spiegel. Daraus entstand vor einiger Zeit meine Idee für die „Smiley-Schmuckdose“.
Die Vorbereitungen
Als erstes solltet Ihr 12 Smileys ausdrucken, auf Karton aufkleben, laminieren und ausschneiden. Zur Aufbewahrung eignet sich ein Schmuckkästchen, ein hübscher Karton oder ähnliches…egal welche Schachtel Ihr findet, ein Spiegel gehört UNBEDINGT dazu, damit sich das Kind selbst sehen und beobachten kann. Natürlich könnt Ihr auch prima einen aufstellbaren Schminkspiegel nutzen.
Die Spielanregung
Ladet das Kind ein, sich einen Smiley auszusuchen und das dargestellte Gefühl mimisch nachzumachen. Lasst das Kind erst einmal experimentieren. Im besten Fall versinkt es in seinem Tun und fühlt dabei spielerisch in sich hinein.
Im weiteren Prozess kann dieser spielerische Zugang ein Türöffner werden, um mit dem Kind über die verschiedenen Gefühle ins Gespräch zu kommen:
Wie siehst du aus?
Wie fühlt sich das an…im Gesicht, im Bauch …?
Warst du auch schon einmal so richtig wütend/traurig/lustig?
Wie guckst du, wenn du …bist?
Allein und mit der Gruppe
Die Smiley Schmuckdose lässt sich sehr gut für ein Kind oder in einer 1:1 Interaktion von Pädagogischer Fachkraft und Kind einsetzen. Ergänzend hierzu könnt Ihr die Methode in etwas abgewandelter Form auch im Morgenkreis integrieren. Dann sucht sich ein Kind sich ein Smiley aus der Schmuckdose aus und macht den entsprechenden Gefühlsausdruck mimisch. Die anderen werden dann eingeladen:
den Gesichtsausdruck nachzumachen.
zu beschreiben, was sie sehen
das Gefühl, was in Ihnen hochkommt, zu benennen
uvm.
Die Weiterentwicklung einer Spielidee
Um mit mehreren Kindern noch intensiver in das jeweilige Gefühl einzutauchen, die verschiedenen Gefühle zu verdeutlichen und Worte dafür zu finden, habe ich schließlich die Gefühlsuhren entwickelt.
Hierbei handelt es sich um mehrere runde Scheiben aus dicker Pappe, die am Kreisrand mit den gleichen Smileys wie in der Dose beklebt sind und mit einem drehbarem Zeiger, der in der Mitte durch eine Musterklammer in der fixiert wird, und so wie eine Uhr aussehen. (s. Fotos) Achtung: Der Zeiger darf nicht zu lang sein, sonst verdeckt er die Mimik des Smileys.
Jedes Kind bekommt es eine solche Uhr im Morgen- bzw. Spielkreis. Die Gefühluhren können dann unterschiedlich eingesetzt werden: z.B.
als Gefühlsbarometer: auf die Frage hin „Wie fühlst Du Dich heute?“ stellt jedes Kind seine aktuelle Befindlichkeit auf der Uhr ein und so seht Ihr, wie es den einzelnen Kindern gerade geht.
als Kombination von Schmuckdose und Gefühlsuhren: Ein Kind bekommt die Schmuckdose und alle anderen jeweils eine Uhr. Das Kind mit der Schmuckdose zieht einen Smiley und versucht, den Ausdruck nachzumachen. Zur Selbstkontrolle sollte unbedingt ein Spiegel zur Verfügung stehen. Mit diesem Gesichtsausdruck schaut das Kind dann in die Runde und alle andern stellen ihren Zeiger auf den Smiley, den sie zu erkennen glauben. Wenn alle fertig sind, werden die auf den Uhren markierten Smileys verglichen. Dann entsteht automatisch ein Austausch und es kann vorkommen, dass ein Kind feststellt: „Dein Gesicht sieht aber anders aus. Deine Augenbrauen sind anders. Deine Mundwinkel sind nicht unten.“ usw.
Daraus entsteht oftmals ein gemeinsames Ausprobieren und Experimentieren. Diese Übung ist dadurch nicht nur ein Türöffner, um mit den Kindern über Gefühle ins Gespräch zu kommen, die Kinder werden auch sensibilisiert, genau hinzuschauen und Körpersignale zu deuten.
Ein Dino zeigt Gefühle
Eine zusätzliche, erweiterte Variante für die Uhren wäre die Verwendung von Figuren, die dazu einladen neben den Gesichtsausdrücken auch die Körperhaltung miteinzubeziehen. Hier greife ich gerne auf die Bilder der Geschichte: „Ein Dino zeigt Gefühle“ von Christa Manske und Heike Löffel zurück.
Erfahrungsgemäß entwickeln die Kinder noch ganz viele weitere Variationen mit diesen Materialien.
Ein Dino zeigt Gefühle, Christa Manske und Heike Löffel, mebes & noack Verlag, ISBN 987-3927796423 Ein Dino zeigt Gefühle „Die Box“ Memo/Lotto Bildkarten Christa Manske und Heike Löffel, mebes & noack Verlag,
Anja Cantzler, Mein Körper, Hase und Igel https://www.hase-und-igel.de/buch/mein-koerper-9783867608589
Anja Cantzler, Meine Sinne, Hase und Igel, https://www.hase-und-igel.de/buch/meine-sinne-9783867608794
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