In meinem Blogbeitrag „Übergänge gestalten – (Wieder)Ankommen in der Kita“ habe ich darüber geschrieben, dass Eure Kinder nach so langer Zeit mit den unterschiedlichsten Befindlichkeiten und Stimmungen z.B. Freude, Angst, Wut oder Trauer in die Kita zurückkehren. Eure Krippen und Kita-Kinder befinden sich altersentsprechend mitten in ihrer sozial-emotionalen Entwicklung. Alles was sie in dieser Phase erleben, wirkt auf ihre Persönlichkeitsentwicklung. Emotionssausdruck, Emotionswissen und Emotionsregulierung sind die zentralen Lern- und Entwicklungsaufgaben. Die Kinder brauchen gerade in dieser Phase eine feinfühlige Begleitung durch Erwachsene, die den unterschiedlichen Emotionen Raum geben und den Kindern zuhören.
Am liebsten würden viele von Euch die unangenehmen Gefühle und Erinnerungen, die mit den zurückliegenden Wochen verknüpft sind, hinter sich lassen und mit den Kindern eine schöne Zeit verbringen. Das ist durchaus richtig und wichtig. Schaut trotzdem genau hin, welches Kind in den nächsten Tagen und Wochen starke Erwachsene braucht, die diesen unangenehmen Gefühlen genauso viel Stellenwert einräumen wie den angenehmen Gefühlen. Gebt ihnen dadurch das Gefühl, dass auch diese Emotionen sein dürfen.
Ich möchte hier in diesem Blog, Gefühlen wie Trauer, Angst und Wut ganz bewusst Beachtung schenken. Daher freue ich mich, Euch diese Woche an einem Interview mit Vanessa Pivit (V.P.), die als Erzieherin und Trauerbegleiterin arbeitet, teilhaben zu lassen.
Das Interview
A.C.: Du bist Erzieherin und Trauerbegleiterin. Wie bist Du zu dieser Kombination der Professionen gekommen?
V.P.: Ich bin seit 1994 mit Leib und Seele Erzieherin. Ich wusste seit meiner Kindheit, dass ich mit Kindern arbeiten möchte und bis heute liebe ich diese Arbeit. Aufgrund verschiedener persönlicher und emotionaler Erfahrungen merkte ich 2014, dass ich etwas in meinem Leben verändern möchte. Ein Prospekt vom Ambulanten Hospiz und Palliativdienst brachte mich auf einen neuen Weg. Ich begann eine Weiterbildung zur Sterbebegleiterin. Menschen auf dem letzten Weg zu begleiten, sprach mich sofort im Herzen an. Es war eine große Herausforderung und Bereicherung zugleich, schon alleine dadurch, dass ich mich sehr viel mit mir selbst und meiner Lebensgeschichte auseinandersetzte. Leider merkte ich schon bei der ersten Begleitung, dass ich für diese Aufgabe nicht die richtige Person bin. Nach 10 Minuten auf der Intensivstation erlitt ich einen Kreislaufkollaps und bündelte die Zuwendung der Ärzte und Pflegerinnen auf meine Person. Dies sollte für meinen Geschmack eine einmalige Erfahrung bleiben. Meine „Ausbilderin“ empfahl mir daraufhin, mich als Trauerbegleiterin weiterzubilden. So begann ich meine Weiterbildung zur Trauerbegleiterin für Kinder und Jugendliche bei der Akademie des Kinder- und Jugendhospizes Olpe. Trotz der Widerstände in meinem persönlichen Umfeld bin ich diesen Weg weitergegangen und das hat viel bzgl. meiner Haltung und meines Handelns verändert.Neben meiner Vollzeitstelle im Kindergarten fuhr ich an 8 Wochenenden nach Olpe in ein Kloster. Der Kontakt mit den anderen Teilnehmer*innen war sehr intensiv und emotional. Eine anstrengendeund sehr bereichernde Zeit.
A.C.: Wie verstehst Du Deine Rolle als Trauerbegleiterin?
V.P.: Die Trauerbegleitung ist ein sensibler Bereich, der einem „liegen“ muss. Empathie für das Gegenüber und das Annehmen seiner Situation zählt zu den Grundwerten. In Trauerzeiten sind wir mitunter in einer anderen Verfassung als üblich. Als Trauerbegleiterin musste ich lernen mich abzugrenzen. Das war und ist für mich nicht immer ganz leicht, Empathie und Mitgefühl nur bis zu einem gewissen Grad zu zeigen. Das ist ein langer und andauernder Lernprozess. Als Trauerbegleiterin habe ich die Aufgabe, den Menschen in seinem Trauerprozess als neutrale Frau zur Seite zu stehen. Ihn in seiner Trauer anzunehmen, auszuhalten und Möglichkeiten der Verarbeitung auf dem Trauerweg zu geben. Es geht um die Erkenntnis und Annahme, dass es dazugehört, ein Leben lang um einen Verstorbenen zu trauern. Der Trauernde kommt schrittweise zu der Erkenntnis, dass das, was sich dabei verändern wird, die Intensität der Traurigkeit ist. Deshalb verstehe ich mich in erster Linie als Begleiterin. Es geht nicht darum, die Trauer zu bewältigen, sondern es geht darum, andere Wege zu finden, um dem Verstorbenen einen neuen Platz im Leben der Hinterbliebenen zu geben. Das ist ein großer Unterschied.
A.C.: Während meiner Zeit als Pädagogische Fachkraft und Leitung in der Kita habe ich die Erfahrung gemacht, dass Themen wie Tod und Trauer Tabuthemen in unserer Gesellschaft sind. Viele Erwachsene tun sich selbst schwer darüber zu sprechen. Oftmals sind sie der Meinung, dass Kinder den Tod noch nicht verstehen und vermeiden es die Kinder miteinzubeziehen. Wie erlebst Du das als Erzieherin einerseits und als Trauerbegleiterin andererseits?
V.P.: Als ich mich für die Weiterbildung entschied, traf ich bei Familie, Freunden und Arbeitskollegen oft auf Erstaunen und Befremden. Reaktionen wie: „Wow, so ein schweres Thema. Hut ab.“, begegnete ich häufig. Stimmt, Trauer und Tod sind schwere Themen, wenn wir sie schwer machen. Ich habe diese Reaktionen erst einmal so stehen lassen. Ich entwickelte das Vertrauen, dass sich mein Gegenüber weiter mit den Gedanken beschäftigt. Daraus entwickelten sich oftmals schöne intensive Gespräche über eigene Verluste und Erfahrungen. Dadurch haben sich viele Beziehungen und Freundschaften sehr verändert. Als Erzieherin muss ich sagen, dass seitens der Kita-KollegInnen diesen Themen oftmals weniger Offenheit und Verständnis entgegengebracht wird. Gespräche miteinander oder mit Kinder und Eltern hierzu finden seltener statt. Umgang mit Trauer und Trauerbegleitung haben wenig Raum in der Arbeit. Da empfinde ich das Tabu stärker. In der Zusammenarbeit mit Eltern erlebe ich Interesse und Offenheit gepaart mit der Unsicherheit, wieviel sie ihrem Kind zumuten können. Dazu später noch ein bisschen mehr.
A.C. Ich persönlich durfte das als Kind anders erleben. Meine Eltern haben mich von Anfang an mit zu Beerdigungen genommen. Sie haben mir sehr offen vorgelebt, mit Tod und auch der damit verbundenen Trauer umzugehen. Du arbeitest in Deiner Profession als Trauerbegleiterin mit unterschiedlichsten Familien zusammen. Warum ist es aus Deiner Sicht wichtig, dass mit Kindern Tod und Trauer angesprochen und bearbeitet werden?
V.P.: Der Tod gehört zum Leben dazu. Kinder sind von Natur aus neugierig und wissbegierig. Sie erleben fast täglich Trauersituationen. Sie sehen den toten Vogel, die überfahrene Katze am Straßenrand. Sie wollen wissen, was passiert ist und was mit dem toten Tier weiter geschieht. Wo kommt es hin, wo lebt es weiter… Die englische Hilfsorganisation „Winstons Wish“ hat eine Charta für trauernde Kinder und Jugendliche entwickelt. Dort wird in 10 Punkten aufgelistet, dass Kinder u.a. das Recht auf eine kindgerechte, angemessene Information haben und in Entscheidungen mit einbezogen werden sollten. Ein weiteres Recht, das ihnen zugestanden wird, besteht darin, ihre Geschichte erzählen und ihre Gefühle ausleben zu dürfen.
Die Praxis erlebe ich persönlich stellenweise anders. Kindern wird seltener die Möglichkeit gegeben, selbst zu entscheiden, ob sie z.B. den Verstorbenen noch einmal sehen oder mit zur Beerdigung gehen möchten. Oftmals erhalten sie nicht einmal die Gelegenheit, ihre Fragen stellen zu können.Das passiert in der Regel aus bester Absicht. Eltern wollen Kinder beschützen. Erwachsene meinen irrtümlicherweise, dass Kinder das Geschehene nicht mitbekommen. Aber Kinder spüren, wenn etwas nicht dem „Normalablauf“ entspricht. Kinder brauchen diese wichtigen Erfahrungen, den Umgang mit schwierigen Situationen zu erlernen, und die kindgerechte Begleitung dabei. Sie müssen lernen mit dem Geschehenen und den damit verbundenen Gefühlen umzugehen. Vermutlich wird das Kind durchaus verunsichert reagieren, weinen und sich vielleicht auch vorübergehend mit Rückzug oder Aggression verhalten. All das gehört dazu und ist völlig normal. Es geht uns Erwachsenen doch ganz ähnlich bei unbekannten Ereignissen. Und da spreche ich nicht mal vom Tod. Ungewohntes und Neues braucht seine Zeit, um seinen Platz in unserem Inneren zu bekommen. Abschied nehmen von etwas Vertrautem und Liebgewonnen fällt schwer. Die Erwachsenen sind auf diesem Weg wichtige Vorbilder und Begleiter für die Kinder.
A.C.: Wie erleben Kinder im Alter von 0-6 Jahren den Tod? Wie gehen sie damit um?
V.P.: Jedes Kind sollte in seinem eigenen kognitiven und sozial emotionalen Entwicklungsstand gesehen werden und behandelt werden. Jedes Kind hat eine andere Herangehensweise an die jeweilige Situation. Das eine Kind stürmt gleich neugierig und interessiert drauf los und das nächste Kind braucht mehr Begleitung und Erklärung. So erleben auch Kinder den Tod sehr unterschiedlich. Schon in einem Alter von 6 Monaten können Kinder ein verändertes Verhalten an ihren Eltern wahrnehmen und in ihrem eigenen Verhalten spiegeln. Das Bindungsverhältnis ist stark beeinflusst von den Emotionen, die die Eltern aussenden. Vom 6. – 18. Lebensmonat verstehen Kinder erste Ansätze von Trauer, wenn jemand nicht wieder kommt. Sie sehen den Tod jedoch noch als etwas Vorübergehendes an. Sie haben noch keine Vorstellung von der Endlichkeit. Die Person ist weg, sie erwarten deren Wiederkommen.Zwischen 3 bis 5 Jahren kann man mit Kindern bereits über den Tod und dessen Bedeutung sprechen. Die Dauerhaftigkeit des Todeseins erahnen sie aber erst ab 6 Jahren. Sie beginnen dann zu verstehen, dass der Verstorbene nicht mehr wiederkommen wird.Ab 9 Jahren bis zum 12. Lebensjahr verstehen Kinder die Realität des Todes und entwickeln ein normales Interesse an den biologischen Aspekten des Todes. Sie erfragen Einzelheiten zum Sterben, Tod sein und zur Beerdigung.13- jährige entwickeln schließlich eine ähnliche Denkweise und Vorstellung wie der Erwachsene. Während der Trauerbegleitung von Kindern und Jugendlichen ist es wichtig, nur soweit auf Fragen zu antworten, die die Kinder konkret stellen. Kinder und Jugendliche kennen unbewusst ihre eigenen Grenzen. Sie fragen in der Regel nur so viel, wie sie verarbeiten können.Sie brauchen die Chance auf ihre Art und Weise zu trauern und ihre Gefühle entsprechend zeigen zu können. Unterdrückte Trauer macht einsam und hilflos. Daraus können Verlustängste, Wut, Schuldgefühle, verändertes Sozialverhalten, Trennungsängste etc. entstehen. Daher braucht das Kind einfühlsame und feinfühlige Erwachsene, die es in seiner Befindlichkeit begleiten können.
Wenn mich beispielsweise die Tochter einer Freundin anschreibt und fragt, ob es nach 2 Jahren ohne den geliebten Opa in Ordnung ist, dass sie ihn vermisst und auch manchmal weint, dann weiß ich, dass die Eltern vieles richtig gemacht haben. Sie haben ihr Kind wahr und ernst genommen, um es gut begleiten.
A.C.: Wie zeigen Krippen- und Kindergartenkinder ihre Trauer? Was unterscheidet das kindliche Verhalten von dem des Erwachsenen?
V.P.: Wie eben schon erwähnt, leben Kinder ihr Leben neugierig, offen und spontan. Ganzheitlich und gefühlsbetont. Fähigkeiten, die bei Erwachsenen über die Jahre oftmals verloren gegangen sind. Kinder stellen ihre Fragen, weil die Fragen für sie in diesem Moment wichtig sind und sie JETZT eine Antwort haben möchten.Kinder orientieren sich an den Erwachsenen und „lesen“ in Ihnen wie in einem Buch. Sie spüren auch, ob sie ehrliche Antworten bekommen oder ob etwas vor ihnen verheimlicht wird. Trauer ist ein wichtiger und notwendiger Zwischenschritt der Heilung und Verarbeitung des Geschehenen. Trauer heißt, von Gefühlen gepackt, traurig und verzweifelt zu sein, die gemeinsame Zeit mit dem Verstorbenen in Gedanken passieren zu lassen und langsam ein Leben ohne ihn zu gestalten. Durch den schmerzlichen Prozess lösen wir uns von der alten Lebenssituation und finden neue Wege und Möglichkeiten. Kinder stellen manchmal Fragen, mit denen wir nicht rechnen. Sie switchen dann auch schnell wieder um. Wenn wir denken, sie waren gerade noch beim Verlust, sind sie im nächsten Moment schon bei einem ganz anderen Thema. Ja, so ist Kindertrauer. Schnelllebig, sprunghaft und gut. Kinder gehen da mit dem ihnen eigenen kindlichem Humor dran und das sollten wir auch in angemessener Art und Weise mit ihnen tun. In der Trauer sollte auch der Humor einen wichtigen Platz haben. Es ist einfach schön, wenn man über eine Anekdote und eine gemeinsame Erinnerung lachen kann, nicht wahr? (Ende des 1. Teils)
Humor als Schlüssel
Letzterem kann ich nur beipflichten. Auch in der Trauer geht vieles mit Humor leichter. Und wie mein Coaching – Ausbilder Heinrich Fallner immer sagt: „Tiefe muss nicht schwer sein.“
Ich freue mich schon auf den 2. Teil des Interviews mit Vanessa, der morgen erscheint. Darin erfahrt ihr, wie Ihr als pädagogische Fachkräfte trauernde Kinder und ihre Familien unterstützen könnt.
Der Übergang von der Kita zur Schule zählt zu den wichtigsten und bedeutsamsten im Leben eines Menschen. Normalerweise dreht sich für die angehenden Schulkinder seit Ende der Osterferien alles um den bevorstehenden Schuleintritt. In Euren Kitas laufen spezielle Schulkindprojekte und die ersten Kontakte mit den Schulen sind terminiert. Die Vorfreude der Kinder steigt und stolz werden die Tournister vorgeführt.
Doch dieses Jahr ist alles anders. Notbetreuung und Homeschooling bestimmen den Alltag der Kitas und Grundschulen. Die Lehrer*innen sind aktuell damit beschäftigt, ihre Schüler*innen adäquat zu Hause zu begleiten und zu unterrichten. Vermutlich denken viele von ihnen noch nicht an das neue Schuljahr und die Kinder, die kommen. Anders gestaltet sich die Situation bei Euch. Viele von Euch überlegen bereits jetzt, wie der Übergang für die angehenden Schulkinder zu gestalten ist, die in den nächsten Wochen wieder in die Kita zurückkehren und wie es für die Kinder aussehen kann, die aus den unterschiedlichsten Gründen bis zum Sommer nicht mehr in die Kita kommen werden.
Viele Ideen und Alternativen
Im letzten Zoom-Erfahrungsaustausch mit Fachkräften aus der Kita haben wir uns mit dem Übergang von Kita in die Schule beschäftigt. Dabei haben wir folgende Ideen zusammengetragen, um der veränderten Situation zu begegnen:
die Schulkinder als Gruppe in einem Raum betreuen, um das Interesse der Kinder an der Schule gebündelt und spielerisch durch Rollenspiel, Bücher, Gesprächskreise o.ä. aufgreifen zu können
die zu Hause betreuten Kinder an den Angeboten der Kitagruppe über Videokonferenzen, kleinen Filmen vom Alltag und an der Vorbereitung auf die Schule beteiligen
die angehenden Schulkinder, die in der Kita betreut werden und die, die noch zu Hause sind, in gemeinsamen Aktionen zusammen bringen, z.B. durch eine Ausstellung von einlaminierten selbstgemalten Bildern oder Fotos der Tournister am Zaun der Kita
Kindern, Eltern und Kolleg*innen, die nicht in die Kita kommen können oder dürfen, zu einem Besuch am Zaun einladen
mit den Eltern per Telefon, Videokonferenz oder bei einem Spaziergang zu zweit die Entwicklungsgespräche durchführen
in der Schule nachfragen, wie die Überlegungen bzgl. der Aufnahme der Erstklässler aussehen, um ggfs. erste Kooperationsschritte vorbereiten zu können
mit den Kindern Steckbriefe anfertigen, die den zukünftigen Klassenlehrer*innen geschickt werden
den Lehrer*innnen anbieten, eine gemeinsame Videokonferenz mit Eltern und Kindern durchzuführen
die Lehrer*innen bitten, einen kurzen Film über sich und die Schule zu drehen
den Leher*innen vorschlagen, sich mit Hilfe eines Steckbriefs und/ oder Fotos vorzustellen
die Lehrer*innen einladen, sich am Zaun der Kita den angehenden Schulkindern persönlich vorzustellen
mit den Kindern auf den Homepages der Schulen recherchieren, was sie dort erwartet, wie die Schule aussieht und wer da arbeitet
die Eltern bitten, den Schulweg mit den Kindern zu üben und sich die Schule schon einmal von außen anzuschauen
mit den Kindern Ihre Sachen in einen Koffer packen, in kleiner Runde Abschied feiern und einen kleinen Glücksbringer als Erinnerung verschenken
die Kolleg*innen aus dem HomeOffice verabschieden sich per Videokonferenz oder persönlich am Zaun von den Kindern
etc.
Es zählt das, was geht
Wie Ihr seht gibt es einige Alternativen, um die letzten Wochen vor Schuleintritt zu gestalten. Haltet Euch nicht zu sehr damit auf, was Ihr gerne mit den Kindern gemacht hättet, sondern schaut was jetzt geht. Wichtig für die Kinder ist erst einmal, dass Ihr für Sie da seid und Ihre Fragen beantwortet. Sie brauchen so kurz vor dem Übergang möglichst viel Halt, Sicherheit und Orientierung. Stärkt das Gemeinschaftsgefühl in der Gruppe, damit die Kinder sich gegenseitig gut in ihrer gemeinsamen Schulzeit stützen können.
Ich freue mich auf weitere Anregungen und Ideen von euch entweder im Zoom Erfahrungsaustausch oder hier in den Kommentaren.
In vielen Einrichtungen steht jetzt der schrittweise Übergang der älteren Krippenkinder in die Kita bevor. In den reinen Krippen werden diese Kinder das Haus zum Sommer verlassen. In anderen Kitas wechseln die Kinder die Gruppen intern.
Abschied von der Krippe
Durch die Schließung der Krippen und Kitas steht dieser Wechsel unter anderen Vorzeichen als in den vergangenen Jahren. In den Krippen stellt sich beispielsweise aktuell die Frage, ob und für wie lange die Kinder die Krippe noch besuchen werden. Es gilt neue Abschiedsrituale zu entwickeln, die auch für den Fall umsetzbar sind, falls die Kinder nicht in die Krippe zurückkehren. Gemeinsame Eltern-Kind-Aktionen werden in diesem Jahr nicht möglich sein. Die Einrichtungen, die bereits Videokonferenzen in der Elternarbeit einsetzen, können hierüber beispielsweise zu einem gemeinsamen Abschiedskaffee mit den Eltern einladen. Kleine Abschiedsgeschenke, Briefe und Portfoliomappen können nach Hause gebracht oder am Zaun überreicht werden. So entsteht noch einmal ein kurzer persönlicher Kontakt, um sich von den Eltern und Kindern zu verabschieden.
Übergang in die Kita
Bei den Kitas, in denen jetzt zum Sommer für die älteren Krippenkinder ein interner Wechsel ansteht, stellt sich die Frage, ob es noch sinnvoll ist, dass die Kinder in die ursprünglichen Gruppen zurückkehren. Eine Alternative wäre, diese Kinder direkt in den neuen Gruppen einzugewöhnen. Somit hätte das Kind einen Übergang zu bewältigen und nicht zwei innerhalb kürzester Zeit.
Um dem Kind eine gute Brücke für den internen Übergang von Krippe zu Kita zu bauen, ist die Zusammenarbeit und der Austausch aller Beteiligter sehr wichtig. Die aktuelle Ausnahmesituation stellt Euch dabei vor besondere Herausforderungen. Das bestehende Betretungsverbot für die Eltern führt dazu, dass der Umzug des Kindes möglichst außerhalb der Kinderbetreuungszeit stattfinden sollte. Zum Beispiel kann der*die bisherige Bezugserzieher*in mit dem Kind und den Eltern einen Koffer packen und das Kind anschließend in die neue Gruppe begleiten. Dort wird es von dem*der Kollegen*in in Empfang genommen und erobert dann gemeinsam mit den Eltern und dem*der neuen Bezugserzieher*in seinen Gaderobenplatz und die neue Gruppe. Das Kind lernt so im geschützten Rahmen den*die neue Ansprechpartner*in kennen. Am nächsten Tag nimmt er*sie das Kind in Empfang und baut behutsam eine Beziehung zum Kind auf.
Versuch und Irrtum führen zum Ziel
Soweit meine ersten Überlegungen, wie dieser Übergang von Krippe zu Kita gestaltet werden kann. Ich lade Euch zum Querdenken ein, um bestmögliche Lösungen für die Kinder zu finden. Traut Euch auszuprobieren, zu experimentieren und ggfs. die Lösungen wieder zu verwerfen, wenn etwas nicht klappt. Haltet es mit Edison, dem Erfinder der Glühlampe, der gesagt hat: „Ich habe 1000 Wege gefunden wie es nicht geht.“ Dennoch hat er nicht aufgegeben und dabei schließlich die Glühlampe erfunden.
Ich wünsche Euch viele Einfälle und Experimentierfreudigkeit auf Eurem individuellem Lösungsweg. Ich bin neugierig auf das, was Ihr dazu entwickelt und freue mich über Eure Berichte in den Kommentaren.
Aus der Transitionsforschung ist bekannt, wie wichtig gut gestaltete Übergänge für einen Menschen sind. Gerade die Übergänge in den ersten Lebensjahren sind sehr prägend für die weitere Entwicklung. Für viele Eurer Kinder war der Eintritt in Eure Kita die erste Übergangserfahrung. Die meisten dieser Kinder waren vor der Schließung der Kitas gut bei euch angekommen und haben sich wohlgefühlt. Mit der Schließung wurden sie von heute auf morgen aus dem vertrauten Kita-Alltag herausgerissen. Nun zeichnet sich nach gut 8 Wochen ab, dass die Einrichtungen schrittweise wieder geöffnet werden sollen. Dabei bleiben vorerst noch viele Fragen offen, wie die einzelnen Empfehlungen zu Abstandsregelungen, Gruppengrößen, Binnendifferenzierung und Infektionsschutz in die Praxis integrierbar sind. Für viele von Euch bedeutet das, sich von liebgewonnen und oftmals zäh umkämpften pädagogischen Grundsätzen vorerst zu verabschieden. Im Vordergrund steht jetzt erst einmal die Herausforderung, diesen Übergang trotz aller Vorgaben möglichst kindgerecht zu gestalten.
Erste Vorbereitungen
Für einige Kinder wird die Rückkehr in die Kita wie eine neue Eingewöhnung sein. Hinzu kommt, dass durch die veränderten Rahmenbedingungen der ganze Tagesablauf vom Bringen bis zum Abholen den Kindern unbekannt ist. Ihr werdet daher gemeinsam mit den Kindern und Eltern neue Rituale entwickeln müssen.
Deswegen ist es empfehlenswert, wenn Ihr vor dem 1. Tag der Rückkehr der Kinder Kontakt zu den Eltern aufnehmt und mit Ihnen ein Informationsgespräch per Telefon führt. Ähnlich wie beim ersten Aufnahmegespräch geht es hierbei darum, die Eltern über den Tagesablauf bzgl. Infektionsschutzmaßnahmen, Abstandsregelungen, veränderte Bring- und Abholsituationen zu informieren. Hilfreich wäre die Erstellung eines schriftlichen Leitfadens, der den Eltern zusätzlich Orientierung gibt. Mit Hilfe dieses Leitfadens können die Eltern ihre Kinder auf die Veränderungen vorbereiten. Ergänzend könnt Ihr einen Brief mit einem Foto von dem Raum und Euch an die Kinder schicken.
Es ist viel passiert
Für Euch wird es spannend, wie sich die Kinder in den letzten Wochen entwickelt haben. Bei einigen wird es Fortschritte und Weiterentwicklungen geben, in 8 Wochen und mehr passiert eine ganze Menge. Andere haben möglicherweise auch Rückschritte gemacht.
Auf jeden Fall werden die Kinder ganz unterschiedlich bei Ihrer Rückkehr in die Kita reagieren:
da gibt es Kinder, die sich freuen, endlich wieder mit anderen Kindern spielen zu können und Anregungen außerhalb der Familie zu bekommen
andere werden sich nur ungerne von den Eltern lösen und trennen nach dieser langen Zeit der ungeteilten Aufmerksamkeit
einige Kinder werden verängstigt und verunsichert zurückkehren
etc.
Fragen an die Eltern
Um die Kinder da abzuholen, wo sie jetzt stehen, bietet es sich an, einen neuen Anamnesebogen zu entwickeln. In diesem Fragebogen könnt Ihr bei den Eltern folgende Informationen erfragen:
Wie haben Sie und Ihr Kind die letzten Wochen erlebt?
Wie haben Sie und Ihr Kind die Zeit miteinander verbracht?
Weiß Ihr Kind, warum es nicht in die Kita kommen konnte?
Haben Sie mit Ihrem Kind über Corona gesprochen? Was weiß Ihr Kind darüber?
Äußert oder zeigt Ihr Kind Ängste, die mit Corona in Verbindung stehen?
Haben Sie an Ihrem Kind Verhaltensveränderungen beobachtet, die für uns wichtig sein könnten?
Welche Entwicklungsschritte hat Ihr Kind in den letzten Wochen gemacht? Was hat es dazu gelernt?
Freut sich Ihr Kind drauf, wieder in die Kita zu kommen?
Worauf freut sich Ihr Kind am meisten?
Wie, vermuten Sie, wird sich Ihr Kind bei der Trennung verhalten?
Welche neuen Rituale können wir gemeinsam finden, um die Verabschiedung in der veränderten Bringsituation zu gestalten?
Welches Übergangsobjekt kann dieses Ritual unterstützen?
etc.
Mit Hilfe dieser Fragen werdet Ihr einen guten Übergang für das Kind gestalten können. Bei allen Vorgaben und Empfehlungen sollte auf jeden Fall die Befindlichkeit des Kindes Vorrang haben. Entwickelt von vornherein einen Plan B, falls ein Kind sich nicht an der Tür von den Eltern verabschieden kann. Das Betretungsverbot für Eltern lässt Ausnahmen in Notfällen zu. Macht Gebrauch davon, um die Kinder nicht unnötig mehr zu belasten und zu verunsichern.
Und dann erst einmal Ankommen
Schaut, was den Kindern gut tut und Sicherheit gibt. Lasst die Kinder möglichst viel spielen, ermöglicht Ihnen viel Berwegung an der frischen Luft und schafft überschaubare Tagesstrukturen. Seid aufmerksam für die Sorgen und Ängste einzelner Kinder und beantwortet aufkommende Fragen nach Bedarf.
Nehmt Euch in den nächsten Wochen Zeit für das gemeinsame Ankommen. Ich wünsche Euch einen guten Start in eine neue Normalität.
Am 14.05.2020 gibt es einen weiteren Zoom Erfahrungsaustausch für Leitungskräfte. Dort wollen wir den Wiederbeginn mit Kindern, Eltern und Team reflektieren und gemeinsam weitere Ideen entwickeln.
Am 20.05.2020 findet dieser Erfahrungsaustausch wieder für pädagogische Fachkräfte statt.
Ab sofort könnt Ihr Euch über das Kontaktformular oder durch eine Email an: anjacantzler@t-online.de dazu anmelden.
Mittlerweile arbeitet Ihr seit 7 Wochen unter veränderten Rahmenbedingungen. Die meisten von Euch dürften das „Tal der Tränen“ (s. Blogbeitrag „Die Veränderungskurve“) hinter sich gelassen haben. Jetzt heißt es gemeinsam wieder nach vorne zu schauen und Wege finden, wie die nächsten Wochen in der Zusammenarbeit mit Kindern, Eltern und Teamkolleg*innen gestaltet werden können. Ausprobieren, experimentieren und gefundene Lösungen wieder verwerfen, werden Euren Alltag prägen. Dafür braucht Ihr viel Kreativität, Flexibilität und Energie.
Erfolge wahrnehmen
Um Eure Motivation für diesen Prozess aufrecht zu erhalten, ist es wichtig und hilfreich, dass Ihr Eure Erfolge im Team wahrnehmt und wertschätzt. Erfahrungsgemäß wird viel zu sehr das fokussiert, was in diesen Prozessen gerade nicht geht oder was nicht funktioniert hat. Als Coach und Supervisorin bitte ich Euch, bewusst Eure ressourcen- und lösungsorientierte Brille aufzusetzen. Fragt Euch am Ende eines Tages bzw. am Ende einer Woche:
Was habt Ihr als Teammitglied/ als Team geschafft und erreicht?
Was ist Euch gelungen?
Was hat dazu beigetragen, dass Ihr das geschafft habt?
Welche Stärken und Kompetenzen habt Ihr als Teammitglied/ als Team gewinnbringend eingebracht?
Was lernt Ihr für den weiteren Prozess daraus?
Was kann Euch davon für den weiteren Weg bzw. Prozess hilfreich sein?
Mit Hilfe dieser Fragen konzentriert Ihr Euch auf Eure Erfolgsanalyse. Ihr begebt Euch mit dem Team auf Schatzsuche zu den besonderen Ressourcen und Kompetenzen, die Euer Team ausmachen. Diese werden zu Eurer Basis, um nach dem Motto „Wenn etwas gelingt, mach mehr daraus.“ zu handeln. Euer Team konzentriert sich damit zunehmend auf das was möglich ist. Somit löst Ihr Euch zunehmend von den blockierenden Gedanken, was alles nicht geht. Ungeahnte Wege tun sich auf, Ihr kommt ins aktive Handeln und entwickelt gemeinsam gangbare Lösungen. Dadurch spürt Ihr in diesem Prozess die eigene Selbstwirksamkeit, d.h. Ihr macht die Erfahrung, dass Ihr mit Eurem Handeln die Ausgestaltung der pädagogischen Arbeit im vorgegebenen Rahmen selbst gestallten und beinflussen könnt.
Erfolge dokumentieren
Mit einem „Erfolgsbuch“ könntet Ihr dann Eure Erfolge dokumentieren. Darin sammelt Ihr diese für Euch bzw. im Team täglich oder einmal die Woche unter den folgenden Fragestellungen:
Was ist Euch gut gelungen?
Was hat Euch glücklich gemacht?
Wofür seid Ihr besonders dankbar?
Was ist Euer Ziel für den kommenden Tag/ für die kommende Woche?
Ein solches Erfolgsbuch verdeutlicht Euch Stück für Stück, das was Ihr bereits gemeinsam geschafft und erreicht habt.
Erfolge feiern
Abschließend möchte ich Euch dazu einladen, diese Erfolge zu wertschätzen und angemessen zu feiern. Auch in Zeiten wie jetzt, in denen Ihr nicht immer alle in der Einrichtung am selben Ort seid, gibt es viele Möglichkeiten, Eure kleinen und großen Erfolge zu feiern, z.B. mit:
einem Bild von Sektgläsern oder einem Feuerwerk, das Ihr den Kolleg*innen per WhatsApp zusendet
einem netten Telefonat, wo Ihr Euch bei den Kolleg*innen bedankt
einer gemeinsamen Videokonferenz, bei der Ihr zusammen Kaffee trinkt
einem Gutschein für eine Kugel Eis
einem Dankesbrief per Email
o.ä.
Ihr findet bestimmt schöne, für Euch passende Rituale, die auch nach dieser herausfordernden Zeit in veränderter Form fortgesetzt werden können. Das gemeinsame Feiern Eurer Erfolge bringt Euch auf jeden Fall als Team näher zusammen und stärkt das Wir-Gefühl.
Für Heute wünsche ich Euch einen schönen 1. Mai
Eure Anja
Zur Erinnerung:
Heute Donnerstag, den 30.04.2020, von 14.30 – 16.30 Uhr treffen wir uns zu einem live Zoom Meeting zum Thema: Wieder-Eingewöhnung, Beziehungsgestaltung und Wiedereinstieg in der Notbetreuung und nach dem Lockdown(kostenfrei). Wie geht es jetzt weiter, wenn wieder vermehrt Kinder in die Kita kommen? Was erwartet Euch? Wie werden die Kinder reagieren? Wie könnt Ihr an die Beziehung wieder anknüpfen?
Anmeldung per Email: anjacantzler@t-online.de bis zum 29.04.2020 um 12.00 Uhr
Nach der Anmeldung schicke ich Euch die Zugangsdaten, damit Ihr Euch in das Meeting einloggen könnt.
Weitere Termine zum Vormerken: Mittwoch, 20.05.2020 und Donnerstag, 18.06.2020 jeweils 14.30 – 16.30Uhr
Um diese Website zu betreiben, verwende ich Cookies. Einige Cookies sind erforderlich, damit die Website funktioniert (funktionale Cookies), andere brauchen ich für meine Auswertung (Statistik), um meine Inhalte zu optimieren und andere helfen mir, dir nur die Werbung anzuzeigen, die dich interessiert. Weiteres findest du in meine Datenschutzerklärung.
Funktional
Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.
Neueste Kommentare