Seit Dezember geistern verschiedene Begrifflichkeiten durch die Medien und Social Media: von „Kitas und Kindertagespflege sind geschlossen“, „Notbetreuung“, „eingeschränkter Pandemiebetrieb“ verbunden mit dem Appell an Eltern, ihre Kinder möglichst zu Hause zu betreuen. In der Öffentlichkeit wird oftmals der Eindruck vermittelt, das die Kindertagesbetreuung geschlossen sei. Die Realität sieht in vielen Kitas und Kindertagespflegestellen jedoch ganz anders aus.
Der Fluch des Föderalismus
In den seltensten Fällen gibt es klare Vorgaben für die Kindertagesbetreuung und jedes Land handhabt es totz Absprache komplett unterschiedlich. So wachsen Verunsicherung, Frust und Wut auf Seiten vieler Pädagogischer Fachkräfte. Auf der anderen Seite versuchen sich Eltern durch dieses Wirrwarr hindurch zu kämpfen und Lösungen für Ihre persönlichen Situationen zu finden.
So kommt was kommen muss: jede*r legt es anders aus und dadurch entstehen Interessenskonflikte zwischen Pädagogischen Fachkräften und Eltern. Die Politik überlässt Kita-Leitungen, Fachkräften, Tagespflegepersonen und Eltern das Thema vor Ort auszutragen.
Vorprogrammierte Interessenskonflikte
In der Praxis treffen dann zum einen Pädagogische Fachkräfte,
die trotz schwach besetzter Gruppen, komplett vor Ort sein müssen und dadurch unnötig einer Infektionsgefahr ausgesetzt sind
die in bis zu 90% voll besetzten Gruppen arbeiten, obwohl aus ihrer Sicht, einige Eltern die Betreuung gar nicht bräuchten und das Handeln der Eltern als Respektlosigkeit bewerten
in deren Gruppen Personalmangel herrscht, weil Kolleg*Innen dem Risikogruppen angehören und schon seit Monaten nicht vor Ort arbeiten
die selbst Eltern sind und Kinder zu Hause oder im Homeschooling zu betreuen haben
mit ihren Sorgen und Nöten um die tägliche Bedrohung ihrer Gesundheit, weil die Nähe zu den Kindern ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit ist
die schon mehrfach Quarantäne durchstehen mussten, weil ein Infektionsfall in der Kita aufgetreten ist
die sich bereits angesteckt haben und die Erkrankung mehr oder weniger glimpflich überstanden haben
…
auf Eltern,
die sich zwischen Homeoffice und Homeschooling zermürben
die psychisch belastet sind und sich eine Auszeit herbei sehnen
die sich strikt an die Regeln halten und ihren Kindern zumindest den Kindergarten nicht vorenthalten wollen
die mit ihren Kindern zu Hause aus unterschiedlichsten Gründen ge- und überfordert sind
die es auf engstem Raum mit dem sehr lebendigen Kind nicht mehr aushalten
die in einer Schwangerschaft für ein paar Stunden Kraft ohne Kind tanken möchten
…
Im Gespräch bleiben
Vielerorts gerät dadurch die viel gepriesene Bildungs-und Erziehungspartnerschaft auf den Prüfstand. Es entsteht ein Gegeneinander anstatt zu sehen, dass weder Eltern noch Pädagogische Fachkräfte für die Folgen dieser politischen Nicht-Entscheidungen vor Ort die Verantwortung tragen. Das einzige, was jetzt zielführend ist, ist miteinander im Gespräch zu bleiben, sich gegenseitig ernst zu nehmen und nicht ständig dem jeweils Anderen zu unterstellen, nur zu seinem Vorteil zu handeln. Ich habe schon zu Beginn der Pandemie über das Prinzip des Guten Grundes einen Blogbeitrag geschrieben, auf den ich an dieser Stellen auf jeden Fall nochmal verweisen möchte.
Ergänzend ist gerade ganz neu ein Kita-Talk mit Fea Finger (stellvertretende Kita-Leitung, Empathie- und Resilienztrainerin) mit dem Titel: „Achtung vor Eltern in der Pandemie“ erschienen.
Bitte bleib mit den Eltern über Deine und deren Gefühle und Bedürfnisse im Gespräch. Sei weiterhin so engagiert mit den Kindern, um sie möglichst achtsam und gut durch diese unruhige Zeit zu begleiten. Die Kinder vor Ort haben ein Recht auf eine schöne Zeit in der Einrichtung und die anderen haben ein Recht darauf, dass Du auch weiterhin mit Ihnen im Kontakt bleibst. Zieh Dich bitte nicht zurück, sondern geh jetzt erst Recht in den Kontakt mit Eltern – mit denen die zu Hause bleiben, genauso wie mit denen, die ihre Kinder bringen. Ich bin der Überzeugung, dass die wenigsten sich ihre jeweilige Entscheidung wirklich leicht gemacht haben.
Verantwortung der Erwachsenen
Fea hat mich übrigens in dem KitaTalk gefragt, was ich glaube, was diese Pandemie mit den Kindern macht und ob eine traumatisierte Generation daraus hervorgehen wird. Meine Antwort darauf ist, dass diese Generation bestimmt Erfahrungen mitnimmt, die Entwicklung der Persönlichkeit beeinflussen werden. Trotzdem muss diese Generation nicht zwangsläufig traumatisiert sein.
Dafür sind wir Erwachsenen jedoch grundlegend mitverantwortlich. Die Kinder brauchen von uns jetzt Stabilität und Sicherheit. Dazu gehört auch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eltern. Vielleicht hilft es Dir ja, wenn Du Dir vor Augen führst, dass auch die Eltern, sich diese Situation nicht ausgesucht haben. Sie versuchen genau wie Du, für sich und ihre Kinder bestmöglich zu sorgen, um diese Zeit zu überstehen.
Starke Erwachsene für starke Kinder
Für dich persönlich kann es hilfreich sein, sich ehrlich mit Deinen eigenen Sorgen, Ängsten und Nöten auseinanderzusetzen. Entdecke Deine Kraftquellen und tausch Dich mit den Kolleg*innen und Freund*innen aus. Hol Dir gegebenfalls Hilfe und Unterstützung von außen z.B. bei Beratern, Coaches oder Supervisor*innen.
Ein weiterer Beitrag, an den ich Dich in diesem Zusammenhang auch erinnern möchte, ist bereits letztes Jahr erschienen. In „Zwischen Empathie und Selbstfürsorge“ wirst Du daran erinnert, was Du tun kannst, um immer wieder auch gut für Dich zu sorgen. Und bei aller Schwere der Zeit, vergesst nicht zu Lachen. In meiner Küche steht immer noch das Metallschild: „Wenn wir lachen, stirbt irgendwo ein Problem!“ Ich glaube zwar nicht, dass wir die Pandemie so einfach weglachen können, ich bin aber der Überzeugung, dass wir das Ganze mit einer guten Portion Humor um Längen besser durchstehen.
Vertrau darauf, dass auch in dieser Krise das Licht am Ende des Tunnels wieder auftauchen wird. Glücklicherweise werden schon bald die Tage wieder länger und mit dem beginnenden Frühling wird die Stimmung und unsere Zuversicht weiter aufblühen und wachsen.
Ich wünsche Dir noch viel Kraft für und in der Krise
Deine Anja
Wenn Du individuelle Unterstützung in dieser Krise brauchst, stehe ich jederzeit online zur Verfügung. Nimm einfach Kontakt mit mir auf, in einem Erstgespräch können wir dann alles weitere besprechen.
Es liegen verrückte und herausfordernde Monate hinter Dir und weiterhin bestimmt die Pandemie Dein und unser aller Leben.
Es ist viel passiert, was vor 1 Jahr noch undenkbar gewesen wäre: Schließung der Kitas und Tagespflege, Pädagogische Fachkräfte zwischen Homeoffice und Notbetreuung, pädagogischer Alltag auf Abstand und von Hygieneregeln dominiert, Betretungsverbote für Eltern, Kommunikation per Videokonferenzen u.v.m. Und wie so häufig liegen auch hier Herausforderungen und Chancen nah beieinander. Viele Pädagogische Fachkräfte Teams haben in den vergangenen Monaten viel gemeinsam geschafft und geleistet.
Das Kita-Team als Ameisenvolk
Spontan muss ich hierbei an ein Ameisenvolk denken. Viele Teams sind gut mit einem Ameisenvolk vergleichbar.
Ameisen haben im Wald eine wichtige Aufgabe und ohne sie würde das Ökosystem zusammen brechen. Sie sind gut organisiert und jede Ameise weiß ganz genau, was sie zu tun hat. Dabei ist sie in der Lage, ein Vielfaches ihres eigenen Gewichtes zu stemmen. Ameisen arbeiten im Team, um eine Aufgabe zu bewältigen. Darüberhinaus verbessern Ameisen durch ihr Tun, das Lebensumfeld und schaffen eine Umgebung, in der Pflanzen besser wachsen und gedeihen können. Sie beherbergen Ameisen andere Käfer und Insekten in ihrem Ameisenbau und versorgen diese.
Die Wichtigkeit der Kinderbetreuung
Aber bevor ich diesen Vergleich überstrapaziere, ist in den vergangenen Monatenauf jeden Fall sehr deutlich geworden, wie wichtig Kita und Kindertagespflege für Kinder, Eltern und Gesellschaft aus den unterschiedlichsten Gründen sind. In diesem Kontext ist von Dir und Deinen Kolleg*innen viel abverlangt worden. Immerwieder kamen veränderte Situationen und Anforderungen auf Dich zu und nicht immer wurde danach gefragt, wie es Dir gerade geht oder ob Du das alles mit Deiner eigenen Situation vereinbaren kannst. Die eigenen Bedürfnisse, Ängste und Sorgen musstest Du manches Mal zurückstellen. Für Kinder und Eltern galt und gilt es mit viel Kraft und Zuversicht, Sicherheit und Halt zu geben. Trotz eigener Sorgen und Ängste bist Du ein wichtiger Leuchttum und gibst Orientierung. Du beobachtest die Kinder, setzt Dich für ihre Bedürfnisse ein und versuchst Ihnen eine möglichst schöne Zeit zu bereiten. Du hälst trotz Abstand Kontakt zu den Eltern.
In meinem aktuellen YouTube KitaTalk „Kraft für die Krise“ mit Sandra Warsewicz von der „Werkstatt für gute Gedanken“, sagt sie etwas sehr Wichtiges und Einprägsames. Sie macht darauf aufmersam, dass das wertvollste Werkzeug, mit dem Du als Pädagogische Fachkraft arbeitest, Du selbst bist. Und gerade weil das so ist, besteht schnell die Gefahr, dass Du Dich selbst in dieser Arbeit abnutzt.
Was Du gerade dafür brauchst, ist eine große Portion Resilienz und Selbstfürsorge.
Was ist Resilienz?
Resilienz beinhaltet zunächst einmal die Stärke mit Krisensituationen kompetent umzugehen. Das Wort kommt ursprünglich aus dem lateinischen und heißt soviel wie „abprallen“. Auch in der Physik wird von Resilienz gesprochen, dort beschreibt Resilienz eine elastische Substanz, die selbst nach starker Deformation von selbst wieder in den ursprünglichen Zustand zurückkehrt. In der Psychologie und Pädagogik versteht man unter Resilienz eine seelische Widerstandskraft.
In dieser Pandemie musst Du gerade eine Menge von Dir abprallen lassen und trotz ständiger Einwirkungen und Anforderungen von außen weitermachen.
Manchen von uns ist diese seelische Widerstandskraft von Anfang an in die Wiege gelegt worden. Andere müssen sie erst entwickeln. Grundsätzlich kann man Resilienz in jedem Alter auf- und ausbauen. Resiliente Menschen gelten als fröhlich, ausgeglichen, kreativ und anpassungsfähig. Sie verfügen über eine innere Zuversicht, einen starken Charakter und ein tragendes soziales Netz.
Die 7 Säulen der Resilienz
Es werden 7 Säulen benannt, aus denen sich die menschliche Widerstandskraft zusammensetzt. Je mehr von diesen einzelnen Säulen Dir zur Verfügung stehen und um so stärker die einzelnen Säulen ausgeprägt sind, umso unbeschadeter wirst Du durch diese andauernde Krise gehen und gleichzeitig den Kindern und Eltern Sicherheit, Kraft und Zuversicht in stürmischen Zeiten geben können.
Optimismus
Als optimistischer Mensch lässt Du Dich sich selbst in schwierigen Lebenslagen nicht unterkriegen. Du handelst nach dem Prinzip: „Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“ (Oscar Wild)
Um Optimismus aktiv in Dir zu erzeugen, schau auf das positive um Dich herum und was Dir auch in diesen schwierigen Zeiten gerade gut gelingt. Mach Pläne für die Zeit nach der Pandemie und freu Dich auf das, was wieder kommen und möglich sein wird.
Vergiss den Humor nicht. Es gibt wundervolle Bücher mit lustigen Kinderzitaten, die förmlich dazu einladen, mal wieder herzhaft und unbeschwert zu lachen. Schenk Dir jeden morgen ein bewusstes Lächeln im Spiegel. Zur Erinnerung kannst Du Dir ein Post It mit der Frage: „Heute schon gelacht?“ an den Spiegel kleben. Vertiefend zum Thema: „Mit Humor geht alles leichter“ habe ich bereits im 1. Lockdown einen Blogbeitrag veröffentlicht.
Akzeptanz
Als resilienter Mensch siehst Du den Dingen ins Auge und akzeptierst die Situation, so wie sie ist. Dadurch bist Du in der Lage, die anstehenden Probleme in Angriff zu nehmen.
Lösungsorientierung
Als resiliente Persönlichkeit lässt Du Dich auch in problematischen Situationen nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Du nimmst Probleme als Herausforderung an. Anstatt „warum trifft es gerade mich?“, fragst Du Dich, „was kann ich jetzt tun, um aus dieser Situation wieder herauszukommen?“.
Raus aus der Opferrolle
Als resilienter Mensch verabschiedest Du Dich von der Opferrolle. Du denkst darüber nach, was Du selbst zur Situationsveränderung beitragen kannst. Du weißt, dass wenn Du Dich zu sehr selbst zu bedauerst, dies eher selbstverletzend wirkt und es den Weg nach vorne zu sehen verbaut.
Verantwortung übernehmen
Übernimm Verantwortung für Dich und Andere. Überlege, was Dir gut tut und wie Du dies Dir selbst erfüllen kannst. Such nicht nach Anerkennung im Außen, gib Dir selber Anerkennung aus Dir selbst heraus. Achte Dich selbst und sorge gut für dich, damit Du immer wieder Kraft schöpfen kannst. Denn nur wenn Du selbst gut für Dich sorgst, kannst Du gut für andere sorgen. Vertiefend findest Du hierzu einen weiteren Blogbeitrag aus dem Frühjahr: Balance zwischen Empathie und Selbstfürsorge. Dort kannst Du auch kostenfrei ein Selbstfürsorgekärtchen für Dich zur Erinnerung herunterladen.
„Wenn immer alle nur meckern, dann können wir so was wie Corona halt nicht mehr machen.“ – dieses Zitat fand ich vor kurzem auf einer Postkarte. Tja, wenn es immer so einfach wäre, aber im Moment können wir diesen Zustand nicht einfach abstellen. Trotzdem können wir alle ein Stück zur Verbesserung beitragen, indem wir verantwortlich uns an bestimmte Vorgaben halten. Ich bin davon überzeugt, wenn jede*r von uns sich einfach mal etwas zurück nimmt, dann bekommen wir diese Pandemie um so schneller in den Griff. Die Einschränkungen sind lästig und blöd, aber mal Hand aufs Herz: ich für mich möchte nicht für den Rest meines Lebens verantworten müssen, dass durch meinen Leichtsinn oder Egoismus andere Menschen zu Schaden gekommen sind.
Netzwerke aufbauen und pflegen
Gerade ist es wieder an der Zeit sich auf seine sozialen Netzwerke zurückzubesinnen. Sich anderen Menschen anzuvertrauen und engere Bindungen einzugehen kann das eigene Selbstwertgefühl massiv steigern und dazu beitragen Krisen gelassener zu überstehen. Wer Freunde und gute Kolleg*innen im Hintergrund hat, die wie ein Fels in der Brandung hinter einem stehen, erlangt innerer Stärke.
Nutz die Gelegenheit und schau, wer Dir eine wichtige und wertvolle Stütze in den letzten Monaten war. Bedanke Dich bei diesen Menschen, in dem Du Ihnen sagst: Schön, dass es Dich gibt. Danke, dass Du für mich da bist.
Wo ist Dir trotz Distanz gelungen Nähe zu pflegen? Bei mir ist da eine ganze Menge positiv passiert – gestern noch habe ich mich mit zwei sehr nahestehenden Freundinnen per Zoom zum gemeinsamen Glühweinabend getroffen. Mein Mann und ich haben viel Zeit auf gemeinsamen Spaziergängen verbracht. Durch meine ersten zaghaften Schritte ins World-Wide-Web mit Instagram und Facebook bin ich Teil ein neues, tollen Pädagogen- Netzwerks geworden. Menschen, die wie ich alle das gleiche Ziel verfolgen: Andere Menschen – jedweden Alters – achtsam und bedürfnisorientiert zu begleiten, damit diese ihre ganz individuellen Ressourcen und Potenziale entfalten können.
Zukunft planen
Schließlich geht jede Krise vorbei- früher oder später. Deswegen solltest Du schon jetzt damit beginnen, Deine Zukunft planen.
Ein neues Jahr steht vor der Tür und ich blicke mit Zuversicht in die Zukunft. 2021 steht unter dem Stern vieler neuer Ideen und Projekte und Du wirst auch weiterhin in diesem Blog von mir hören. Privat freue ich mich darauf, wenn die Theater wieder verlässlich geöffnet haben und ich dem vielfältigen Kulturvergnügen wieder fröhnen kann. Desweiteren hoffe ich auf einen wundervollen Urlaub auf Madeira. Und mein Mann plant gerade eine große Fernreise für die Zeit, wenn das reisen wieder gehen wird. Es gibt viele kleine und große Pläne auf die ich mich schon jetzt freue, weil ich weiß, dass es eine Zeit geben wird, wann das alles wieder möglich ist.
Deswegen schreib Dir eine Liste, was Du auf jeden Fall machen möchtest, wenn die Pandemie wieder im Griff ist. Worauf freust Du Dich am meisten? Vielleicht hast Du ja Lust, mir darüber in den Kommentaren zu berichten.
Für deine Arbeit gilt ganz Ähnliches. Am besten legst Du Dir mit Deinen Kolleg*innen schon heute eine „Schatzkiste“ an, wo all das hinein kommt, dass Euch in der pädagogischen Arbeit wichtig ist und was Ihr wieder re-aktivieren wollt, sobald es wieder möglich ist.
Jede Krise stärkt
Nicht alles ist schlecht an so einer Krise. Das Leben verläuft nicht immer so wie wir uns das vorstellen. Und gerade diese Pandemie hat unser aller Leben ganz schön durcheinander geworfen.
Trotzdem ist nicht alles schlecht, was wir in den letzten Monaten erlebt und erfahren haben. Begib Dich auf Schatzsuche und schau, was Du Gutes mit aus dieser Zeit nimmst.
Grundsätzlich hat Jede*r von uns Einfluss darauf, wie er*sie diese Krise erlebt und im Nachhinein bewertet. Mit der entsprechenden Haltung haben wir alle die Chance, gestärkt aus dieser Krise hervorzugehen.
Erfolge und eben auch Misserfolge begleiten uns unser ein Leben lang. Und auch wenn nicht immer alle 7 Säulen gleichermaßen gegeben sind, Du hast die Chance Tag für Tag ein bisschen mehr dazu zu gewinnen und aufzubauen.
In diesem Sinne wünsche ich Dir von ganzem Herzen eine besinnliche und erholsame Weihnachtszeit und komm möglichst gesund ins Neue Jahr.
Deine Anja
P.S. Hier kannst Du den KitaTalk mit Sandra Warsewicz in voller Länge anschauen:
Folgende Situation kennst Du bestimmt aus Deiner Praxis: ein neues Kind kommt jeden Tag mit seinem kleinen Teddy „Kuschel“ in die Kita. Kuschel hat den Auftrag, solange das Mädchen in der Kita ist, gut auf sie aufzupassen. Und so begleitet Kuschel sie in den ersten Tagen und Wochen der Trennung durch den Kita- Alltag. Kuschel ist zunächst überall mit dabei. Erst nach und nach kann Kuschel von einem Regal zuschauen und später wird er nur noch in ganz besonderen Situationen dazu geholt z.b. wenn das Mädchen sehr traurig oder müde ist. Beim Schlafen hat Kuschel seinen festen Platz im Bett des Mädchens.
Was diesem Mädchen ihr Teddy Kuschel ist, ist für andere Kinder der Schnuller, eine Puppe, das Schmusetuch, ein spezielles Spielzeug oder ein anderer besonderer Gegenstand. Alle hier aufgezählten Dinge haben eins gemeinsam: sie dienen den Kindern als sog. Übergangsobjekte und geben Halt in schwierigen Situationen.
Wofür sind Übergangsobjekte wichtig?
Als Übergangsobjekte wählen Kinder Gegenstände, die eine besondere Bedeutung für sie haben. Donald W. Winicott (engl. Kinderarzt und Psychoanalytiker) hat herausgefunden, dass diese Objekte in der frühen Mutter-Kind-Beziehung als Symbol für die Einheit von Mutter und Kind stehen. Demzufolge werden Übergangsobjekte etwa ab den 6. Lebensmonat für Kleinkinder bedeutsam. Ein Übergangsobjekt tritt in Abwesenheit der Eltern an Stelle der oralen und emotionalen Befriedigung, die das Kind sonst von ihnen erhält. So wird ein Übergangsobjekt zum vorübergehenden Ersatz für die abwesenden Bezugspersonen und bietet dem Kind Schutz, Sicherheit, Halt und Geborgenheit. Das Objekt hilft ihm, die Abwesenheit seiner Bezugspersonen besser zu meistern.
Gerade zu Beginn der Eingewöhnungszeit tragen viele Kinder ihre Übergangsobjekte wie Begleiter den ganzen Tag mit sich herum, andere greifen nur in schwierigen Situationen darauf zurück. Mit zunehmendem Alter verlieren einzelne Übergangsobjekte i. d. R. an Bedeutung.
Aber mal Hand aufs Herz. Hast Du vielleicht auch heute noch irgendeinen Glücksbringer oder Gegenstand in Deiner Mantel- oder Hosentasche? Hilft es Dir, ein besonderes Kleidungsstück zu tragen, wenn Du vor neuen Situationen stehst? Oder beruhigt Dich ein bestimmter Geruch, der Dich an Deine Kindheit erinnert? Dann kannst Du die Kinder gut verstehen, wie wichtig und wertvoll ihre Lieblings“objekte“ für sie sind.
Wissenswertes über Übergangsobjekte in der Kita
Die Entscheidung für ein Übergangsobjekt ist eine sehr persönliche und individuelle Wahl eines Kindes. Es entscheidet sich für einen bestimmten Gegenstand entsprechend seiner Vorlieben und Bedürfnisse. Für das emotionale Wohlbefinden des Kindes ist es daher wichtig, dass Du und andere Erwachsene diese Entscheidung bedingungslos akzeptieren. Das ist in der Praxis nicht immer ganz einfach, da die gewählten Übergangsobjekte z.B. das harte, kantige Spielzeugauto oder das nicht mehr besonders ansehnliche, abgewetzte Kuscheltier nicht zwangsläufig Deinen Erwachsenenvorstellungen und ästhetischen Ansprüchen entspricht.
In der pädagogischen Praxis bedarf es feinfühliger Pädagogischer Fachkräfte, die um die Bedeutung von Übergangsobjekten für Kinder wissen und diese Objekte in der täglichen Arbeit als wesentliche Brücke zu den jeweiligen Bindungspersonen des Kindes begreifen und zulassen können. Übergangsobjekte haben einen unschätzbaren emotionalen Wert für ein Kind. Daher sollten wir Erwachsene – Pädagogische Fachkräfte, Eltern und andere Bezugspersonen – diese einem Kind niemals wegnehmen bzw. verwehren. Ein solches Tun kann ein Kind in eine emotionale Krise versetzen und gewachsene Bindungen gefährden. Aus Erfahrung weißt du sicherlich, dass sich mit der Zeit die Gelegenheit bietet, gemeinsam mit dem Kind im Dialog zu überlegen, ob das Übergangsobjekt zwischendurch von einem Regal aus zuschauen oder sogar in der Garderobe bzw. im Bett auf das Kind warten kann. In jedem Fall sollte dem Kind sein Übergangsobjekt jederzeit und je nach Bedürfnis frei zugänglich sein. Es liegt im Ermessen des Kindes, ob und wann es sein Übergangsobjekt braucht. Erinnerst Du Dich eventuell daran, ob es in Deiner eigenen Kindheit geliebte Teddys, Puppen, Schmusedecken oder Spielzeuge gab, die eine wichtige emotionale Funktion und Bedeutung für Dich hatten? Bei mir war es ein alter recht harter Teddy namens „Fritz“. Fritz hat mich viele Jahre durch meine Höhen und Tiefen begleitet und war stets ein sehr geduldiger Zuhörer und ein fantastischer Tröster. Und bei Dir? Deine Reflexion hierüber ist ein wichtiger Ausgangspunkt, um das Bedürfnis des Kindes besser nachvollziehen zu können. Manchmal ist es hilfreich, auch mit den Eltern über diese Fragestellung in den Dialog zu kommen, denn erfahrungsgemäß stehen nicht alle Eltern hinter der Wahl und Entscheidung ihrer Kinder für ein bestimmtes Übergangsobjekt.
Schwere Zeiten für Übergangsobjekte
Aktuell sind für die begleitenden und brückenbauenden Übergangsobjekte schwere Zeiten angebrochen. Deine pädagogische Praxis ist trotz der Rückkehr zum Regelbetrieb weiterhin durch Hygienevorschriften geprägt. In einigen Kitas und Tagespflegestellen sollen daher die Kinder möglichst wenige Gegenstände zwischen Elternhaus und Kita hin und her tragen, um eine Infektionsübertragung zu vermeiden. Bei Übergangsobjekten ist hier auf jeden Fall eine Ausnahme zu machen, da sie den Kindern eindeutig die Trennung von den Eltern erleichtern. Diese hilfreiche Unterstützung darf auf keinen Fall den Hygienevorschriften zum Opfer fallen. An anderer Stelle wiederum wird empfohlen, die Objekte mindestens zweimal die Woche zu reinigen und zu desinfezieren. Mit einem Schnuller wird dies automatisch gemacht und das geliebte Spielzeugauto zu desinfezieren ist sicherlich möglich. Problematischer ist diese Empfehlung bei Kuscheltieren oder Schmusetüchern, deren spezifischer Geruch an zu Hause erinnert. Meines Erachtens bietet ein fester Platz für das Übergangsobjekt eventuell in Form einer sog. „Ich-Box“ Abhilfe für dieses Dilemma. Durch die feste Zuordnung, wohin und zu wem das Übergangsobjekt gehört, wird das Weiterreichen der Objekte unter den Kindern minimiert. Was sich genau hinter der Ich-Box verbirgt, verrät Dir Mareike Paic im nächsten Blog-Beitrag. Ich freue mich, Mareike ein weiteres Mal für einen Gastbeitrag gewonnen zu haben, Das erstemal hat sie hier ihre Gefühlsuhren vorgestellt.
Beim Reinigen und Desinfizieren eines Übergangsobjektes kannst Du das Kind auch spielerisch miteinbeziehen. Die Kinder erleben zur Zeit, das Händewaschen und die Desinfektion zum Alltag gehören. Im Rollenspiel kannst Du oder die Eltern mit den Kindern gemeinsam die Kuscheltiere, Schmusetücher und andere Spielzeuge reinigen. So erlebt das Kind mit, was mit seinem Lieblings-„objekt“ passiert und bekommt eine nachvollziehbare Erklärung dazu.
Abschließend möchte ich Dich einladen, Dich gemeinsam mit Deinem Team auf den Weg zu machen, um mit den Eltern gute Lösungen zu entwickeln, damit den Kindern trotz widriger Umstände das Mitbringen von Übergangsobjekten möglich ist.
Ich wünsche Dir einen guten Start mit den Kindern und den vielen verschiedenen Kuscheltieren, Schnullern, Schmusetüchern etc.
Deine Anja
Hier kommst Du direkt zu dem bereits veröffentlichten Gastbeitrag von Mareike Paic über die „Gefühlsuhren“.
Nach dem völligen Lockdown mit Notbetreuung und eingeschränktem Regelbetrieb ist in vielen Bundesländern die Rückkehr zum Regelbetrieb bereits gelebte Realität, das bisherige Infektionsgeschehen machte diesen Schritt möglich. Trotzdem bleibt das ganze recht fragil, da die Zahlen sich jederzeit wieder verändern können. Ich selbst habe hier im Kreis Gütersloh miterlebt, wie schnell die Kindertagesbetreuung vorübergehend wieder geschlossen wurde. Örtlich wird der Verlauf des individuellen Infektionsgeschehens entscheidend sein, was wie umsetzbar ist.
Rückkehr zur Normalität?
Die Rückkehr zur Normalität ist ein großer Wunsch bei vielen von uns. Für die Kinder ist das Zusammensein mit anderen Kindern elementar für die Entwicklung. Die Eltern brauchen nach den vielen Monaten von HomeKindergardening, Social Distancing und Homeoffice dringend Entlastung. Und viele von Euch haben im Lockdown die Kinder vermisst und wünschen sich die Rückkehr, zu dem was vorher war.
In NRW ist dies zum 17.08. geplant. Den Kitas und Tagespflegestellen bleiben demnach 1-2 Wochen im Anschluss an die individuellen Urlaubs- und Schließzeiten, um in Kooperation mit den Trägern zu entscheiden, wie vor Ort der Regelbetrieb konkret aussehen kann.
Also was heißt Rückkehr in den Regelbetrieb nun konkret? In erster Linie, dass wieder alle Kinder für die vereinbarten Betreuungszeiten in die Kita kommen dürfen. Die Abstandsregeln sind im Kontakt mit Eltern und KollegInnen einzuhalten und das Hygienekonzept im Allgemeinen zu gewährleisten. Das führt zwangsläufig zu einem Mehraufwand, der in NRW durch die zusätzliche Einstellung nichtpädagogischer Hilfskräfte bis Ende des Jahres aufgefangen werden soll.
Herausforderungen und Lösungswege
Die Maskenpflicht besteht weiterhin, sobald Erwachsene zusammen kommen. Das beeinträchtigt die non-verbale Kommunikation während der Bring- und Abholsituationen und der anstehenden Eingewöhnungszeit der neuen Kinder. In diesem Zusammenhang wird der ausprägte Blickkontakt eine große Bedeutung spielen. Ich beschäftige mich gerade damit, was wir mit den Augen alles zum Ausdruck bringen können. Das Gestikulieren mit den Händen und dem ganzen Körper sind ergänzende Elemente in unserer Kommunikation mit Masken, so dass Kinder trotz dieser Einschränkungen im Gesichtsfeld der Erwachsenen eine Bestärkung und Orientierung für den Übergang erfahren. Es ist wichtig und wertvoll, wenn Du die Eltern im Vorfeld dafür sensibilisierst und sie dazu einlädst, ihr Kind mit klaren und aufmunternden Worten zu begleiten.
Die Rückkehr zu den gewohnten Konzepten wird explizit in der Vorlage des Landes als Möglichkeit benannt. Damit verbunden ist die Aufhebung der Gruppenbindung, die in den letzten Wochen und Monaten vorgeschrieben war. Wie diese Rückkehr zu den gewohnten Konzepten in der Praxis umsetzbar ist, wird sich zeigen, da gleichzeitig ausgesprochen ist, dass bei erhöhten Infektionszahlen jederzeit der eingeschränkte Regelbetrieb wieder greift. Ich vermute, dass einige Träger und Einrichtungen sich daher dazu entscheiden werden, z.B. das Konzept der Offenen Arbeit mit Funktionsräumen vorerst noch länger auszusetzen, um ein Hin und Her für Kinder, Eltern und KollegInnen zu vermeiden. Die bestehenden Hygienevorschriften würden bei ständigen Raum- und Materialwechsel der Kinder zusätzliche Putz- und Desinfektionsarbeit mit sich bringen.
Ein weiteres Konzept, dass in den letzten Wochen und Monaten eher eingeschränkt umgesetzt werden konnte, ist die Partizipation. Wie gestaltet sich beispielsweise Partizipation, wenn Kinder sich nicht selbst beim Essen bedienen dürfen und die Getränke nicht frei zur Verfügung stehen? Welche Entscheidungs- und Wahlmöglichkeiten bleiben den Kindern im Alltag konkret?
Weitere Themen, die die aktuelle Praxis zentral mitbestimmen, sind:
der Einsatz der KollegInnen, die als Risikopersonen gelten. Hier finde ich es gerade irritierend, wie unterschiedlich die verschiedenen Träger damit umgehen. Ich erlebe gerade verschiedene Varianten. Vom uneingeschränkten Einsatz in der Arbeit mit dem Kind bis zum Suchen nach alternativen Einsatzmöglichkeiten im Hintergrund, ist viel vertreten. Bedauerlicherweise werden oftmals die Sorgen und Ängste der MitarbeiterInnen übergangen oder abgetan. Einige KollegInnen werden vor die Wahl gestellt, sich krankschreiben zu lassen (was langfristig zu finanziellen Einschränkungen führt) oder zu kündigen (was meines Erachtens menschlich nicht geht). Hier wünsche ich mir einen menschlichen Umgang miteinander und verbindliche ggfs. auch finanzielle Unterstützung durch das Land.
die Verordnung zu den „Schnupfennasen“, die zum Kindergartenalltag dazu gehören. Auch hier bedarf es einen klaren Standings und Rückendeckung durch Leitung bzw. Träger, dass die bestehende Regelung des Landes verbindlich umgesetzt werden kann. Eltern werden Lücken nutzen, wenn diese sich für sie auftun. Das ist etwas, dass ich sehr gut verstehen und nachvollziehen kann, stehen viele Eltern gerade selbst unter massiven Druck. Erinnere Dich in diesem Zusammenhang an meinen Blog-Beitrag zum: „Prinzip des Guten Grundes“. Diese Grundhaltung kann zum besseren Verstehen der Eltern beitragen. Zum grundsätzlichen Umgang mit Infektionen hat übrigens Baden- Württemberg eine gute visualisierte Übersicht entwickelt, die Du vielleicht auch ähnlich für Deine Arbeit übernehmen kannst. Den ScreenShot findest Du weiter unten als Download. Eine solche Übersicht verdeutlicht den Eltern nocheinmal das generelle Vorgehen im Infektionsfall. Das Ganze ersetzt natürlich auf keinen Fall den direkten und persönlichen Dialog mit den Eltern, um alle Seiten und Sichtweisen miteinbeziehen zu können.
Auf jeden Fall ist auch weiterhin eine große Flexibilität und viel Fingerspitzengefühl von Dir und Deinem Team in den nächsten Wochen und Monaten gefragt. Konzentrier Dich mit Deinem Team weiterhin auf das was geht und möglich ist, wie ich bereits in meinem Beitrag: „Gemeinsam den Wiederbeginn wagen“ ausgeführt habe. Denk immer wieder an Deine Selbstfürsorge. Dazu habe ich mit Anja Klostermann ein Kärtchen entwickelt, dass Du Dir ausdrucken und zur Erinnerung aufhängen kannst. Dieses findest Du in meinem Beitrag: „Balance zwischen Empathie und Selbstfürsorge“.
Ich möchte mit Dir über Deine Praxis in den Austausch kommen und freue mich über Deine Rückmeldung in den Kommetaren. Erzähl mir davon, wie der Regelbetrieb in Deinem Team vor Ort umgesetzt wird. Berichte mir über die Schwierigkeiten, die Dir im Alltag begegnen. Teile auch Erfolgserlebnisse und Best-Practise Beispiele, von denen wir alle profitieren können. Am 19.08. biete ich hierzu ein virtuelles Kaffeetrinken für Leitungskräfte über Zoom an.
Ich werde Dich auch weiterhin mit diesem Blog und mit vielen anderen Angeboten begleiten und unterstützen. Wie Du im Anhang sehen kannst, war ich in der Sommerpause sehr rührig. 😉 Um Dir ein Stück Normaltät zu bieten, erfährst Du in den nächsten Blog-Beiträgen etwas über die Wichtigkeit von Übergangsobjekten in der Eingewöhnungszeit und Du lernst die Ich-Box von Mareike Paic von den Sternstunden-Seminaren kennen.
Ich freue mich auf einen angeregten Austausch in den nächsten Wochen und Monaten
Deine Anja
Verschiedene Angebote im Überblick:
am 19.08.2020 von 16.00 – 18.00 Uhr findet für Leitungskräfte via Zoom ein virtuelles Kaffeetrinken statt — hier möchte ich mich gerne mit Dir und anderen Leitungen über das aktuelle Geschehen austauschen und Lösungen entwickeln. Gleichzeitig stelle ich hier mein neues Angebot: „Online-Gruppencoaching für Leitungskräfte vor“, dass dann konkret im September (22.09.2020) startet. –> nähere Infos und Anmeldung
am 1.09. biete ich mit Anja Klostermann ein Online- Seminar für Leitungskräfte zum Thema: „Neues ensteht – Teamprozesse in Zeiten „nach“ Corona erkennen und begleiten“ an –> nähere Infos und Anmeldung
am 15.07. ist mein erstes YouTube Gespräch zum Thema: „Teamarbeit in Zeiten von Corona“ erschienen –> direkt zum Video
das nächste Gespräch zum Thema: „Sprachbildung trotz(t) Corona“ geht am 07.08. online
ich bin jetzt auch auf Facebook und Instagram zu finden und ihr könnt mir dort folgen
Alle TeilnehmerInnen der Fortbildungsreihen zur „Fachkraft Frühpädagogik/Unter drei dabei und der Qualifizierung für Ergänzungskräfte“ aus Haus Neuland, Verl, Dinslaken und Herford sind herzlichst zu meiner Facebook Gruppe eingeladen
Kita-Leitungskräfte mit Interesse an dem Thema: „Coaching als Schlüsselkompetenz“ sind herzlich willkommen in einer extra eingerichteten Facebook GruppeNatürlich komme ich auch weiterhin als Weiterbildnerin, Coach und Supervisorin zu Euch in die Kitas und ich biete viele Seminare in verschiedenen Weiterbildungshäusern wie z.b Haus Neuland an.
In den vergangenen Tagen wurde ich bei meinen Seminaren und Supervisionen gefragt, wie die Eingewöhnung der neuen Kinder im Sommer und Herbst aussehen kann. Im Dialog mit Fachkräften begegnen mir diesbezüglich viele Unsicherheiten, wie die bestehenden Konzepte zur Eingewöhnung unter Berücksichtigung der Hygiene- und Abstandsregeln umzusetzbar sind.
Gemeinsam mit Fachkräften habe ich hierzu verschiedene Überlegungen mit Fokus auf das jeweilige Eingewöhnungsmodell zusammengetragen.
Das Berliner Eingewöhnungsmodell eröffnet demnach folgende Varianten:
Die Eingewöhnung findet gemäß des eigentlichen Berliner Eingewöhnungsmodells mit einem Elternteil, dem Kind und einer Pädagogischen Fachkraft in einem seperaten Raum, getrennt von der Gruppe statt. Erst wenn das Kind die Pädagogische Fachkraft als Bezugsperson akzeptiert hat, gehen Kind und Pädagogische Fackraft zu den anderen Kindern der Gruppe. Hier kommen die Eltern nicht mit den anderen Kindern in Kontakt. Diese Variante ist jedoch personalintensiv.
Ein Elternteil und ein Kind kommen zu einer vereinbarten Zeit in die Gruppe. Gemeinsam gehen Eltern, Kind und Pädagogische Fachkraft Hände waschen. Das Elternteil bekommt einen festen Platz in einer Elternecke, die für die anderen Kinder möglichst tabu ist. Eltern und pädagogische Fachkraft wahren den Abstand, so dass weitestgehend auf den Mund-Nasenschutz verzichtet werden kann. Alternativ tragen beide ein Visir, so dass das Kind sich an der Mimik von Eltern und Pädagogischer Fachkraft orientieren kann. Wenn die Eltern während des Trennungsversuchs den Gruppenraum verlassen und in einen anderen dafür vorgesehenen Raum wechseln, muss auf den Mund-Nasenschutz geachtet werden.
Beim Münchner Modell steht im Unterschied zum Berliner Eingewöhnungsmodell dem neuen Kind mit seinem Elternteil ein längerer Zeitraum zur Verfügung, um am Tagesablauf der Gruppe teilzunehmen und die Kita zu erkunden. Das bedeutet mit Blick auf die Hygiene- und Abstandsregeln, dass der Zeitraum, in dem die Eltern sich und andere einem erhöhtem Infektionsrisiko aussetzen höher ist. Es bedarf klarer Absprachen bezüglich des Umgangs mit dem Mund- und Nasenschutz oder dem alternativen Einsatz eines Visirs. Die Erkundung des Tagesablaufs und der Einrichtung begrenzt sich auf das Geschehen in der Gruppe und im Außengelände, da eine Durchmischung mit anderen Gruppen unerwünscht ist.
Bei der Eingewöhnung in der Peer-Group werden 3- 5 Kinder in Begleitung ihrer Eltern gleichzeitig eingewöhnt. In der Regel sind 2 Eingewöhnungspädagoginnen für die Eingewöhnung zuständig. Normalerweise wird für die Eltern eine Elternecke eingerichtet, in der die Eltern miteinander in Kontakt kommen können. Auch hier bieten sich verschiedene Varianten:
Die Eltern sitzen in angemessenem Abstand zueinander im Raum verteilt und können so auf den Mund-Nasenschutz verzichten.
Die Eltern tragen ein Visir, um in der Elternecke miteinander ins Gespräch kommen zu können und den Abstand nicht ständig einhalten zu müssen.
Erst wenn die neu gebildete Kindergruppe sich von den Eltern gelöst hat, kommen diese Kinder mit den anderen Kindern der Gruppe in Kontakt. Die Eltern haben so keinen Kontakt mit den anderen Kindern.
Bei gutem Wetter kann ein Teil der Eingewöhnung in Absprache mit den anderen Gruppen nach draußen verlegt werden, um das Infektionsrisiko zusätzlich zu minimieren.
Da glücklicherweise mittlerweile das Betretungsverbot für Eltern aufgehoben ist, kann mit ein paar Anpassungen auch weiterhin eine kindgerechte Eingewöhnung stattfinden. Wichtig ist, dass unabhängig vom jeweiligen Modell die Eingewöhnung elternbegleitet, bezugspersonenorientiert und abschiedsbewusst durchgeführt wird. Zusätzlich brauchen Kinder eine klare Mimik der Eltern und Pädagogischen Fachkräfte, um sich in dieser neuen Situation orientieren zu können, deswegen bieten m.E. Visire während der Eingewöhnung eine gute Alternative.
Und vergesst bei allen Abstands- und Hygieneregeln nicht, Abschiedsrituale mit den Kindern zu entwickeln und Übergangsobjekte zur Unterstützung zu erlauben. Vielleicht besteht ja die Möglichkeit einen Gegenstand wie z.B. Schnuller, Kuscheltier, Schmusetuch o.ä. In der Kita zu deponieren, der dort auf das Kind wartet, um ihm eine Brücke in die Gruppe zu bauen und nach Bedarf als Tröster zur Verfügung zu steht. Oder Ihr gestaltet mit den Eltern ein ICH-Buch, auf das das Kind dann immer wieder zurückgreifen kann, wenn es traurig ist.
Wenn Ihr Eure Eingewöhnung generell gerne überprüfen und überarbeiten möchtet, dann könnt Ihr Euch hier kostenlos und unverbindlich meine „5 Tipps zur Gestalltung einer Eingewöhnung“ holen. Dort bekommt Ihr viele zusätzliche Anregungen für die Vorbereitung der Eingewöhnung im Team, der Zusammenarbeit mit den Eltern und der Einbeziehung der Peer Group in die Eingewöhnung.
Ich wünsche Euch einen guten Start mit den neuen Kindern und Eltern
Eure Anja
P.S. Ich gehe jetzt für die nächsten 4 Wochen mit meinem Blog in die Sommerpause. Im August melde ich mich mit neuen Themen wieder. Dann stehe ich auch wieder für Seminare, Webinare, Coachings und Supervisionen zur Verfügung. Ich wünsche Euch eine schöne Sommerzeit.
Falls Ihr mit Euren Kindern eine Zeitkapsel gestaltet habt oder gestalten werdet. Denkt daran mir die Fotos zu schicken, damit ich sie hier im Block veröffentlichen kann: anjacantzler@t-online.de
Das aktuelle Kita-Jahr neigt sich dem Ende zu, die Zeichen stehen auf Abschied und Neubeginn. Einige Kinder verlassen die Kita, Krippe und Kindertagespflege nach mehreren Jahren und schon bald kommen neue Kinder und Eltern. Genau der richtige Zeitpunkt, um das bestehende Eingewöhnungskonzept zu überprüfen.
Seit vielen Jahren beschäftige ich mich als Referentin mit dem Thema Bindung und Eingewöhnung. Dabei ist mir besonders wichtig, dass die Eingewöhnung als grundlegender Prozess verstanden wird, der in einem Beziehungsdreieck von Kind, Eltern und pädagogischer Fachkraft stattfindet. Das Ziel der Eingewöhnung besteht darin, dass das Kind sich in Abwesenheit der Eltern oder Hauptbindungspersonen an die Pädagogische Fachkraft wendet, wenn es Trost oder Unterstützung sucht. Das braucht Zeit und Vertrauen auf allen Seiten.
Welche Gedanken gerade zu Beginn des Kennenlernens und der Eingewöhnung in Eltern, Kindern und Pädagogischen Fachkräften vorgehen, haben Laewen, Andres und Hédervári-Heller in ihrem Buch „Ohne Eltern geht es nicht“ eindrucksvoll anhand folgender Fragen veranschaulicht.
Die inneren Fragen
… des Kindes an die*den Mutter/Vater/Hauptbindungsperson
Wirst du mich in dieser Fremde allein lassen?
Wirst du meine Angst verstehen, weil alles fremd für mich ist?
Wirst du so lange bei mir bleiben, bis ich hier vertraut bin?
Magst du meine ErzieherIn?
… des Kindes an die Pädagogische Fachkraft
Wirst du mir Zeit lassen, dich kennenzulernen?
Wirst du mich beschützen und unterstützen?
Wirst du mich trösten, wenn ich traurig bin?
Wirst du meine Mutter und meinen Vater mögen?
… von Mutter/ Vater/ Hauptbindungsperson an das Kind
Wirst du ohne mich zurechtkommen?
Wirst du mich vermissen?
Wirst du die Pädagogische Fachkraft vielleicht lieber mögen?
Wird es dir hier gut gehen?
… von Mutter/ Vater/ Hauptbindungsperson an die Pädagogische Fachkraft
Wird sie mein Kind mögen und verstehen?
Kann ich von meinen Ängsten sprechen, von meinen Zweifeln, vielleicht auch meinem Misstrauen?
Wird sie mein Kind an sich reißen?
Wird sie in Konkurrenz zu mir treten?
… von der Pädagogischen Fachkraft an das Kind
Wirst du leicht Zugang zu mir finden?
Werde ich deine Signale verstehen und herausfinden können, was ganz Besonderes du brauchst?
Wirst du mit den anderen Kindern zurechtkommen?
Wirst du dich hier gut einfinden?
… von der Pädagogischen Fachkraft an Mutter/ Vater/ Hauptbindungsperson
Wird sie/er mich als Begleiter*in ihres/ seines Kindes akzeptieren?
Wird sie/er offen oder verschlossen sein für Gespräche mit mir?
Empfindet sie/er mich als Konkurrent*in oder Partner*in?
Wie bewertet sie/er meine Art zu arbeiten?
Anwendung in der Praxis
Diese Fragen lassen sich vielfältig in Eurer Praxis einsetzen:
als Einstieg in eine Teamreflexion, um zu überlegen, was Kinder und Eltern vor und während der Eingewöhnung als Unterstützung von Euch brauchen.
als Aushang in der Anfangszeit, um den Eltern zu signalisieren, dass Ihr Euch dieser Fragen bewusst seid und Ihr selbst ganz ähnliche Fragen an die Kinder und Eltern habt.
alternativ zum Aushang, könnt Ihr die Fragen auch als Informationsbrief den Eltern im Kennenlerngespräch aushändigen. Oftmals wird dies zum Gesprächseinstieg über die konkreten Sorgen und Bedenken der Eltern.
als angeleitete Imaginationsreise zum Einstieg in den ersten Informationselternabend mit den neuen Eltern. Im Anschluss an diese Imaginationsübung könnt Ihr den Eltern kurz Zeit geben darüber ins Gespräch zu kommen.
Indem Ihr diese Fragen öffentlich und transparent macht, ist ein wesentlicher Grundstein für eine gelingende Bildungs- und Erziehungspartnerschaft gelegt.
Viel Erfolg bei Eurer Reflexion und Umsetzung
Eure Anja
Oder bist Du interessiert an einem Webinar zum Thema „Eingewöhnung in der Peer Group“? Dann melde Dich hier für den 20.06.2020 dazu an:
Laewen, H.-J. / Andres, B. / Hédervári-Heller, É.: Ohne Eltern geht es nicht. Die Eingewöhnung von Kindern in Krippen und Tagespflegestellen 6. Auflage 2012
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