Aus einer leeren Tasse kann man nicht trinken…

Aus einer leeren Tasse kann man nicht trinken…

Dieser Satz ist mir heute auf einem Instagram Profil begegnet und erinnert mich an einen wunderschönen Text, den ich während meiner Supervisionsausbildung kennen und schätzen gelernt habe. In diesem Text geht es im Kern um die Wichtigkeit der Selbstfürsorge. Ich glaube, dass viele von uns gerade sehr Coronamüde sind und ziemlich am Ende ihrer Kräfte. Deswegen möchte ich diesen Text nach einem Jahr Leben mit Corona spontan mit Dir teilen, in der Hoffnung Dir damit etwas Kraft und Zuversicht geben zu können.

Sei wie eine Schale!

Die Schale der Liebe
Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal,
der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt,
während jene wartet, bis sie gefüllt ist.
Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter.
Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen und habe nicht den Wunsch, freigiebiger zu sein als Gott.
Die Schale ahmt die Quelle nach. Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird sie zur See.
Du tue das Gleiche! Zuerst anfüllen und dann ausgießen.
Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen.
Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst.
Wenn du nämlich mit dir selbst schlecht umgehst, wem bist du dann gut?
Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle, wenn nicht, schone dich.
(Bernhard von Clairvaux)

Anmerkung: Für jede*n von uns bedeutet Gott etwas anderes. Ich bitte Dich, das für Dich einzusetzen, was hier für Dich passt und stimmig ist.

Meine Kraftquellen

Die Schalen der Liebe als Quelle. Das bringt mich unweigerlich zu der Frage: Was nährt zur Zeit meine Quelle? Was tue ich gerade für mich, um auch weiterhin von meiner Fülle geben zu können?

Ich

  • genieße das morgendliche Vogelgezwitscher beim Aufwachen
  • mache als erstes 10 Minuten Morgengymnatik
  • schenke mir selbst ein Lächeln im Spiegel
  • genieße das gemeinsame Frühstück mit meinem Mann
  • gehe jeden Tag zu Fuß ins Büro
  • halte Kontakt zu Menschen, die mir gut tun
  • telefoniere ab und zu mit meiner Tochter
  • pflege mein kollegiales Netzwerk
  • höre am Wochenende das WDR Klassik-Radio
  • bestelle leckeres Essen aus meinen Lieblingsrestaurants
  • kaufe mir Frühlingsblumen
  • gehe im Wald spazieren
  • lese viel
  • bilde mich weiter (ich höre gerade einige Beiträge des diesjährigen Resilienzkongresses)
  • schreibe oder spreche über das, was mich beschäftigt, berührt und belastet
  • lache aus ganzem Herzen mit meinem Mann über die Komik des Alltags
  • nehme meine Gefühle so an, wie sie gerade kommen

Dankbarkeit als Schlüssel

Ich bin dankbar für das was ich habe! Ich bin dankbar für die geliebten Menschen an meiner Seite! 🥰Ich bin dankbar, dass ich bislang von einer Erkrankung verschont geblieben bin! 🍀🍀🍀Und ich sehe, was und wieviel ich in den letzten Monaten geschafft habe!🍾

Dieses Gefühl von Dankbarkeit ist übrigens eine wesentliche Eigenschaft resilienter Menschen. Darauf wird in den verschiedensten Vorträgen des Resilienz-Kongresses immer wieder hingewiesen. Zum Thema Resilienz habe ich in den letzten Monaten bereits mehrere Beiträge veröffentlicht. In “Was uns stark macht” geht es um Resilienz im Allgemeinen und mit “Kraft schöpfen in der Krise” gehe ich nocheinmal tiefer ins Detail.

Einladung zur Selbstfürsorge

Jetzt bist an der Reihe: Und was tust Du für Dich? Kannst Du trotz der schwierigen Zeiten für das dankbar sein, was Du hast und wer Du bist? Wie steht es um Deine Resilienz? Siehst Du, was Du bereits geschafft hast?
Falls Du merkst, dass Du alleine nicht mehr weiter weißt, dann hole Die bitte Hilfe und Unterstützung in Deinem privaten oder beruflichen Umfeld bzw. suche Dir professionelle Hilfe. Sprich drüber und werde aktiv. Auch wir Erwachsenen könnten manchmal Mareike Paics “Sorgenschmelzer und seine Kummerkunpel” brauchen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass das Ende nun absehbar wird. Das erfüllt mich mit Zuversicht und bis dahin werde ich mir jeden Tag aufs neue Kaffee und Tee kochen (ich mag nämlich beides), damit ich immer aus einer vollen Tasse trinken kann.

Ich wünsche Dir Kraft für die nächste Zeit
Deine Anja

Meine Angebote zur Unterstützung

Einladung zum Online-Gruppencoaching für Führungskräfte am 15.04.2021 von 17-19 Uhr. Hier hast Du die Möglichkeit einmal kostenlos teilzunehmen, um die Gruppe und das Angebot kennenzulernen. Melde Dich am besten über das Kontaktformular bei mir:

Am 27.05.2021 von 16 – 19 Uhr findet gemeinsam mit meiner Kollegin Anja Klosterman ein Online-Seminar: “Neues entsteht – Veränderungsprozesse im Team verstehen und begleiten” für Führungskräfte, stellvertretende Leitungen und Gruppenleitungen in Krippe, Kita und OGGS statt. Weitere Infos und Anmeldung bei Haus Neuland.

Phil, der Sorgenschmelzer und seine Kummerkumpel

Die Zahlen sind alamierend. Fast jedes dritte Kind zeigt laut einer Analyse durch das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) ein knappes Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland psychische Auffälligkeiten. Zum Vergleich: Vor der Pandemie war bereits jedes fünfte Kind psychisch belastet.

Wichtig ist diese Auffälligkeiten nicht mit psychischen Störungen oder Krankheiten zu verwechseln. Zunächst einmal handelt es sich hier um sog. Belastungsreaktionen auf die Ausnahmesituation. Die Kinder äußern verstärkt Sorgen und Ängste und zeigen depressive Symptome. In einzelnen Fällen sind zunehmend psychosomatische Folgen zu beobachten, je nach Alter klagen die Kinder dann über Magen- oder Kopfschmerzen.

Die Studie besagt auch, dass sich die Lebensqualität während des Lockdowns verschlechtert hat. Gründe für eine Verschlechterung des psychischen Wohlbefindens sind ungesündere Ernährung und Bewegungsmangel. Viele Kinder haben aus der Alternativlosigkeit heraus oftmals zuviel Fernsehen geschaut und Computerspiele gespielt. Dabei sind einige Kinder auch mit Inhalten in Kontakt gekommen, die nicht immer altersgemäss waren. In der Praxis ist dann oftmals ein gewaltvolles und aggressives Rollenspiel zu beobachten, worauf angemessen zu reagieren ist.

Besonders auffällig ist, dass Kinder, die schon vor der Pandemie Schwierigkeiten hatten und von den Eltern nicht gut durch den Lockdown begleitet werden konnten, zeigen nun verstärkt auffälliges Verhalten. Viele Andere Kinder, die sehr sensibel sind, deren Eltern mittlerweilen schlichtweg an ihre nervlichen Grenzen stoße, die selbst aufgrund der Erkrankung Quarantäne erlebt haben oder nahestehende Personen durch die Erkrankung verloren haben kommen aus allen Bevölkerungsschichten dazu.

Krippe, Kita und Kindertagespflege spielt in diesem Zusammenhang in den nächsten Wochen und Monaten eine zentrale Rolle. Es gilt Konzepte zu entwickeln, um die belasteten Kinder gezielt zu unterstützen, Sprach- und Bewegungsförderung gezielt zu betreiben und insbesondere die seelische Gesundheit und emotionale Kompetenz der Kinder zu stärken.

Ich habe Kolleg*innen eingeladen, hier in diesen Blog und in meine Kita Talks eingeladen, um Dir einige Impulse und Anregungen mit auf den Weg zu geben, um die Kinder durch diese schwierigen Zeiten zu begleiten und Ihnen Co-Regulationsmöglichkeiten anzubieten.

Den Auftakt hierzu macht Mareike Paic von den Sternstundenseminaren, die bereits im ersten Lockdown einen Gastbeitrag zu ihren “Gefühlsuhren” – beigesteuert hat. Ab sofort lohnt es sich dann regelmäßig in die KitaTalks auf YouTube reinzuschauen. Dort spreche ich mit Expert*innen über den Umgang mit gewaltvollen und aggressiven Rollenspielen, Möglichkeiten die emotionale Kompetenz durch Methoden aus Theaterpädagogik zu stärken und die Begleitung psychisch belasteter Kinder im Allgemeinen. Ergänzend findest Du dort auch ein Gespräch, dass ich mit der Kinder- und Jungend Psychotherapeutin Gundula Göbel geführt habe zum Thema: “Kinderängste achtsam begleiten”. Am besten abonierst Du diesen Blog und meinen YouTube Kanal, damit Du keinen Beitrag mehr verpasst.

Und jetzt wünsche ich Dir viele herzerwärmende Inspirationen mit dem Gastbeitrag von Mareike Paic

Deine Anja

 

Kinderherzen stärken

 

Ein Gastbeitrag von Mareike Paic von den Sternstunden Seminaren

Gerade in den kommenden Wochen, wenn die Kinder nach langer Zeit zurück in den Kindergarten mit eingeschränkten Regelbetrieb kehren, haben sie einen großen Rucksack Sorgen und Verunsicherungen mit sich rumzuschleppen. Sie müssen eine erneute die Trennung der Familie verkraften – wo sie je nach Befinden und Ressourcen der einzelnen Familie mit unterschiedlichsten Problemen und Nöten konfrontiert wurden. Aber auch wir als pädagogische Fachkräfte haben Ängste und Sorgen, die wir nicht immer vollständig vor den Kindern verbergen können. Dadurch, dass enige Kinder nicht ständig über ihre Sorgen sprechen und derzeit mit den Gegebenheiten kooperieren, ist ihre Verunsicherung und Not oft schwerer zu erkennen.

Neben Zeit zum Ankommen, Achtsamkeit und Zuwendung gerade in den ersten Wochen brauchen die Kinder auch Raum, um Antworten zu finden und ihre Sorgen frei zu lassen.

Eine Möglichkeit dafür ist der Einsatz von sog. Sorgenfresserchen.
Mit dem Sorgenschmelzer habe ich diese Methode weiterentwickelt, um mit den Kindern in ein Gespräch zu kommen – und einen Türöffner für tiefgreifenden Gespräche zu bieten.

Sorgen entsorgen will gelernt sein

Was macht Ihr mit einer Sorge, die euch bedrückt? So eine Sorge, die Bauchweh verursacht, den Kopf und das Herz betrübt und ein komisches Gefühl macht. Die sich nicht so einfach auflösen lässt und schon gar nicht mit Worten schnell zu erklären ist – vielleicht, weil ihr sie selbst nicht so recht versteht?

Jeder von uns hat eine andere Strategie, mit diesen belastenden Gefühlen umzugehen. Sich jemanden anvertrauen, darüber schlafen, Hilfe einfordern, einen Ausweg suchen… all das können Wege sein, die wir aber irgendwann einmal als Problemlösungsstrategie gelernt, als hilfreich erlebt und weiterentwickelt haben. Den Kindern steht dieser Katalog an Möglichkeiten in der Regel noch nicht zur Verfügung.

Ein Kummerkasten kann entlasten

Wäre es nicht prima, wenn wir einen echten Sorgenfresser hätten? – ein Happs und das Problem ist gegessen!
Für Kinder kann ein kleiner, persönlicher Begleiter dieser Art genau diesen Effekt haben- das Problem wird erkannt- benannt und verbannt. Unaussprechliches wird weggesperrt. Die Kinder können jederzeit ihr Fresserchen in der Not füttern. Ob die belastende Sorge auf einem Zettel notiert, gemalt oder vielleicht mit einem Knopf aus einer immer parat stehenden Kiste gefüttert wird, ist abhängig vom Alter der Kinder. Wichtig ist eine Möglichkeit zu schaffen, die Kinder eigenständig und spontan umsetzen können.

 

 

Denn wenn sie abhängig sind von der Hilfe seitens eines Erwachsenen, ist die Intimität und Vertrautheit mit dem Sorgenfresserchen nicht gegeben- die Kinder müssen sich überwinden, sie sind gezwungen, Dinge auszusprechen und finden sich nicht selten ungewollt in einer Beratung unsererseits wieder.

Die Vorbereitungen

Das Herstellen der Sorgenfresser ist eine gute Gelegenheit, um mit den Kindern über die Kräfte dieser persönlichen Begleiter ins Gespräch zu kommen und bietet schon Raum und Gelegenheit, um über Gefühle und Ängste zu philosophieren.
Dabei haben die Kinder ganz unterschiedliche Vorstellungen von ihrem Kummerkumpel. Für den einen sollte er plüschig weich zum Knuddeln sein, das nächste Kind bevorzugt vielleicht eher einen harten Kerl, der ordentlich schnappen kann. In der Phantasie der Kinder entstehen diesbezüglich unterschiedliche Bilder- da ist es wichtig, ihnen auch bei der Materialauswahl ein möglichst breites Repertoire anzubieten.

Materialideen

Utensilos und Behälter unterschiedlichster Beschaffenheit eignen sich zur verschwiegenen Aufbewahrung von Nöten und Ängsten. Aber sie sollten einfach und fest zu verschließen sein- besonders beliebt sind Reißverschlüsse. Vielleicht, weil das Kind sie sichtbar und mit Nachdruck absperren kann – die Sorge also wirklich sicher verwahrt ist.

Ich biete den Kindern gerne kleine Täschchen, Kosmetikbeutel und Faulenzeretuis an. Aber auch Hardcover Brillenetuis eignen sich hervorragend, da sie so richtig feste zuschnappen können.

Die Behälter sollten eher klein und handlich sein – kleine Begleiter passen besser in Verstecke.

Bei der Ausgestaltung empfehle ich Minimalismus- Aufwendige Stielaugen und kunstvoll drapierte Antennen sorgen eher für Frust, da sie nicht besonders stabil sind …. Und ein echtes Sorgenfresserchen sollte belastbar und hosentaschentauglich sein.

Als Augen und Zähne haben sich selbstklebendende Filzgleiter aus der Möbelabteilung bewährt- oder fest aufgenähte Knöpfe .

Eine Schale mit Knöpfen, Muggelsteinen, Zettelchen oder sonstigen steht den Kindern immer zur Verfügung. Das Sorgenfresserchen an sich wohnt an einer privaten Stelle seines Besitzers. Und nur das Kind selbst entscheidet, wann das Fresserchen gefüttert wird- oder sich mal entleeren möchte.

Auf keinen Fall dränge ich das Kind, mir etwas aus den geheimen Bauchgeschichten zu verraten. Es kommt aber schon vor, dass ein Kind aus eigenem Antrieb von den Geheimnissen erzählen möchte. Die Sorge macht jetzt nicht mehr im eigenen Bauch Kummer – das macht drüber reden oft schon viel einfacher.

Warme Worte wirken Wunder

Wie ich anfangs erwähnt habe, haben wir Erwachsenen im Laufe unseres Lebens unterschiedlichste Erfahrungen gemacht, wie wir mit Problemen und Sorgen umgehen können. Und wir haben auch gelernt, Gefühle zu benennen und herauszufinden, was uns in belastenden Situationen gut tut.

Um Kinder

  • in diesen Lernerfahrungen, ihrer Resilienz, zu stärken,
  • eigene Lösungswege erkennen zu lassen – „Was hilft mir, was macht es Schlimmer?“
  • zu stärken, Gefühle zu erkennen, zu benennen und sich zu trennen. Ohne exakte Worte zu finden
  • einzuladen, Sorgen und Nöte sichtbar abzugeben und zu vernichten

habe ich die Idee des Sorgen Schmelzers entwickelt.
Das Benennen eines Problems kann schon einen großen Teil der Belastung von einer Seele nehmen. Ganz spielerisch kommen wir hier mit in Eiswürfeln gefrorenen Herzens ins Gespräch.

Phil, der Sorgenschmelzer hat es gerne warm und stimmungsvoll

 

 

Stellt Euch vor, Ihr vertraut gerade jemanden ein Problem an und Euer Gegenüber unterbricht die Situation mit Telefongesprächen, motorischer Unruhe oder mangelnder Zuwendung…
Keine guten Voraussetzungen, um echtes Interesse und Sicherheit zu schaffen, oder?
Daher achte ich hier ganz besonders auf eine warme und ungestörte Atmosphäre.

Mit Ruhe, einer stimmungsvollen Beleuchtung und ästhetischem Material bekommt diese gefühlvolle Runde ganz besondere Wertschätzung.

  • Der Schmelzer – ein entsprechend gestaltetes (Gurken-) Glas steht auf einem Drehteller in der Mitte. Somit kann jedes Kind „unter 4 Augen“ mit direktem Blickkontakt mi dem Sorgenschmelzer reden.
  • Ich habe beim Entwickeln dieser Idee gemerkt, dass ich diesen engen Vertrauten gerne mit Namen ansprechen möchte. Da er mich zum Philosophieren einlädt, habe ich ihn „Philosophus, der Sorgenschmelzer“ genannt (kurz Phil) – wie wird er wohl bei euch getauft?
  • Im Vorfeld habe ich kleine Herzen (Streudeko) in Eiswürfel eingefroren
    (anstatt Eiswürfelbehälter eignen sich Toffifee-Schachteln- die geben das Herz schneller frei)
  • In kleinen Schüsseln stehen die vorbereiteten Eiswürfel – jeweils mit einer Zuckerzange, Löffel oder ähnlichem daneben.

Die Kinder sind eingeladen Phil alles anzuvertrauen und zu erzählen – ihre Sorgen und Ängste, irritierende und bohrende Fragen. Sie bekommen so die Gelegenheit von kalten Momenten in ihrem Herzen zu sprechen und diese wichtige, störende Angelegenheit im Sorgenschmelzer zu versenken und über dieses Gefühl zu philosophieren. Oder einfach nur zu beobachten, wie die Sorge vielleicht kleiner wird – während der Gesprächsrunde schmilzt der Eiswürfel sichtbar. Das Gefühl des entlastenden „Drüber Redens“ wird somit symbolisch unterstützt.

Die Runde „Tut mir Gut”

Verstärkend setze ich in weiteren Runden kleine Behälter- in diesem Fall Zuckerspender_ mit warmem Wasser ein. Die Kinder sind eingeladen, zu benennen, was ihnen in der Situation guttun würde – was sie sich wünschen und was sie brauchen. Und mit jeder Idee kommt ein Schluck warmen Wassers in den Sorgenschmelzer- das lässt ihn die Sorgen noch schneller verdauen. Vielleicht hat auch ein anderes Kind mal eine „Tut mir Gut – Erfahrung“ gemacht und kann davon an dieser Stelle berichten? Auch dann kommt natürlich ein großer Schluck warmes Wasser in unser Sorgenschmelzerglas. Was anschließend mit den freigewordenen Herzen geschieht bleibt hier offen…denn Kinder entwickeln gerade an dieser Stelle eine eigene Strategie.

  • Vielleicht ist es für Eure Gruppe wichtig, dass der Sorgenschmelzer stillschweigend verdaut und entsorgt.
  • Oder bekommen die Kinder nach der Runde ein „warmes Herz“ zurück?
  • Oder pustet Ihr zum Schluss leichte Seifenblasen…

Bestimmt entwickelt Ihr mit den Kindern Eure individuellen Ideen. Vielleicht ist es ja auch hilfreich, noch einen Zuckerspender mit dunkel gefärbtem, kaltem Wasser anzubieten, um die Dinge zu benennen, die Situationen verschlimmern?

Die Bedürfnisse und Kompetenzen Eurer Kindergruppe entscheidet über Umfang und Art der Umsetzung – der Methode braucht Zeit, um sich zu etablieren und zu entwickeln. Der Sorgenschmelzer ist kein einmaliger Besucher – denn man muss sich ja erst einmal kennen lernen, um zu vertrauen. Die Kinder dürfen immer frei entscheiden, ob, wann und wieviel sie Phil verraten wollen. Gerade in diesen Zeiten ist es wichtig, an die seelische Gesundheit der Kinder zu denken und ihnen Raum, viel Zeit und Aufmerksam zu schenken. Dabei kann diese Methode spielerisch und ohne jeden Druck eine Bereicherung sein.

Eure Mareike

 

“Alles Reden ist sinnlos,

wenn das Vertrauen fehlt.”

Franz Kafka

 

P.S. Wenn Du gerne mehr von und über Mareike erfahren möchtest, dann besuch gerne ihre Website: https://www.sternstunden-seminare.de/. Dort findest Du z.B. tolle Seminare, eine DVD und ihr Buch mit weiteren kreativen Anregungen.

Zur Sprachbildung in Zeiten von Corona habe ich bereits letztes Jahr einen KitaTalk unter dem Titel: “Sprachbildung trotz(t) Corona” mit ihr aufgenommen. Schau gerne rein. Es lohnt sich, dort erlebst Du Mareike mit ihrer ansteckend positiven Sicht auf die Kinder und die Welt.

Starke Fachkräfte für starke Kinder in der Pandemie

Wir haben bereits Februar und mittlerweilen jährt sich schon bald der Ausnahmezustand, in dem wir uns nun schon so lange befinden. Die Pandemie zerrt an unser aller Nerven und irgendwie wünschen wir uns vermutlich alle, dass es jetzt einfach nur vorbei gehen soll. Jede*r von uns hat sein eigenes Päckchen zu tragen und trotzdem darfst Du als pädagogische Fachkraft die Bedürfnisse, Sorgen und Ängste der Kinder nicht außer acht lassen.

Aus diesem Grund habe ich diesen Monat, der achtsamen Begleitung der Kinder gewidmet. In meinem letzten KitaTalk “Kinderängste achtsam begleiten” habe ich beispielsweise mit Gundula Göbel Kinder- und Jugend Psychotherapeutin darüber gesprochen, was Kinder jetzt in dieser Zeit insbesonderen von uns Erwachsenen brauchen.

Heute freue ich mich, dass ich Fea Finger als Erzieherin, Kindheitspädagogin, Resilienz- und Empathietrainerin für diesen Gastbeitrag gewinnen konnte. Sie beschreibt sehr eindringlich, was Du als pädagogische Fachkraft tun kannst, um Dich selbst zu stärken und dann die Kinder während der Pandemie stark und resilient zu machen.

Ich wünsche Dir viel Spaß beim Lesen und bin sehr gespannt auf Dein Feedback

Deine Anja

Was wir tun können, um Kita-Kinder während der Pandemie zu stärken

Ein Gastbeitrag von Fea Finger

Vermutlich ist allen Fachkräften in Kitas klar, dass sie nicht vor den Kindern über die Kinder sprechen sollten. Es gibt viele Dinge, die zu Verunsicherung bei den Kindern führen oder die Älteren schnappen auch schon mal etwas auf und erzählen dies zu Hause weiter. Generell gilt es darauf zu achten sollten, was wir sagen wenn Kinder anwesend sind. Wir wissen nie, was davon in welcher Weise bei welchem Kind individuell hängen bleibt. Trotzdem erwischen wir uns in der Praxis immer wieder dabei, wie wir doch wieder in der Gegenwart der Kinder reden.

Vor einem Jahr wussten wir alle noch nicht, was da auf uns zu kommt und welche Auswirkungen das haben könnte. Nun sind wir ein Jahr weiter und wissen immer noch nicht genau, wie das alles weiter geht. Manche waren am Anfang noch zuversichtlicher als jetzt, andere haben sich mittlerweile wieder selbst gefunden und machen weiter. Vermutlich gehört all das dazu. Alles, was dieses Virus mit sich bringt ist gleichberechtigt wichtig und wird ganz individuell aufgenommen und verarbeitet. Für jede*n von uns hat es ganz unterschiedliche Auswirkungen und Konsequenzen, die sich vielleicht auch erst noch zeigen werden.

Unbedacht Ausgesprochenes mit unbeabsichtigten Folgen

Wir Erwachsenen, wir Fachkräfte in den Kitas haben die Möglichkeit, das alles zu reflektieren und so zu verarbeiten, wie es unsere eigenen Erfahrungen, unsere eigene Resilienz, zulassen. Die Kinder dagegen sind sehr darauf angewiesen, zu sehen wie wir damit umgehen. Im Besonderen Kinder, deren Eltern von Existenzängsten betroffen oder vom Homeoffice und den ständigen Anforderungen gestresst sind, deren Großeltern krank oder in Folge des Virus verstorben sind (um nur einige mögliche Situationen zu nennen) brauchen jetzt pädagogische Fachkräfte, die ihre eigenen Ängste und Sorgen nicht mit in den Gruppenraum bringen.

Allerdings soll das nicht bedeuten, eigene Ängste oder Gedanken zu verstecken denn Kinder merken sowieso, ob es uns wirklich gut geht oder nicht. Aber wie machen wir das am Besten?

Was es zunächst zu vermeiden gilt ist, dass Fachkräfte sich während des Freispiels oder in einer anderen Situation, in der Kinder anwesend, sind über Szenarien unterhalten wie die Folgende, die vermutlich jede Fachkraft in Kitas kennt:

Es ist wuselig in der Garderobe, die Gartenzeit beginnt gleich. Jacken liegen auf dem Boden, Gummistiefel und Mützen sind verstreut, manche Kinder sind schneller beim Anziehen als andere. Dazwischen die Kolleg*innen, die helfen wo es nötig ist. Erzieher*in 1 und Erzieher*in 2 kommen aus dem Turnraum in die Garderobe, ihr Gespräch haben sie dort schon begonnen, während sie die letzten Matten aufgeräumt haben. Sie wissen, dass sie jetzt gleich das Thema beenden müssen, weil sie an unterschiedlichen Stellen gebraucht werden. Denkbar ist dann beispielsweise folgender Dialog:

Erzieher*in 1 zu Erzieher*in 2: „…ja das war schlimm! Plötzlich war sie einfach so krank und stell Dir mal vor, sie war erst so alt wie Marvins Mutter! Einfach gestorben!“ Erzieher*in 2: „ Oh mein Gott! Das ist ja furchtbar! (Blick zu Marvin, der grade seine Stiefel anzieht) so eine junge Frau! Dabei heißt es doch immer, dass eher ältere Menschen daran sterben. Ich hab wirklich Sorge um meine Oma. (dreht sich zu Marvin) Komm Marvin, ich helfe Dir mal mit dem Reissverschluss. (wieder zu Erzieher*in 1)Dieses Corona ist wirklich schlimm! Aber mich nervt es so, dass wir jetzt ständig Masken tragen müssen! Was das mit den Kindern macht, will ich mir gar nicht vorstellen!“

In Alltagssituationen wie diesen denken wir uns oft nichts dabei, schon gar nichts Böses. Niemand will den Kindern absichtlich schaden und doch sind solche Momente sehr risikobehaftet. Wenn wir davon ausgehen, dass die beiden ihr Gespräch bereits vor zehn Minuten im Turnraum begonnen haben, haben es auch dort schon mehrere Kinder mitbekommen. Was genau und was davon dann beim einzelnen Kind im Kopf oder im Gefühl ankam, wissen wir nicht. Wir wissen auch nicht, wie Marvin es aufnimmt, dass da Rückschlüsse auf seine Mutter gezogen werden. Vielleicht bekommt er Angst, dass sie auch sterben könnte. Möglich ist auch, dass ein anderes Kind das aufschnappt und dann Marvin erzählt, dass seine Mutter jetzt stirbt, weil Erzieher*in 1 das gesagt hätte. Das Ganze kann also weitaus größere Ausmaße annehmen, als wir uns das manchmal so denken.

Raum schaffen für die eigenen Sorgen und Ängste

Eine der derzeitigen Herausforderungen besteht nun also darin, Zeit und Raum zu schaffen in denen sich die pädagogischen Fachkräfte austauschen können. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten und mit Sicherheit kann das in jeder Einrichtung individuell gestaltet werden. Beispielsweise können kleine tägliche, wöchentliche, vielleicht sogar spontane Meetings -auch online- stattfinden um Gedanken, Ängste und auch Zuversicht auszutauschen und sich gegenseitig zu bestärken. Dabei kann und sollte es meiner Meinung nach auch darum gehen, wie die Erzieher*innen mit den derzeitigen Massnahmen zu Recht kommen. Vielleicht beschäftigt jemanden, dass er/ sie nun ständig mit Maske arbeitet und was das mit den Kindern macht oder macht sie Gedanken darum, wie man die neuen technischen Herausforderungen bewältigen kann. Eventuell leidet jemand darunter, dass nun noch öfter als sonst gelüftet wird oder dass ständig überall entlang geputzt werden muss und diese Zeit von der Arbeit mit den Kindern abgeht. Es müssen nicht immer gleich persönliche Ängste und die ganz großen Sorgen sein, die uns beschäftigen. Fachkräfte, die ihren Beruf mit viel Können, Wissen und Empathie leben, machen sich viele Gedanken um die Kinder, die sie begleiten. Diese Themen können in einem gut funktionierenden, sich gegenseitig unterstützenden Team gelöst werden. Für Teams, die untereinander Konflikte austragen kann die gemeinsame Bewältigung solcher Aufgaben stärkend und bereichernd wirken. Wichtig ist, dass es die Möglichkeit gibt und das außerdem aus oben genannten Gründen Konsens darüber besteht, dass keine Kinder anwesend sind, während all das besprochen wird.

Dieses Vorgehen ermöglicht, dass pädagogische Fachkräfte einerseits selbst getragen werden durch ihr Team und das Wissen, dass sie nicht allein sind mit den Herausforderungen und andererseits, dass sie dann den pädagogischen Alltag weiter professionell für und mit den Kindern und Eltern gestalten können ohne zu abgelenkt zu sein von eigenen Themen.

Kinder stärken im pädagogischen Alltag

Nachdem nun also Raum geschaffen wurde, in dem die Fachkräfte sich austauschen können und damit schon einige für Kinder risikobehaftete Situationen reduziert wurden, geht es noch konkreter daran, die Kinder zu stärken. Wie kann das gehen?

Kinder brauchen feste, verlässliche Bezugspersonen und Strukturen, nicht nur jetzt. Wir dürfen dabei so viel normalen Kita-Alltag beibehalten, wie unter den aktuellen Umständen möglich und auch nötig ist. Ich bin außerdem sehr dafür, den Kindern noch mehr wie sonst Platz, Zeit und Raum für das freie Spiel zu geben. Vermutlich sind die Stunden in der Kita die einzigen am Tag, an denen Kinder andere Kinder um sich haben. Das gemeinsame Erschaffen im Spiel stärkt Resilienzfaktoren wie z.B. die Bewältigungskompetenz der Kinder. Sie finden Lösungen für Probleme und entwicklen Strategien, wie sie damit umgehen können. Genau diese Fähigkeit brauchen wir momentan alle. Gleichzeitig werden die Bedürfnisse der Kinder durch die Fachkräfte weiter beobachtet und feinfühlig beantwortet. Besonders bei Kindern, die ihre Ängste oder Gedanken nicht verbalisieren (können) braucht es jetzt Sensibilität und sehr feines Beobachten durch die Erzieher*innen.

Darüber hinaus können Kinder gestärkt werden, indem z.B. im Portfolio „Stärkenseiten“ angelegt werden auf denen die Kinder sehen können, was sie schon alles geschafft haben und welche Strategien ihnen dabei geholfen haben. Auch Bildungs- Und Lerngeschichten sind hierfür ein gutes Instrument. So senken wir eine eventuell gefühlte Hilflosigkeit und wandeln sie in Selbstwirksamkeit um. Mit älteren Kindern können wir auch schon gemeinsam überlegen, wie sie Dinge gelöst haben und was dabei gut funktioniert hat. Außerdem halte ich es für wichtig, Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen aber auch, dass die Kinder sich bewegen können. Das alles dient der Selbstregulation.

Bestätigung der eigenen Arbeit

Alter Hut!? Haben wir alles schon!? War mir eh klar!? Umso besser! Denn daran wird deutlich, dass wir gar nicht so viel Neues tun müssen um die Kinder zu stärken. Nur das, was wir sowieso schon tun darf überdacht, verändert und bewusster getan werden und zumindest mich entspannt das sehr und bestärkt mich darin, dass schon alles gut ist.

Deine Fea Finger

P.S.

Falls Du mehr von und über Fea Finger hören und erfahren möchtest, dann hör in Ihren tollen Podcast: Feas Naive Welt. Hier beschäftigt sie sich mit vielen wichtigen pädagogischen Themen. Kurzweillig und immer mit Tiefgang. Oder folge ihr auf Instagram @feafinger

Außerdem war sie auch schon zu Gast bei mir den den KitaTalks mit dem Thema: “Achtung vor Eltern in der Pandemie”.

Kraft schöpfen in der Krise

Es liegen verrückte und herausfordernde Monate hinter Dir und weiterhin bestimmt die Pandemie Dein und unser aller Leben.

Es ist viel passiert, was vor 1 Jahr noch undenkbar gewesen wäre: Schließung der Kitas und Tagespflege, Pädagogische Fachkräfte zwischen Homeoffice und Notbetreuung, pädagogischer Alltag auf Abstand und von Hygieneregeln dominiert, Betretungsverbote für Eltern, Kommunikation per Videokonferenzen u.v.m. Und wie so häufig liegen auch hier Herausforderungen und Chancen nah beieinander. Viele Pädagogische Fachkräfte Teams haben in den vergangenen Monaten viel gemeinsam geschafft und geleistet.

Das Kita-Team als Ameisenvolk

Spontan muss ich hierbei an ein Ameisenvolk denken. Viele Teams sind gut mit einem Ameisenvolk vergleichbar. 

Ameisen haben im Wald eine wichtige Aufgabe und ohne sie würde das Ökosystem zusammen brechen.  Sie sind gut organisiert und jede Ameise weiß ganz genau, was sie zu tun hat. Dabei ist sie in der Lage, ein Vielfaches ihres eigenen Gewichtes zu stemmen. Ameisen arbeiten im Team, um eine Aufgabe zu bewältigen. Darüberhinaus verbessern Ameisen durch ihr Tun, das Lebensumfeld und schaffen eine Umgebung, in der Pflanzen besser wachsen und gedeihen können. Sie beherbergen Ameisen andere Käfer und Insekten in ihrem Ameisenbau und versorgen diese.

Die Wichtigkeit der Kinderbetreuung

Aber bevor ich diesen Vergleich überstrapaziere, ist in den vergangenen Monatenauf jeden Fall sehr deutlich geworden, wie wichtig Kita und Kindertagespflege für Kinder, Eltern und Gesellschaft aus den unterschiedlichsten Gründen sind. In diesem Kontext ist von Dir und Deinen Kolleg*innen viel abverlangt worden. Immerwieder kamen veränderte Situationen und Anforderungen auf Dich zu und nicht immer wurde danach gefragt, wie es Dir gerade geht oder ob Du das alles mit Deiner eigenen Situation vereinbaren kannst. Die eigenen Bedürfnisse, Ängste und Sorgen musstest Du manches Mal zurückstellen. Für Kinder und Eltern galt und gilt es mit viel Kraft und Zuversicht, Sicherheit und Halt zu geben. Trotz eigener Sorgen und Ängste bist Du ein wichtiger Leuchttum und gibst Orientierung. Du beobachtest die Kinder, setzt Dich für ihre Bedürfnisse ein und versuchst Ihnen eine möglichst schöne Zeit zu bereiten. Du hälst trotz Abstand Kontakt zu den Eltern. 

In meinem aktuellen YouTube KitaTalk “Kraft für die Krise” mit Sandra Warsewicz von der “Werkstatt für gute Gedanken”, sagt sie etwas sehr Wichtiges und Einprägsames. Sie macht darauf aufmersam, dass das wertvollste Werkzeug, mit dem Du als Pädagogische Fachkraft arbeitest, Du selbst bist. Und gerade weil das so ist, besteht schnell die Gefahr, dass Du Dich selbst in dieser Arbeit abnutzt.

Was Du gerade dafür brauchst, ist eine große Portion Resilienz und Selbstfürsorge.

Was ist Resilienz?

Resilienz beinhaltet zunächst einmal die Stärke mit Krisensituationen kompetent umzugehen.  Das Wort kommt ursprünglich aus dem lateinischen und heißt soviel wie „abprallen“. Auch in der Physik wird von Resilienz gesprochen, dort beschreibt Resilienz eine elastische Substanz, die selbst nach starker Deformation von selbst wieder in den ursprünglichen Zustand zurückkehrt.  In der Psychologie und Pädagogik versteht man unter Resilienz eine seelische Widerstandskraft.

In dieser Pandemie musst Du gerade eine Menge von Dir abprallen lassen und trotz ständiger Einwirkungen und Anforderungen von außen weitermachen. 

Manchen von uns ist diese seelische Widerstandskraft von Anfang an in die Wiege gelegt worden. Andere müssen sie erst entwickeln. Grundsätzlich kann man Resilienz in jedem Alter auf- und ausbauen. Resiliente Menschen gelten als fröhlich, ausgeglichen, kreativ und anpassungsfähig. Sie verfügen über eine innere Zuversicht, einen starken Charakter und ein tragendes soziales Netz.

Die 7 Säulen der Resilienz

Es werden 7 Säulen benannt, aus denen sich die menschliche Widerstandskraft zusammensetzt.  Je mehr von diesen einzelnen Säulen Dir zur Verfügung stehen und um so stärker die einzelnen Säulen ausgeprägt sind, umso unbeschadeter wirst Du durch diese andauernde Krise gehen und gleichzeitig den Kindern und Eltern Sicherheit, Kraft und Zuversicht in stürmischen Zeiten geben können.

Optimismus

Als optimistischer Mensch lässt Du Dich sich selbst in schwierigen Lebenslagen nicht unterkriegen.  Du handelst nach dem Prinzip: „Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“ (Oscar Wild)

Um Optimismus aktiv in Dir zu erzeugen, schau auf das positive um Dich herum und was Dir auch in diesen schwierigen Zeiten gerade gut gelingt. Mach Pläne für die Zeit nach der Pandemie und freu Dich auf das, was wieder kommen und möglich sein wird.

Vergiss den Humor nicht. Es gibt wundervolle Bücher mit lustigen Kinderzitaten, die förmlich dazu einladen, mal wieder herzhaft und unbeschwert zu lachen. Schenk Dir jeden morgen ein bewusstes Lächeln im Spiegel. Zur Erinnerung kannst Du Dir ein Post It mit der Frage: “Heute schon gelacht?” an den Spiegel kleben. Vertiefend zum Thema: “Mit Humor geht alles leichter” habe ich bereits im 1. Lockdown einen Blogbeitrag veröffentlicht.

Akzeptanz

Als resilienter Mensch siehst Du den Dingen ins Auge und akzeptierst die Situation, so wie sie ist. Dadurch bist Du in der Lage, die anstehenden Probleme in Angriff zu nehmen. 

Lösungsorientierung

Als resiliente Persönlichkeit lässt Du Dich auch in problematischen Situationen nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Du nimmst Probleme als Herausforderung an. Anstatt „warum trifft es gerade mich?“, fragst Du Dich, „was kann ich jetzt tun, um aus dieser Situation wieder herauszukommen?“. 

Raus aus der Opferrolle 

Als resilienter Mensch verabschiedest Du Dich von der Opferrolle. Du denkst darüber nach,  was Du selbst zur Situationsveränderung beitragen kannst. Du weißt, dass wenn Du Dich zu sehr selbst zu bedauerst, dies eher selbstverletzend wirkt und es den Weg nach vorne zu sehen verbaut.

Verantwortung übernehmen

Übernimm Verantwortung für Dich und Andere. Überlege, was Dir gut tut und wie Du dies Dir selbst erfüllen kannst. Such nicht nach Anerkennung im Außen, gib Dir selber Anerkennung aus Dir selbst heraus. Achte Dich selbst und sorge gut für dich, damit Du immer wieder Kraft schöpfen kannst. Denn nur wenn Du selbst gut für Dich sorgst, kannst Du gut für andere sorgen. Vertiefend findest Du hierzu einen weiteren Blogbeitrag aus dem Frühjahr: Balance zwischen Empathie und Selbstfürsorge. Dort kannst Du auch kostenfrei ein Selbstfürsorgekärtchen für Dich zur Erinnerung herunterladen.

“Wenn immer alle nur meckern, dann können wir so was wie Corona halt nicht mehr machen.” – dieses Zitat fand ich vor kurzem auf einer Postkarte. Tja, wenn es immer so einfach wäre, aber im Moment können wir diesen Zustand nicht einfach abstellen. Trotzdem können wir alle ein Stück zur Verbesserung beitragen, indem wir verantwortlich uns an bestimmte Vorgaben halten. Ich bin davon überzeugt, wenn jede*r von uns sich einfach mal etwas zurück nimmt, dann bekommen wir diese Pandemie um so schneller in den Griff. Die Einschränkungen sind lästig und blöd, aber mal Hand aufs Herz: ich für mich möchte nicht für den Rest meines Lebens verantworten müssen, dass durch meinen Leichtsinn oder Egoismus andere Menschen zu Schaden gekommen sind.

Netzwerke aufbauen und pflegen

Gerade ist es wieder an der Zeit sich auf seine sozialen Netzwerke zurückzubesinnen. Sich anderen Menschen anzuvertrauen und engere Bindungen einzugehen kann das eigene Selbstwertgefühl massiv steigern und dazu beitragen Krisen gelassener zu überstehen. Wer Freunde und gute Kolleg*innen im Hintergrund hat, die wie ein Fels in der Brandung hinter einem stehen, erlangt innerer Stärke.

Nutz die Gelegenheit und schau, wer Dir eine wichtige und wertvolle Stütze in den letzten Monaten war. Bedanke Dich bei diesen Menschen, in dem Du Ihnen sagst: Schön, dass es Dich gibt. Danke, dass Du für mich da bist.

Wo ist Dir trotz Distanz gelungen Nähe zu pflegen? Bei mir ist da eine ganze Menge positiv passiert – gestern noch habe ich mich mit zwei sehr nahestehenden Freundinnen per Zoom zum gemeinsamen Glühweinabend getroffen. Mein Mann und ich haben viel Zeit auf gemeinsamen Spaziergängen verbracht. Durch meine ersten zaghaften Schritte ins World-Wide-Web mit Instagram und Facebook bin ich Teil ein neues, tollen Pädagogen- Netzwerks geworden. Menschen, die wie ich alle das gleiche Ziel verfolgen: Andere Menschen – jedweden Alters – achtsam und bedürfnisorientiert zu begleiten, damit diese ihre ganz individuellen Ressourcen und Potenziale entfalten können.

Zukunft planen

Schließlich geht jede Krise vorbei- früher oder später. Deswegen solltest Du schon jetzt damit beginnen, Deine Zukunft planen.

Ein neues Jahr steht vor der Tür und ich blicke mit Zuversicht in die Zukunft. 2021 steht unter dem Stern vieler neuer Ideen und Projekte und Du wirst auch weiterhin in diesem Blog von mir hören. Privat freue ich mich darauf, wenn die Theater wieder verlässlich geöffnet haben und ich dem vielfältigen Kulturvergnügen wieder fröhnen kann. Desweiteren hoffe ich auf einen wundervollen Urlaub auf Madeira. Und mein Mann plant gerade eine große Fernreise für die Zeit, wenn das reisen wieder gehen wird. Es gibt viele kleine und große Pläne auf die ich mich schon jetzt freue, weil ich weiß, dass es eine Zeit geben wird, wann das alles wieder möglich ist.

Deswegen schreib Dir eine Liste, was Du auf jeden Fall machen möchtest, wenn die Pandemie wieder im Griff ist. Worauf freust Du Dich am meisten? Vielleicht hast Du ja Lust, mir darüber in den Kommentaren zu berichten.

Für deine Arbeit gilt ganz Ähnliches. Am besten legst Du Dir mit Deinen Kolleg*innen schon heute eine „Schatzkiste“ an, wo all das hinein kommt, dass Euch in der pädagogischen Arbeit wichtig ist und was Ihr wieder re-aktivieren wollt, sobald es wieder möglich ist.

Jede Krise stärkt 

Nicht alles ist schlecht an so einer Krise. Das Leben verläuft nicht immer so wie wir uns das vorstellen. Und gerade diese Pandemie hat unser aller Leben ganz schön durcheinander geworfen. 

Trotzdem ist nicht alles schlecht, was wir in den letzten Monaten erlebt und erfahren haben. Begib Dich auf Schatzsuche und schau, was Du Gutes mit aus dieser Zeit nimmst.

Grundsätzlich hat Jede*r von uns Einfluss darauf, wie er*sie diese Krise erlebt und im Nachhinein bewertet. Mit der entsprechenden Haltung haben wir alle die Chance, gestärkt aus dieser Krise hervorzugehen.

Erfolge und eben auch Misserfolge begleiten uns unser ein Leben lang. Und auch wenn nicht immer alle 7 Säulen gleichermaßen gegeben sind, Du hast die Chance Tag für Tag ein bisschen mehr dazu zu gewinnen und aufzubauen.

In diesem Sinne wünsche ich Dir von ganzem Herzen eine besinnliche und erholsame Weihnachtszeit und komm möglichst gesund ins Neue Jahr.

Deine Anja

P.S. Hier kannst Du den KitaTalk mit Sandra Warsewicz in voller Länge anschauen:

Mit Humor geht alles leichter

copyright A.Cantzler, 2020

Während meiner Coachingausbildung sagte mein Ausbildner Heinrich Fallner immer zu uns: „Coaching ohne Humor ist witzlos.“ Da ich von Natur aus ein sehr humorvoller Mensch bin, möchte ich diesen Satz dahingehend erweitern: „Das Leben ohne Humor ist witzlos.“ Im Laufe meines Lebens habe ich Humor in seinen unterschiedlichsten Facetten und Wirksamkeiten als wichtige und wertvolle Ressource erlebt und erfahren. In Zeiten wie diesen ist es bestimmt nicht immer leicht, einfach mal beherzt zu lachen, sich zu amüsieren, sich zu erfreuen und Spaß zu haben. Trotzdem oder gerade jetzt ist wichtig, sich den Humor zu bewahren.

Der Humor und seine Wirkung

Schon Sigmund Freud hat darauf hingewiesen, dass „der Humor nicht nur etwas Befreiendes,… sondern auch etwas Großartiges und Erhebendes“ hat. Für mich hat Humor neben der befreienden Heiterkeit auch immer etwas von Trost und Mitgefühl. Es tut einfach gut in schwierigen Situationen, gemeinsam mit anderen zu lachen.

„Lachen ist die beste Medizin.“, weiß der Volksmund zu berichten. Diese Weisheit ist mittlerweile durch viele Studien untermauert worden. Beim Lachen schütten wir Glückshormone aus, die sich positiv auf unser Immunsystem auswirken. Lachen lockert Körper, Geist und Seele. Es macht frei, eröffnet Kreativität und gibt Kraft.

Humor und Lachen haben ganz vielfältige Wirkungen:

  • Gemeinsames Lachen stärkt das Gemeinschaftsgefühl.
  • In angstauslösenden Situationen helfen Humor und Lachen sich von der Gefahr zu distanzieren und das Gefühl der Angst damit zu verringern.
  • Humor kann Selbstmitleid verringern.
  • Humor und Lachen helfen eigene Fehler anzunehmen und zur eigenen Unvollkommenheit zu stehen.
  • Lachen befreit und macht einfach nur Spaß. Es weckt das innere Kind in uns.
  • In der pädagogischen Arbeit mit den Kindern sind Humor und Lachen wichtige Zutaten für eine gelingende Erziehung und Beziehung.
Lache mehrmals am Tag

„Lache dreimal am Tag mit Deinem Kind.“ Das ist eine Empfehlung von Pestalozzi, die er vor 200 Jahren aussprach. Ich hoffe von ganzem Herzen mit Euch, dass Ihr schon bald wieder ganz viel mit Euren Kindern in der Kita und Kindertagespflege lachen könnt.

Für heute wünsche ich Euch, dass Ihr mit einem Lachen im Gesicht in das kommende Wochenende startet.

Eure Anja

P.S. Ich habe ein wunderschönes Gedicht über einen Lachstein, dass mir eine Kollegin vor einigen Jahren mit einem selbst bemalten Lachstein geschenkt hat. Wenn Ihr dieses Gedicht zugeschickt bekommen wollt, setzt Euch mit mir über mein Kontaktformular mit dem Stichwort „Lachstein“ in Verbindung. Ich schicke Euch das Gedicht dann gerne zu.